„Unterm Blätterdach/ leiser Wind bewegtes Licht/ betört die Sinne“. Wie geschaffen für das lauschige Theater im Hof in Kandern-Riedlingen klingt dieses Gedicht in knapper Haiku-Form von Max Sauk. Der in Holzen lebende 88-jährige Bildhauer, Maler und Graphiker verfasst neuerdings auch lyrische Gedanken in der japanischen Kurzform von Poesie.

Als „kleine Zeugnisse großer Lebendigkeit“ bezeichnet Hausherr und Veranstalter Dieter Bitterli diese gedankenreichen Haikus des Künstlers, der sich inzwischen auch in Papiercollagen mehr den kleineren Formaten widmet. Bekannt geworden ist der gebürtige Hamburger durch teils lebensgroße Skulpturen und Figuren zu mythologischen Themen. So stammt etwa die Großplastik „Phoenix“ für die Landesgartenschau „Grün '99“ in Weil am Rhein von ihm. Mancher Kunstfreund wird sich auch Sauks Retrospektive zum Gesamtwerk („Der alte Pinsel und das Schöne“) 2014 in der Bad Säckinger Villa Berberich erinnern, wo er unter anderem eine große Don-Quijote-Figur zeigte.

Dass er in jüngster Zeit auch seine Gedanken im konzentrierten Dreizeilen-Format zu Papier bringt, sieht man in Sauks Ausstellung im Theater im Hof, wo er an den rauen Natursteinwänden der alten Scheune die handschriftlichen Gedichte neben den farbleuchtenden Papiercollagen angebracht hat. Sowohl in der Lyrik als auch in den Bildern konzentriert sich Sauk nunmehr auf das Wesentliche, auf wenige Formen, klare Farben, flächige Strukturen, Metaphern für das Leben, das Meer, die Natur.

Sowohl die malerischen als auch die textlichen Arbeiten verströmen ein starkes poetisches Flair, sind der Natur abgelauscht, auch den Stürmen des Lebens, dem Wind, dem Nebel, dem Gesang der Bäume, dem berauschenden Laubchor, den träumenden Ozeanen. Das Haiku „Hitze erdulden/schlürfe die Kühle der Nacht/taufrisch die Wege“ klingt wie eine erfrischende Sprachmelodie zu diesem heißen Sommer.

Auch Symbole, die sich durch Sauks ganzes Werk ziehen, tauchen wieder auf: das Ei, der Vogel, Wolken. Wer dieses malerische Alterswerk sieht, mag sich an die späten Scherenschnitte eines Matisse erinnert fühlen; wer die „schwebenden Gedanken“ liest, dem kommen vielleicht die Gedichte des schwedischen Literaturnobelpreisträgers Tomas Tranströmer in den Sinn, der als Meister der Reduktion gilt und der für Max Sauk eine große Inspiration ist.

Die Ausstellung ist am kommenden Wochenende 10., 11. und 12. August jeweils eine Stunde vor und nach den Vorstellungen im Theater im Hof in Kandern-Riedlingen zu sehen.