Es läuft beim Stadtlauf, sogar sehr gut. Mehr als 3000 Läufer haben wieder für ein Spektakel gesorgt. Der Kurs durchs Stadtzentrum ist der Star. Und die vielen ehrenamtlichen Helfer. Natürlich die vielen Kinder. Während halb Lörrach in Bewegung zu sein scheint, ist das Konzept in Stein gemeißelt. Da bewegt sich (fast) nichts. Tradition ist Tradition, lautet das Credo. Das seit Donnerstagabend bei 28 Auflagen erfolgreiche Konzept setzt voll auf den Breitensport. Hin zu mehr Spitzensport wird er sich nicht mehr bewegen.

Fokussiert auf der Strecke. Die gut 100 Kinder und Jugendlichen müssen kein Startgeld zahlen und bekommen oberdrein noch ein T-Shirt.
Fokussiert auf der Strecke. Die gut 100 Kinder und Jugendlichen müssen kein Startgeld zahlen und bekommen oberdrein noch ein T-Shirt. | Bild: Barbara Ruda

Diese Zeit ist vorbei. Andreas Obrecht erinnert sich, wie einmal afrikanische Topläufer und -läuferinnen mit zwei Kleinbussen aus Frankfurt herbeirchauffiert wurden, den Sieg unter sich ausmachten und das Preisgeld einstrichen. Deshalb waren sie gekommen. Leichtathleten, die vom Sport leben, müssen Prämien gewinnen – und etwas davon ihren Managern abgeben. Um die 700 D-Mark gab es früher, glaubt Obrecht, der seit jeher den Lauf moderiert, sich zu erinnern. Das war ungewöhnlich viel Preisgeld. Die Prämien sanken schon längst deutlich. „Wir wollten das nicht mehr“, sagt er. Abgesehen von der finanziellen Motivation: Heutzutage gebe es weniger Spitzenläufer als früher – nicht nur beim Stadtlauf, stellt Obrecht, der Leichtathletiktrainer beim TuS Lörrach-Stetten ist, fest.

Los geht‘s: Für sportliche Jugendliche ist der Stadtlauf eine coole Sache.
Los geht‘s: Für sportliche Jugendliche ist der Stadtlauf eine coole Sache. | Bild: Barbara Ruda

Für die Zuschauer war die Leistung der Profiläufer ebenso attraktiv wie die der aufgeregten Kinder und Jugendlichen und der stadtbekannten Starter, die das Bad in der Menge genießen und für die hohe Akzeptanz der Großveranstaltung sorgen. Aber niemand vermisst „Prämienjäger“. Stattdessen erweitern heimische Laufgrößen wie Max Frei, Michael Schramm, Vassili Kraus oder – wie am Donnerstag – Omar Tareq die Bandbreite der Leistungsfähigkeit von Kindern über Freizeitläufer bis Leistungssportler. Regnet es, wie diesmal nur mittags, macht das den Kurs auf dem Straßenpflaster fast waghalsig. Der Anziehungskraft schadet aber auch das nicht, obwohl der Lauf einmal wegen eines Unwetters sogar abgebrochen wurde.

Auf die bewährten Akteure im Hintergrund können die Veranstalter Stadt Lörrach, AOK Hochrhein-Bodensee, Badenova und Sparkasse Lörrach-Rheinfelden sich verlassen. Viele freiwillige Helfer, Läufer von fünf bis 80 Jahren und treue Sponsoren sind Garanten des Erfolgsmodells. So viele rennende Bambini und Schulklassen gebe es nirgendwo, staunt Jochen Cerff: „Das ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal.“ Der neue Streckenchef – der städtische Sportkoordinator Dieter Meinhold nennt ihn „Junior“-Streckenchef – kennt sich damit aus. Für Sicherheit bei Läufen zu sorgen, ist sein Beruf. Cerff bringt mehr Professionalität rein, jedoch abseits des Kurses wie schon bei der Zeitnahme, die seit 1998 ein Unternehmen übernimmt. Die Ausschreibung des Streckenchefs drückt keine neue Entwicklung aus. Sie dient dazu, Bewährtes zu erhalten, Tradition zu wahren. Sonst hätte Hans-Werner Frank sich verabschiedet und das einen groben Einschnitt ins Gefüge bedeutet. Frank ist – ehrenamtlich – schon immer Streckenchef, wollte aber nicht mehr die Verantwortung tragen. Da Cerff aus Lörrach ist und sich blendend mit Frank versteht, passe das perfekt, sagt Meinhold.

Senior- und Junior-Streckenchef: Hans-Werner Frank (links) und Jochen Cerff.
Senior- und Junior-Streckenchef: Hans-Werner Frank (links) und Jochen Cerff.

Dabei überstand der Stadtlauf alle Änderungen, ohne zu straucheln. Der Zielbereich ist erst zum zweiten Mal am Hebelpark, Startzonen gab es schon mehrere. Auch bewährte Kräfte wie der frühere Sportkoordinator Thomas Wipf gingen den Organisatoren verloren. Daher war Meinhold vor seinem ersten Lörracher Stadtlauf nicht bange: Er vertraut dem Team um Stefan Dieterle, Heidi Stegmüller und Ilona Oswald aus dem städtischen Fachbereich Jugend, Schulen, Sport. Sie hätten alles im Griff, kennen alle Akteure und wissen, was zu tun ist, damit alles gut läuft.

Schirme dienten im Hebelpark der Orientierung.
Schirme dienten im Hebelpark der Orientierung. | Bild: Barbara Ruda

Die gut 1000 Kinder und Jugendlichen müssen kein Startgeld zahlen und bekommen obendrein ein flottes T-Shirt geschenkt. Cerff schreibt den Lehrern einen Anteil an den vielen mitlaufenden Schulklassen zu. Doch ganz leicht gemacht werde es denen nicht, merkt Obrecht kritisch an, Er ist selbst Lehrer am Hans-Thoma-Gymnasium und bittet schon lange darum, Lehrern die Onlineanmeldung ganzer Schulklassen zu erleichtern. Sie müssen von jedem Schüler Name und Wohnadresse eingeben, die Schuladresse reicht nicht. Doch Obrecht beißt damit auf Granit. Der Stadtlauf pflegt eben seine Tradition.