Lörrach – Die Stadt Lörrach beabsichtigt, die zunehmend nachgefragte Schulkindbetreuung qualitativ weiter zu entwickeln. Der Einsatz qualifizierter Fachkräfte soll dabei zum Standard werden. Zugleich können die Kosten für die Kernzeitbetreuung um 40 Prozent reduziert werden, weil die Kernzeit verkürzt wurde. Für Leistungsempfänger wird außerdem die Betreuungsgebühr ermäßigt. Das hat der Hauptausschuss einstimmig beschlossen.

Die Mehrheit der Eltern favorisiert eine Ganztagsbetreuung von 7 bis 17 Uhr. Im laufenden Schuljahr nehmen 648 Kinder am Ganztagsbetrieb einer Grundschule teil. 181 davon benötigen nach dem Ende des Ganztagsbetriebs noch eine weitergehende Betreuung. Aus den Erfahrungen vergangener Jahre entstand 2018 das Lörracher Modell mit einer Betreuungsgarantie, halbtags von 7 bis 13 und ganztags von 7 bis 17 Uhr, einer Blockbuchung mit einer Kernzeit, der sozialen Staffelung der Elternbeiträge, aber auch einer Erhöhung der Elternbeiträge.

Blockbuchung bewährt sich

Die Blockbuchung statt der Buchung einzelner Stunden hat sich bewährt, weil sie die Organisation erleichtert und die Basis für durchgängige pädagogische Angebote schafft. Zudem zeigen Eltern keine mehrheitlichen Präferenzen für ein bestimmtes Zeitmodell, wie die Evaluierung gezeigt hat, die das SAK-Institut „Zeit & Wissen“ durchführte. Auf der Basis aller Grundschulstundenpläne hat man festgestellt, dass für die Kernzeit ein Block von 1,5 Stunden ausreicht, statt wie bisher 2,5 Stunden. Aus diesem Grund kann die Gebühr für den Kernzeit-Block um 40 Prozent sinken. Die soziale Staffelung der Beiträge wird allgemein akzeptiert. Aus dem unteren Einkommenssegment gaben jedoch 45 Prozent der Befragten an, den Betreuungsumfang nach der Kostenerhöhung reduziert zu haben. Deshalb wird bei Empfängern von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch die Gebühr um 50 Prozent ermäßigt und für jedes weitere Kind ganz entfallen. Gezeigt hat sich bei der Befragung aber auch, dass 64,25 Prozent der Eltern der höchsten Einkommensgruppe ab 4500 Euro monatlich angehören. Immerhin fast 19 Prozent gehören aber dem untersten Einkommenssegment an.

Die Qualität der Betreuung soll dadurch gesteigert werden, dass mehr pädagogische Leistungen erbracht werden. Aus diesem Grund soll an jedem Standort mindestens eine qualifizierte Fachkraft tätig sein. Vorhandene Kräfte sollen qualifiziert werden. Um die Qualität aufrechtzuerhalten, ist es aber auch erforderlich, dem Personal Sicherheit und die für die qualifizierte Arbeit nötigen Strukturen zu bieten. Deshalb sollen langfristige Verträge, ein höherer Stellenumfang und eine Bezahlung zumindest in Anlehnung an den Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst geboten werden. Außerdem soll es fünf Teamleiter-Treffen und drei Treffen des gesamten Teams pro Jahr sowie mehr Stellenanteile für die Gesamtkoordination geben.

Beteiligungsprozess für Qualitätsziele

Die Struktur des Systems soll künftig verstetigt und weiter evaluiert werden. Langfristig will die Stadt auch in die Bedarfsplanung für die Schulkindbetreuung einsteigen, wie Ilona Oswald, kommissarische Leiterin des Fachbereichs Jugend/Schulen/Sport, im Hauptausschuss des Gemeinderats sagte. Zur Entwicklung der Qualitätsziele wird ein Beteiligungsprozess angestrebt.

Yvonne Sommer (CDU) lobte die Vorschläge und die Schaffung von Qualitätsstandards: „Kinder sollen nicht nur verwahrt werden, pädagogische Angebote sind wichtig, auch als Brücke zwischen schulischen und außerschulischen Angeboten.“ Auch Christiane Cyperrek (SPD) lobte die Weiterentwicklung: „Genau so sollte man es machen.“

Insbesondere hob sie die Ermäßigung für einkommensschwache Eltern hervor, auch weil das Grundgesetz die Gleichheit der Lebensverhältnisse verlange. Margarete Kurfeß (Grüne) nannte die Vorschläge erfreulich und zielführend: „Es ist uns ein Anliegen, dass auch Familien mit weniger Einkommen Beruf und Familie vereinbaren können, da auch genau diese Kinder Betreuung benötigen.“ Die Ermäßigung für einkommensschwache Familien lobte auch Silke Herzog (Freie Wähler). Anette Bachmann-Ade (SPD) wies indessen darauf hin, dass die Betreuung von vielen Beziehern mittlerer Einkommen als zu teuer angesehen werde.