Die B 317 soll zwischen dem Autobahnanschluss Hasenloch in Lörrach und dem Kreisel in Steinen bis zur Inbetriebnahme des Zentralklinikums 2025 punktuell ausgebaut, Engpässe entschärft und die Anbindung des Klinikums an die Bundesstraße realisiert sein. An der Finanzierung seitens des Bundes soll das nicht scheitern, betonte Steffen Bilger (CDU), Staatssekretär im Verkehrsministerium am Montag vor Medien in Lörrach. Planungstechnisch- und rechtlich aber ist das ein ambitioniertes Ziel. „Da darf nichts dazwischen kommen“, sagte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer.

Der Knoten im Hasenloch von der Burg Rötteln aus gesehen.
Der Knoten im Hasenloch von der Burg Rötteln aus gesehen. | Bild: Elisabeth Badur

Der Aus- und Weiterbau der großen Straßeninfrastruktur im Kreis stand im Zentrum der vom Wahlkreisabgeordneten Armin Schuster (CDU) organisierten Visite des Parlamentarischen Staatssekretärs. Im Detail ging es in diversen Vor-Ort-Terminen um die wie eine Perlenkette aufgereihten Projekte an der B 317 zwischen Lörrach und Steinen sowie den Weiterbau der A 98 östlich von Rheinfelden.

Die Ausgangslage an der B 317

Die B 317 ist die „Schlagader des Wiesentals“, wie sie Lörrachs Oberbürgermeister Jörg Lutz und Steinens Bürgermeister Gunther Braun gleichermaßen nannten. Den Vertretern des Kreises ist es ein Anliegen, diese bis zu der für das Frühjahr 2025 anvisierten Inbetriebnahme des Zentralklinikums zu ertüchtigen. Ziel ist, dass es trotz des darüber erwarteten höheren Verkehrsaufkommens eine deutliche Verbesserung gibt gegenüber dem – zumindest zu Hauptverkehrszeiten – schon heute von Staus geprägten Istzustand. Es wäre ein fatales Signal an die Bürger, wenn der Staat auf der einen Seite ein modernes Klinikum baue, auf der anderen aber nicht in der Lage wäre, dessen angemessene Erreichbarkeit durch den Individualverkehr zu sichern – zumal genau das eines der Argumente für die Bündelung der Kliniken an diesem Standort gewesen sei, betonten Landrätin Marion Dammann und Jörg Lutz. Tatsächlich biete dieser außergewöhnliche „äußere Anlass“, (Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer) aber einen weithin respektierten Grund, einzelne punktuelle Projekte des im Bundesverkehrswegeplans als vordringlichen Bedarf mit Planungsrecht hinterlegten Ausbaus der Bundesstraße zwischen Schopfheim und dem Anschluss an die A 98 im Hasenloch zu priorisieren.

Die Pläne fürs Hasenloch

Was die Verknüpfung der Bundesstraße und der Autobahn im Hasenloch betrifft, setzen die Planer im Regierungspräsidium darauf, den einen großen Knotenpunkt aufzulösen in zwei Teilknoten, schildert Jürgen Kaiser von der Abteilung Straßenbau und Verkehr. Derzeit werden auf Basis einer bereits abgeschlossenen Machbarkeitsstudie, in der 18 Varianten untersucht wurden, noch verschiedene Alternativen vertieft geprüft. Favorisiert werden dabei Modelle mit einer neuen, westlich des Hasenlochs verlaufenden Brücke. Diese soll den aus Richtung Weil beziehungsweise von der A 5 kommenden Verkehr über die B 317 leiten und ein kreuzungsfreies Einfädeln erlauben. In einer erweiterten Version könnte darüber auch der aus Lörrach gen Rheinfelden auf die A 98 fließende Verkehr ohne Linksabbiegen auf die Autobahn geleitet werden. Zeitweise auch diskutierte Troglösungen scheiden aus Sicht es Regierungspräsidiums dagegen aus. Bis zum Jahresende will die Behörde für dieses Vorhaben nun eine Vorzugsvariante definieren.

Vollanschluss fürs Zentralklinikum

Auch für das Zentralklinikum ist ein kreuzungsfreier Vollanschluss mit sogenannten Ohren an die B 317 von 2025 an aus Sicht des Kreises „zwingend“, betonte der Erste Landesbeamte Ulrich Hoehler – zumal das Verkehrsaufkommen an der heutigen T-Kreuzung ins Gewerbegebiet Entenbad schon bei fast 30 000 Fahrzeugen pro Tag liege und über das Klinikum mit einer Zunahme um bis 20 Prozent, also rund 6000 Fahrzeugen, zusätzlich gerechnet wird. Allerdings handele es um ein kompliziertes Vorhaben mit einer Überführung der Bahnstrecke ins Wiesental, die an der Stelle vermutlich ebenfalls noch zweispurig ausgebaut werde, so Hoehler. Andererseits sei dieses Projekt „unabdingbar“. Wenn es einen „Risikofaktor“ für das Gelingen des wegen seines bundesweiten Leuchtturm-Charakters weithin gelobten Zentralklinikums gebe, sei es diese Verkehrserschließung, signalisierte denn auch Armin Schuster an dem Punkt seine unbedingte Unterstützung.

Der Steinener Kreisel

Unstrittig ist entlang dieser Perlenkette auch der Handlungsbedarf bei dem erst vor gut zehn Jahren gebauten Kreisel in Steinen. Dieser sei inzwischen wieder ein „Nadelöhr“ für das ganze Wiesental, merkte Steinens Bürgermeister Gunther Braun an und verursache Rückstaus zum Teil bis Lörrach. Die erste Wahl für eine Optimierung an dieser Stelle ist inzwischen ein unter dem Kreisel durchführender rund 100 Meter langer Trog für die Bundesstraße, der zugleich schon deren angepeilten vierspurigen Ausbau zwischen Lörrach und Schopfheim einkalkuliert, erläuterte Jürgen Kaiser vom Regierungspräsidium. Konkret läuft für dieses Vorhaben derzeit noch ein Variantenvergleich, so dass die Wahl der Vorzugsvariante für das Frühjahr 2019 anvisiert wird.

Zeithorizonte und Planung

Klar ist, dass diese Projekte zwar möglichst zeitgleich zur Inbetriebnahme des Zentralklinikums realisiert sein sollen. Aber sie bleiben punktuell. Das heißt, es kommt vorerst nicht zu einem über die Einzelprojekte hinausgehenden vierspurigen Ausbau der B 317 – auch nicht auf dem kurzen Abschnitt zwischen dem Vollanschluss für das Zentralklinikum und dem Kreisel Steinen, betonte Jürgen Kaiser auf Nachfrage. Tatsächlich würde das die Projekte planungstechnisch weiter verkomplizieren. Die Planung aber sei angesichts knapper Ressourcen ohnehin schon die Achillesferse dieser Optimierungen, merkte Regierungspräsidentin Schäfer an. Für den Vollanschluss des Klinikums geht einstweilen denn auch die Stadt Lörrach planerisch in Vorleistung.

A 98 bei Rheinfelden

Zwischen den zwei Rheinfelder Ortsteilen Minseln und Karsau traf Bilger auf Mitglieder der Bürgerinitiative. Auch Oberbürgermeister Klaus Eberhardt war gekommen. Er bekräftigte nochmals, dass die Stadt für den schnellen Weiterbau der A 98 eintritt, aber es sei zu bedenken, dass der Dinkelberg eine empfindliche Landschaft ist, die besonderer Pflege bedarf. Dem schloss sich Uwe Tittmann an. Er gehört mit Klaus Weber von Anfang an der Bürgerinitiative an, die sich für einen sorgsamen Bau der Autobahn über den Dinkelberg einsetzt. Sie geben ihren Vorschlag einer Überdeckelung nicht auf, zumal diese mit relativ wenig Aufwand zu bewältigen sei. Es sei durchaus gerechtfertigt, sowohl ausreichend Landschaftsschutz als auch Minimierung der Belastungen für die Einwohner von Karsau und Minseln zu bedenken. Bilger verwies darauf, dass der Bundesrechnungshof bereits mehrfach Überdeckelungen kritisiert habe und deshalb wohl auch an der Stelle eine sehr gute Begründung notwendig sei, um die Mehrausgaben zu rechtfertigen.

Die A 98 bei Schwörstadt

Wohlwollen des Verkehrsministeriums für den weiteren Autobahnbau zeigt Bilger in Schwörstadt. Sowohl Bürgermeisterin Christine Trautwein-Domschat als auch Gemeinderäte gaben dem Staatssekretär detaillierte Informationen zur Belastung der Einwohner durch den Verkehr auf der Bundesstraße 34. Regierungspräsidentin Schäfer begründete ausführlich, dass erst die Entscheidung über den Verlauf der Autobahntrasse in Bad Säckingen getroffen sein muss, bevor der Abschnitt geplant werden könne. Doch sowohl die Bürgermeisterin als auch die Gemeinderäte verwiesen darauf, dass die unmittelbare Verkehrswirksamkeit geschaffen werden solle, sobald die neue A 98 an der Ortslage Schwörstadt vorbeigeführt ist. Bilger bat um Verständnis für die lange Planungszeit, denn es sei besser, erst die unanfechtbare Variante zu suchen als später korrigieren zu müssen. Die künftige Autobahngesellschaft habe bereits etliche Unterlagen für die A 98 erhalten und werde nach eigenen Zusagen dieses Projekt vorrangig bearbeitet. Ab Frühjahr 2019 sollte die Planung für den Gesamtabschnitt beginnen können.