Frau Hager, was wird im Pippi House Tansania gemacht?

Pippi bedeutet in Swahilisprache Süßigkeiten. Der Name ist eine Metapher und steht symbolisch für ein besseres Leben. Es ist das einzige Frauenhaus in Tansania und beherbergt rund 70 Mädchen und junge Frauen im Alter von 14 bis 26 Jahren. Es ist ein Zufluchtsort für Mädchen und junge Frauen, die physische, psychische und sexuelle Gewalt erfahren haben, aufgrund von extremer Armut auf der Straße lebten, sich prostituieren mussten, als Dienstmädchen verkauft wurden oder Opfer von Kinderhandel und Kinderarbeit waren. Sehr viele Frauen wurden vergewaltigt und dadurch schwanger. Sie werden von der Gesellschaft in Tansania als unrein bezeichnet und meist verstoßen. Teilweise leben die Mädchen mit ihren eigenen Kindern dort. Ziel ist es, den Mädchen eine Perspektive zu bieten.

Wir werden Sie von den Menschen in dem Frauenhaus aufgenommen?

Ich wurde von Anfang an sehr herzlich aufgenommen. Die jungen Frauen und Mädchen sind sehr dankbar über jede Form der Unterstützung. Allgemein herrscht im Pippi House viel Lebensfreude. Ständig wird getanzt und gesungen. Immer wieder bezeichnen mich die Bewohner als „Rafiki“ (Freund).

Wie sieht Ihre tägliche Arbeit aus?

Es gibt für mich keinen gewöhnlichen Alltag. Jeder Tag ist anders. Mein Aufgabenfeld ist sehr breit gefächert. Ich verwalte die zur Verfügung stehenden Gelder des deutschen Vereins ProManity für Lebensmittel, alltägliche Pflegeprodukte, Wasser und Strom oder für beauftragte Handwerker und organisiere die Einkäufe. Außerdem erledige ich Behördengänge, assistiere bei Schulbesuchen, nehme an Elterninformationsveranstaltungen teil und begleite Kranke bei Arztbesuchen. Ich unterstütze die Frauen bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten und biete den Frauen und ihren Kindern eine pädagogische und altersgerechte Freizeitgestaltung. Dazu gehört auch die Hausaufgabenbetreuung der Vor- und Schulkinder. Jeder Tag ist ein besonderes Erlebnis.

Johanna Hager aus Hausen engagiert sich in einem Frauenhaus in Tansania.
Johanna Hager aus Hausen engagiert sich in einem Frauenhaus in Tansania. | Bild: Privat

Gibt es auch Probleme bei der Arbeit?

Eine stetige Herausforderung ist für mich die gemächliche Grundhaltung der Tansanier, auf swahili „pole pole“. Als Mensch, der mit deutscher Pünktlichkeit und Korrektheit aufgewachsen ist, kann das schon mal nerven. Ein weiterer Belastungsfaktor ist die finanzielle Lage. Das Geld ist immer und überall sehr knapp. Das Pippi House ist daher auf der Suche nach Spendern, die den Bau eines eigenen Hauses unterstützen möchten.

Wie lange bleiben Sie noch in Tansania?

Ich bleibe noch bis Ende Januar im Pippi House in Tansania. Zwischenzeitlich habe ich außerdem zusammen mit einer anderen Volunteer (Freiwilligen) aus den Niederlanden privat Spenden gesammelt für den Neubau eines kleinen Hauses, das jetzt in Planung ist. Ein Architekt hat schon Baupläne gezeichnet, und wir werden nun anfangen, das Frauenhaus zu bauen. Diese Finanzierung läuft allerdings privat über die Volunteer aus den Niederlanden und mich, also nicht über Promanity. Ab Februar werde ich mich dann für etwa sechs Monate in einem Kinderheim in Kenia sozial engagieren.