Der Hilfebedarf von Kindern mit seelischen Behinderungen steigt massiv an. Deshalb soll der Jugendhilfeausschuss einen Teilhabeplan für junge Menschen mit (drohender) seelischer Behinderung beschließen. Am Dienstag wurde der Plan in einer Pressekonferenz vorgestellt, der neben Definitionen und einer ausführlichen Bestandsaufnahme von Institutionen und Zuständigkeiten auch Zielsetzungen erhält, die entwickelt werden sollen.

Neben Diagnosen wie Autismus und ADHS gehören zu den seelischen Behinderungen psychische Störungen, die sich manifestiert haben und sich negativ auf die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft auswirken.

Nicht alle Kinder und Jugendlichen, die unter seelischen Erkrankungen leiden, bräuchten Eingliederungshilfen, sagt Gerhard Rasch, Sachgebietsleiter Soziale Dienste, beispielsweise bei leichten Formen von Autismus. Essstörungen, das Borderlinesyndrom, Angst- und Panikstörungen sind laut Rasch häufige Störungen. In seltenen Fällen gibt es sogar Psychosen. „Die Ursachen liegen oft in den Familien, deshalb müssen wir auch dort arbeiten“, sagt Rasch.

Die Zahlen sind stark gestiegen: Erhielten im Jahr 2012 132 Kinder und Jugendliche mit seelischen Behinderungen Eingliederungshilfe, so waren es im vergangenen Jahr schon 263. 65 werden bei einem ambulanten Dienst betreut, 55 in der Kita, 19 zu Hause, 44 in einer Einrichtung im Landkreis und 20 in einer Einrichtung außerhalb des Landkreises. 69 sind Autisten, die Schulbegleitung brauchen. Einen Grund für die stark steigenden Zahlen sieht Sozialdezernentin Elke Zimmermann-Fiscella auch in besseren Diagnosemöglichkeiten.

Zwei Jahre lang arbeitete eine Arbeitsgruppe unter Federführung von Norbert Kreienkamp von der Stabsstelle Planung & Steuerung an dem Plan. Einen Teilhabeplan für Erwachsene mit seelischen Behinderungen gibt es bereits. Da aber Kinder andere Bedürfnisse haben, wurde nun der eigene Plan aufgelegt. In dem 64 Seiten starken Werk geht es zunächst vor allem um Definitionen. Wie muss die seelische Behinderung festgestellt werden? Wie ist der Anspruch auf Eingliederungshilfe?

Detailliert werden Verfahrenswege, Antragstellung und Zuständigkeiten behandelt, denn die liegt nicht allein beim Fachbereich Jugend und Familie. Je nach Fall können auch Schule, Sozialhilfe oder Krankenkasse zuständig sein. Festgesetzt sind auch Fristen, innerhalb derer die Zuständigkeit geklärt und der Leistungsbescheid ausgestellt werden soll.

Diese umfassen jeweils nur zwei bis drei Wochen und sie seien nicht einfach einzuhalten, räumt Gerhard Rasch ein. Zum einen benötigten qualitative Entscheidungen Zeit, zum anderen müsse auch der Entwicklungsprozess innerhalb der Familie berücksichtigt werden. Die weiteren Kapitel listen die medizinische und therapeutische Versorgung sowie die bestehenden Förder- und Hilfsangebote, stationär wie ambulant, auf.

Aus den Erkenntnissen leitet der Plan Zielsetzungen ab, wie die Teilhabe von jungen Menschen mit seelischen Behinderungen verbessert werden kann. Diese sollen, so Elke Zimmermann-Fiscella, nach und nach umgesetzt werden. Ein wichtiger Punkt ist die nicht ausreichende Versorgung mit Kinder- und Jugendpsychotherapeuten und -psychiatern. Hier kann der Kreis allerdings nur versuchen, durch die Gesundheitskonferenz auf die Kassenärztliche Vereinigung Einfluss zu nehmen.

Zudem soll der Blick verstärkt auf die vorschulische und schulische Förderung gelegt werden, um möglichst früh mit der Hilfe ansetzen zu können, denn bei seelischen Behinderungen besteht häufig die Chance auf Heilung.

Ferner soll das Angebot für junge Menschen in der Schnittstelle zwischen Schule und Beruf verbessert werden. Und nicht zuletzt sollen durch einen Pool von Coaching-Fachkräften Vereine und Institutionen im Umgang mit seelisch behinderten jungen Menschen geschult werden, um die Teilhabemöglichkeiten auch in der Freizeit zu verbessern.