Lörrach Kultur: Burghof setzt einen neuen Akzent

Drei Abende in Folge mit Filmen, Szenen, Talkrunden über und von Rainer Werner Fassbinder. Das neue Format soll das künstlerische Profil schärfen.

Der Burghof wagt ein neues Format zwischen Kino, Theater und Talk: Vom 11. bis 13. Januar befasst sich eine dichte Reihe an drei aufeinanderfolgenden Abenden (und Nächten) mit dem Filmemacher Rainer Werner Fassbinder. Literarische Elemente, Theater und der Diskurs auf dem Podium oder an der Bar unterscheiden das Projekt von einer herkömmlichen Werkschau. Der Burghof versteht die Reihe mit dem Titel „Rainer Werner Fassbinder. Wer sonst!“ auch als inhaltliches Statement.

Burghof-Chef Markus Muffler möchte mit der Veranstaltung zwei Signale senden: Das Programm ehrt die entschiedene Künstlerpersönlichkeit Rainer Werner Fassbinder – und somit die Rolle der Kultur an sich. Muffler sieht genau dabei einen inhaltlichen Anknüpfungspunkt für „eine großes Haus mit städtischem und gesellschaftlichem Auftrag“.

Die zweite Botschaft, die Muffler mit dem Projekt verbindet, ist eine konzeptionelle: Diese ganz eigene Schwerpunktsetzung mit einem selbst entwickelten Programm stehe für das eigenständige Profil des Hauses. „Die Freunde der Burghof-Eigenproduktionen werden sich freuen“, sagt Muffler.Der Impuls, sich mit Rainer Werner Fassbinder, dem Workaholic des neuen deutschen Films der 1970er und frühen 1980er Jahre, zu befassen, kam Muffler 2015, als Zeitungen zum 70. Geburtstag an den 1982 gestorbenen Filmemacher erinnerten. Die Intensität, mit der Fassbinder gelebt und gearbeitet hat, habe ihn bewegt, sagt Muffler – aber auch die damals noch mögliche politisch-gesellschaftliche Rolle des Künstlers.

„Kultur ist und bleibt der beste Seismograph der Zeit“, sagt der Leiter der größten Lörracher Kultureinrichtung. Aber heute, so bedauert Muffler, bewege sich Kultur zu sehr „auf sattem Boden, ohne Bedürfnis nach Fortschritt.“ Das Projekt zu Fassbinder soll sozusagen im Sinn von Fassbinder eine Positionierung des Burghofs sein. Und: „Wir wollen zeigen, dass heute so ein Typ von Künstler fehlt.“

Für die Umsetzung hat Muffler einen alten Bekannten des Burghofs gewonnen. Niggi Ullrich, früher als Kulturreferent des Kantons Basel-Land für die institutionelle Kooperation mit dem Burghof zuständig, hat aus der Fülle des Stoffs drei Abende herauskristallisiert – „aus der Rinderherde einen Bouillonwürfel“ gemacht, wie er sagt. An drei Abenden gibt es jeweils bis spät in die Nacht mehrere Filme. Als eine Art Vorspann leiten kurze Texte und Sequenzen die Veranstaltung ein und zwischen den Filmen gibt es Gesprächsrunden und vor allem theatralisch-literarische Programmteile, die der Burghof selbst mit Schauspielern aus Freiburg und Basel einrichten wird.

Weil das Fassbinder-Programm keine Filmreihe und keine Retrospektive, sondern eine eigene aktuelle Auseinandersetzung sein möchte, bietet der Burghof für die drei Abende auch ein besonderes Raumkonzept: Publikum, Filme, Talks und Szenen – der Schauplatz für all das ist beziehungsreich die Burghof-Bühne.

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