Kreis Lörrach (gtr) Zu einer immer wichtigeren Institution im Landkreis entwickelt sich die Fachstelle Wohnungssicherung der AGJ-Wohnungslosenhilfe im Kreis Lörrach, die seit zehn Jahren besteht. 416 Haushalte wurden im vergangenen Jahr beraten, die von Zwangsräumung bedroht waren. In 135 Fällen konnten die Wohnungen gesichert werden oder Alternativwohnraum gefunden werden. Und auch um Menschen, die bereits ordnungsrechtlich untergebracht sind, kümmert sich der AGJ.

Die Fachstelle Wohnungssicherung wurde 2009 für Lörrach gegründet, 2014 kam Weil am Rhein dazu, seit 2017 finanzieren auch die Stadt Rheinfelden und der Landkreis die Fachstelle mit. Sylvia Ziegler betreut die Menschen, die von einer Zwangsräumung bedroht sind. Etwa ein Drittel melde sich direkt bei der Fachstelle, schilderte sie bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Auf die anderen wird sie durch Mitteilungen der drei Amtsgerichte im Kreis aufmerksam. Diese melden ihr, wenn ein Verfahren zur Zwangsräumung eingeleitet wird. Sie berät die Betroffenen und arbeitet eng zusammen mit anderen Institutionen.

Die Gründe, warum Menschen ihre Wohnung verlieren, sind vielfältig, erklärte Stefan Heinz, Leiter der AGJ-Wohnungslosenhilfe. Sie werden arbeitslos oder krank, gehen in Rente und bekommen weniger Geld, Paare trennen sich. Plötzlich ist die bisherige Wohnung zu teuer, und es ist schier unmöglich, auf dem angespannten Wohnungsmarkt in der Region eine günstigere zu finden. Ein Drittel der betroffenen Haushalte lebt von Hatz IV. Für sie ist es oft ein Problem, mit dem Betrag, den das Jobcenter bezahlt (391 Euro Kaltmiete für eine Einzelperson in den Städten des Landkreises, auf dem Land noch weniger), eine Wohnung zu finden. 21 Prozent der Haushalte, die von der Fachstelle betreut werden, verfügen über ein Einkommen, oft im Niedriglohnsektor oder in der Zeitarbeit. Aber auch Normalverdiener kämen inzwischen in die Gefahr, ihre Wohnungen zu verlieren.

40 Prozent der 416 Haushalte, die 2018 von der Fachstelle beraten wurden, sind Familien mit Kindern. In 135 Fällen wurde die Wohnung gesichert oder eine Alternative gefunden.
Menschen, die ihre eigene Wohnung verloren haben und ordnungsrechtlich untergebracht sind, hat die AGJ-Wohnungslosenhillfe in Lörrach (57 Fälle) und Rheinfelden (30 Fällen) ebenfalls geholfen. Die zuständige Betreuerin Slavica Stanojevic berichtet, dass 13 dieser Haushalte in Lörrach und neun in Rheinfelden wieder einen eigenen Mietvertrag unterzeichnen konnten, und somit den stigmatisierten Status „obdachlos“ überwinden konnten. Untergebracht seien sie in der Regel in Wohnungen der Wohnbaugesellschaften.

Die Situation auf dem Wohnungsmarkt im Kreis ist seit Jahren extrem angespannt, und Stefan Heinz sorgt sich, dass sie sich weiter verschlechtern könnte. Die Zahlungen des Jobcenters müssten an die tatsächlichen Miethöhen angepasst werden, ist eine Forderung der des AGJ-Fachverbandes in der Erzdiözese Freiburg. Zudem müsse es mehr sozialen Wohnungsbau geben, um der Obdachlosigkeit und ihren sozialen Folgen zu begegnen. Eine weitere Folge ist, dass Fachkräfte nicht herziehen können, weil sie keine Wohnung finden. In diesem Zusammenhang hat Heinz eine leise Hoffnung: Vielleicht, sagt er, komme es ja zu einer Renaissance der Firmenwohnungen.