Er kam aus seiner Wahlheimat Lanzarote von den Kanarischen Inseln zum Konzert nach Steinen-Endenburg. Am gut klingenden Bechstein-Flügel im Haus am Stalten spielte Stephan Hohlweg als Hauptwerk eine Transkription, die es in sich hatte: Beethovens sechste Sinfonie „Pastorale“, als Klavierpartitur von Franz Liszt übertragen auf die 88 Tasten des Flügels.

Klavierspiel ersetzt ganzes Orchester

In einer Zeit, in der es weder Radio, Schallplatten oder CDs gab, trugen solche Bearbeitungen fremder Werke wesentlich zur Verbreitung zeitgenössischer Musik bei. Liszt war besonders fleißig in diesem Bereich der Opern-Transkriptionen, Konzertparaphrasen, Fantasien und Liedarrangements. In den Beethoven-Sinfonien ersetzt er ein ganzes Orchester durch das Spiel zu zwei Händen am Klavier. Die populäre „Pastorale“ mit ihren programmatischen Sätzen „Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande“, „Szene am Bach“, „Lustiges Zusammensein der Landleute“, „Donner. Sturm“ und „Hirtengesang. Frohe dankbare Gefühle nach dem Sturm“ ist auch als Klavierversion eingängig.

Vollgriffig und mit rigoroser Intensität

Bei so viel Programm muss der Interpret nicht unbedingt effekthascherisch, aber beredt spielen. Hohlweg, der im letzten Jahr am selben Ort Debussys zweiten Band der Préludes stimmungsvoll vorgetragen hat, erwies sich als ausdrucksvoller Interpret, der den Gewittersatz draufgängerisch, vollgriffig und mit rigoroser Intensität anpackt und den holprigen Tanz der Landleute akzentuiert in die Tasten legt, während er für die Szene am Bach und den Hirtengesang größte Sensibilität in den Fingern mitbringt. Die Zuhörer erlebten so eine farbige, orchestrale Interpretation. Von Hohlweg gibt es auch eine CD mit der Liszt-Transkription der „Pastorale“ und Wagner-Werken, aber live war das natürlich besonders spannend.

Feinsinnige Anschlagsqualitäten

Doch es grollte nicht nur Donner im Bassbereich und blitzte im hohen Diskant bei dieser Sinfonie, der exzellente Pianist zeigte überdies feinsinnige Anschlagsqualitäten in einer vorangehenden Haydn-Sonate, deren thematisches Material er immer neuen Beleuchtungswechseln aussetzt, die seine eingehende Beschäftigung mit der Stilistik der Wiener Klassik offenbarten. Neben den klanglichen Ereignissen war das Optische faszinierend: Hohlwegs flexible Bewegung der linken Hand, die viel zum Gesamteindruck seines gestischen Spiels beitrug, und von einem ausdrucksvollen Mienenspiel begleitet wurde.