Christoph Meckel kam mit seiner Frau ins Hebelhaus Hausen, dem Elternhaus des alemannischen Dichterfürsten Johann Peter Hebel. Über dem sommerlichen Jackett hatte der neue Hebelpreisträger ganz locker und unkonventionell eine hellbeige Stofftasche mit langen Riemen geschultert, die er im Literaturmuseum auf den Lesetisch legte und aus der er drei Bücher herauszog.

Dann las der 82-jährige Literat und Grafiker aus Freiburg sehr gedankenvolle, tiefgründige Gedichte, die viel mit Natur zu tun hatten, Erinnerungen an die Kindheit waren, vor allem an die Kirschbäume und die Kirschen („aus einem Tropfen Blut Gottes geschaffen“), sowie Gedichte wie „Mein Vogel“ oder das „Musikschiff“ über eine Spieldose in Schiffsform. Unterbrochen wurde die Lyrik von Erzählungen mit regionalem Bezug.

Seinen Vortrag hatte der Lyriker und „grandiose Verfasser kurzer Prosa“ (Volker Habermaier, Präsident des Hebelbundes) mit dramaturgischer Steigerung angelegt. Nach den Naturgedichten und Geschichten wie der Erinnerung an den Ort Ötlingen im Markgräflerland („Mein Garten Eden“), wo Meckel gute acht Jahre gelebt hat und den er sehr poetisch „mein Paradies“ nennt, wurde der Gehalt der Texte immer existenzieller, philosophischer, dramatischer.

In der Erzählung „Schwarzwälder Sommer“ erinnert sich der Ich-Erzähler an Sommerferien während des Kriegs in Kirchzarten und geht in die Beeren („klebrige Unschuld der Marmeladenzeit“). Zu dem Gedicht für seinen Vater, den Schriftsteller und Hebelforscher Eberhard Meckel, der 1966 schon den Hebelpreis erhielt und über den der Sohn eine nicht unkritische Biografie verfasste („Suchbild. Über meinen Vater“), merkte Christoph Meckel an: „Ich habe ihn nie froher gesehen“.

Die eindrücklichste Erzählung war die unter die Haut gehenden Schilderung „Der Brand“. Darin beschreibt Meckel, der damals neun Jahre alt war, als Augenzeuge die Bombardierung von Freiburg am 27. November 1944. Zahllose Geschwader sieht der Junge über Freiburg fliegen, dann müssen er, die Mutter und die Geschwister in den Luftschutzkeller des Nachbarhauses flüchten; nach der Entwarnung verfolgt der kleine Christoph in der Ferne den Untergang Freiburgs, das große Feuer, und er fragt sich: Steht das Münster noch? Und gibt es noch den Andenkenladen am Münsterplatz? Eine Geschichte, die zudem als Metapher eine traurige persönliche Pointe hatte. Über einen Besuch in Israel bleibt einem vor allem der letzte Satz im Gedächtnis: „Die Erde ist ein Garten ohne Draht und Stachel“. Danach packt Christoph Meckel seine Bücher wieder in die Jutetasche, und die Literaturfreunde warten schon mit Büchern in der Hand, auf dass der frisch gekürte Hebelpreisträger sie signiere.