Im Kleinen Wiesental bringt das Festival „Tanz. Kultur. Dialog“ auf der Open-Air-Bühne des Kulturraums Rosenhof in Schwand Tanztheater: modernen Ausdruckstanz als Spiegel der Zeit, Bewegungs- und Körpertheater.

Ein spannendes Tanzprojekt im Grünen zeigte die Gruppe „Vis à vie“ beim Open-Air-Tanzfestival in Schwand.
Ein spannendes Tanzprojekt im Grünen zeigte die Gruppe „Vis à vie“ beim Open-Air-Tanzfestival in Schwand. | Bild: Jürgen Scharf

Der Rosenhof, schon immer ein magischer Ort interkulturellen Begegnungen, feiert sein 20-Jähriges mit einem opulenten Tanz-, Musik- und Kunstfestival, zu dem 20 professionelle Tanzkompagnien, Ensembles, Solotänzer und Profimusiker anreisen. Pilar Buira Ferre, Hausherrin und Choreografin und selber Ensembleleiterin, hat mit den Besten aus ihren Tanzprojekten die achtköpfige Gruppe „Vis à vie“ gebildet und zeigt eine neue Hausproduktion mit Live-Musik und Elektronik.

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Vor der Holzwand des großen Schopfes im Grünen sind Stühle angenagelt, darauf sitzen und räkeln sich die Akteure bei dieser mysteriösen Bewegungsperformance. Die Verrenkungen und Bewegungen der Protagonisten, wie man sie im klassischen Ballett nie finden würde, sind eine Rebellion des Körpers. Das Leben ist der Ideengeber für diese Choreografie, die zwei Mal vor begeistertem Publikum aufgeführt wurde.

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Kulturübergreifend ist auch die Kunst- und Tanzperformance der Tänzerin Pilar Buira Ferre und der Künstlerin Dorothée Rothbrust, eine Kollaboration zwischen Tanz und bildender Kunst. Die Begegnungen der Tänzerin vor einer transparenten Plane, hinter der die Malerin mit breitem Pinsel in Schwarz mit roter Linie die gestischen Figuren nachzeichnete, war ein interessanter Dialog zwischen den Künsten.

Exotische Tanzformen

Mehr das Groteske und Absurde bediente der in Kampfsportarten bewanderte Franzose Martin Grandperret, der seine Muskeln spielen ließ. Im Prinzip ging seine Choreografie aber um die Zwänge des modernen Menschen, um einen Geschäftsmann zwischen Handy und Alptraum. Exotische japanische Tanzformen wie der Butohtanz, bei dem der entfremdete Körper weiß geschminkt wird und der Schamanentum mit moderner Tanztechnik kombiniert, sind auch wieder zu sehen.

Migrationsthema spannend inszeniert

Höhepunkt der beiden ersten Veranstaltungsabende war der einzige nicht tänzerische Beitrag, das Sprech- und Bewegungstheater der Italienerin Ilaria Drago, deren Geschichte auf wahren Ereignissen und Nachrichten basiert. Ihr theatralisch-performatives Stück zu nächtlicher Stunde handelt exemplarisch von einer jungen Frau aus Afrika, die übers Meer nach Europa flieht und mit dem Boot untergeht. Das Migrationsthema wurde sehr spannend um ein leeres Wasserbecken und kleines Amphitheater inszeniert, mit zahllosen verstreuten Glasflaschen, die das Meer symbolisierten, und Stimmen, die aus der Tiefe kamen.