Lörrach – Das Handwerk im Kreis Lörrach hat keinen Grund zur Klage: Die Auftragsbücher sind voll, die Umsätze stimmen. „Wir können sehr zufrieden sein“, sagen denn auch Kreishandwerksmeister Martin Ranz und Geschäftsführer Daniel P. Herkommer unisono. Allerdings sind die Herausforderungen groß: Personalmangel und das Nachfolgeproblem sind zwei wesentliche. Die Kreishandwerkerschaft (KHW) will die Betriebe als Dienstleister und Berater tatkräftig unterstützen, das Image der Branche aufpolieren und über die Innungen wieder wachsen.

Herkommer trat seine Stelle vor gut fünf Monaten an – als Neuling im Handwerk, war er doch bisher in der Industrie tätig. Ranz übernahm das Amt des KHW-Vorsitzenden einen Monat später – mit reichlich Erfahrung in der Branche, auch überregional: Der Kreishandwerksmeister ist Inhaber und Geschäftsführer eines Betriebes in Weil-Haltingen, seit 2011 Innungsobermeister der Schreiner im Kreis Lörrach und seit 2016 Präsident des Verbandes Schreiner Baden. Inzwischen haben sich beide eingearbeitet und einen Überblick verschafft.

Besonders gut im Rennen seien, da allerorten kräftig gebaut wird, die Berufe des Baugewerbes, weiß Ranz. Eher rückläufig – es schließen auch Betriebe – sei die Lage bei den Bäckern, ergänzt Herkommer. „Große werden immer größer und kaufen kleine auf, wenn keine Nachfolger da sind.“ Die Fleischer hielten sich dank Spezialisierung der Betriebe und Zulieferung für größere Märkte konstant. Die Friseure klagten über viele Neuanmeldungen von Barbiershops ohne klassische Handwerksausbildung. Generell machten Verordnungen und Bürokratie den Betrieben zu schaffen, besonders ausgeprägt in der Kfz-Branche.

Vor allem deshalb scheuten sich viele junge Leute, sich selbständig zu machen. Eines der drängendsten Probleme ist denn auch die Suche nach Nachfolgern in der Betriebsleitung. Dass die aus der eigenen Familie kommen, ist längst nicht mehr selbstverständlich. Ranz, bei dem Sohn wie Tochter in den Betrieb eingestiegen sind, ist da fast schon eine Ausnahme. Fast ein Fünftel der Inhaber von Handwerksbetrieben im Kreis Lörrach ist älter als 60 Jahre, braucht also in den kommenden Jahren einen geeigneten Nachfolger. Hier sieht sich die KHW gefordert. „Wir wollen eine Plattform schaffen, auf der junge interessierte Meister und Betriebsleiter, die einen Nachfolger suchen, zusammenfinden“, erläutert Ranz. Doch nicht nur an der Spitze ist es knapp. Der Fachkräfte-, ja Personalmangel hat das Handwerk längst erreicht. Und die demografische Entwicklung wird die Lage verschärfen. „Ein funktionierendes Netzwerk und ein regelmäßiger Austausch über Neuigkeiten sind daher enorm wichtig“, sagt Herkommer. Die Kräfte im Landkreis zu bündeln, ist denn auch eine wesentliche Aufgabe der KHW, die die gemeinsamen Interessen der Innungen wahrnimmt, diese beim Erfüllen ihrer Aufgaben unterstützt, etwa in der Geschäftsführung, sowie die Vorschriften und Anordnungen der Kammer umsetzt.

„Wir müssen das Sprachrohr sein für alle Handwerker im Landkreis“, gibt Ranz als Devise aus. Er will vermehrt jüngere Mitglieder für die Innungen gewinnen. In den vergangenen zehn Jahren ist deren Zahl um 20 Prozent gesunken. „Da müssen wir viel Überzeugungsarbeit leisten“, räumt der KHW-Vorsitzende ein.

Der jüngeren Generation auf Augenhöhe begegnen

„Gemeinsam sind wir stark“, zitiert Herkommer den Slogan, der motivieren soll, sich einer Innung anzuschließen. Ranz wie Herkommer setzen hierbei nicht zuletzt auch auf den Generationenwechsel: Jüngere Verantwortliche in KHW und junge Innungsobermeister begegneten jüngeren Betriebsleitern eher auf Augenhöhe. Zudem gelte es, Azubis als vollwertige Mitarbeiter zu behandeln.

Leider herrschten in der Öffentlichkeit viele Vorurteile, beklagt Ranz. Der Schreiner illustriert das an seinem Betrieb. Mit der Werkstatt von Meister Eder habe der kaum etwas zu tun. An den CNC-Maschinen seien vielmehr Programmierkenntnisse gefragt. Mehrere von Ranz‚ Azubis sind denn auch Abiturienten. Das Rezept der KHW, um im Wettlauf um Schulabgänger nicht den Kürzeren zu ziehen, lautet: Eltern und Schüler informieren und vor allem junge Menschen ganz praktisch in Berührung bringen mit dem Handwerk und dieses interessant machen. Dann gebe es weniger Irrwege und Abbrecher. Herkommer listet eine ganze Reihe von Projekten auf – von den Ausbildungsbotschafter über Schulpraktika bis zu Joberkundungstagen. Als Neuerung soll es bei der Regio-Messe 2020 zudem ein Handwerkertag geben.