Geplant war, dass die Messsäulen an neun Standorten (siehe Info) am 1. Juli in den Probe- und zwei Wochen später in den Echtbetrieb gehen. Diese Termine lassen sich nicht halten, hieß es auf Anfrage beim Landratsamt. „Wegen der aktuellen Marktsituation konnte noch keine Tiefbaufirma beauftragt werden, sodass die Kabel noch nicht verlegt werden konnten“, sagte Pressesprecher Torben Pahl.

Doris Munzig, Leiterin des Fachbereichs Verkehr, berichtete im Mai im Umweltausschuss des Kreistags über die Beschaffung und Einrichtung der stationären Messanlagen sowie über die vorgesehenen Lärm-Smileys. Im Herbst 2017 hatte der Kreistag beschlossen, neun Messplätze im Landkreis mit Säulen auszurüsten; gleichzeitig beauftragte er die Verwaltung, einen zehnten Messplatz an der Kreisstraße 6340 am Ortseingang Binzen Richtung Lucke zu prüfen sowie Lärm-Smileys zu beschaffen, die im Oberen Wiesental laute Motorradfahrer ermahnen, die Geschwindigkeit zu drosseln.

Auf die öffentliche Ausschreibung zu den Blitzern im März gingen zwei Angebote ein. Der Auftrag wurde an die Firma Jenoptik Robot in Monheim vergeben für netto knapp 400 000 Euro. Der Investitionsbedarf liegt bei 384 000 Euro. 240 000 Euro entfallen auf die Säulen, 110 000 Euro auf die drei Einheiten Messtechnik. Gemessen wird gleichzeitig – im Wechsel – nur an jeweils drei Säulen. Autofahrer – Motorräder werden nicht erfasst – wissen aber nicht, an welchen. Wartung und Service werden mit jährlich 29 100 Euro veranschlagt. Die Anwenderschulung für die Mitarbeiter kostet 3500 Euro. Mitte April wurden die Standorte besichtigt. Zwischenzeitlich ist die Feinprojektierung, also das Festlegen der genauen Standorte erfolgt. Auch die Beschilderung wurde angepasst.

Die Tiefbauarbeiten verzögern sich aber. Das Landratsamt hat noch keine Firma gefunden, die derzeit den Auftrag annehmen kann oder will. Mithin können die elektrischen Anschlüsse nicht hergestellt werden. Wann nun die Blitzer in Betrieb gehen, lässt sich nicht verlässlich sagen. Bis spätestens Herbst soll das laut Pahl der Fall sein.

Für die Prüfung des möglichen zehnten Messplatzes in Binzen wurden Messergebnisse von 2017 herangezogen und neue Messungen im Januar 2018 gemacht. Dabei lag die Zahl der Verstöße nur im Promillebereich. Im Vergleich zu vielen anderen Stellen im Landkreis sei dies nicht ausreichend als Grundlage, um einen zehnten Messplatz zu rechtfertigen, erläuterte Doris Munzig. Dies bedeute aber kein endgültiges Aus für einen Blitzer in Binzen.

Ergänzend zu den Blitzern beschloss der Kreistag im Herbst, zwei Systeme Lärm-Smileys zu beschaffen und zu betreiben. Diesen seien als Appell ein wirksames Mittel gegen übermäßigen Motorradlärm, hieß es damals. Jedes Smiley-System mit Kosten von 13 000 Euro besteht aus zwei Komponenten: der Messeinrichtung und in
70 bis 100 Meter Entfernung eine Displayanzeige. Ergänzend empfiehlt die Firma RTB Motivschilder, die zu rücksichtsvollem Fahren auffordern. Als Standorte ins Auge gefasst waren die Landesstraße 151 bei Todtnau-Präg sowie die Kreisstraße 6352 von Schopfheim Richtung Todtmoos.

Ein Ortstermin Ende Januar ergab, dass an der K 6352 die Wehratalstraße in Gersbach der einzig sinnvolle Standort für eine dynamische Anzeige ist, ergänzt um Motivschilder in Kürnberg und Schlechtbach. Der zweite Standort oberhalb von Todtnau-Präg an der L 151 ist zwar technisch problemlos umsetzbar. Die Wirksamkeit außerhalb geschlossener Ortschaften in einer Steigungsstrecke ist aber nach Einschätzung von Experten fraglich.

Die Stadt Todtnau hat mittlerweile die Beteiligung an einer Beschaffung auch abgelehnt. Der Ausschuss für Bau, Umwelt und Technik der Stadt Schopfheim hingegen stimmte einer finanziellen Beteiligung beim Kauf einer Displayanzeige zu.

eitens des Landkreises wird damit eine Anschaffung für den Standort Schopfheim-Gersbach als Pilotprojekt weiterverfolgt. Eine Umsetzung des Projekts zum Start der Motorradsaison 2018 im Mai, wie ursprünglich anvisiert, war aber nicht möglich, da der Abstimmungsprozess länger als erwartet gedauert hat. Das Projekt soll nun schnellstmöglich realisiert werden, sagt Pahl. Einen genauen Zeitpunkt kann er aber derzeit nicht nennen.