Typische Wege zur Arbeit, zur Schule oder für alltägliche Besorgungen lassen sich schnell, schadstoffarm, platzsparend und kostengünstig mit dem Fahrrad bewerkstelligen. Diese Erkenntnis fördert weltweit einen großen Trend in der Stadt- und Verkehrsplanung, an dem das Land Baden-Württemberg unter anderem mit einer Initiative für Radschnellverbindungen partizipiert. Der Landkreis Lörrach ist mit drei Routen beteiligt, deren Machbarkeit derzeit untersucht wird. Die Tendenz: Bei allen Routen könnten die Kriterien erfüllt werden.

Radschnellverbindungen im Kreis

Das Land sieht derzeit sieben Regionen, in denen Radschnellverbindungen eine Option für die Mobilität der Zukunft sein könnten (siehe Infokasten). Dass dabei der Landkreis Lörrach neben den Ballungszentren Stuttgart, Rhein-Neckar, Karlsruhe und Freiburg als einer von drei kleineren Räumen berücksichtigt wird, ist nach Einschätzung der Radverkehrsbeauftragten Leonie Wiesiollek „schon ein Riesenerfolg.“ Es handelt sich dabei um die Strecken Schlie­ngen – Weil, Zell – Lörrach und am Hochrhein entlang bis Grenzach-Wyhlen – jeweils schon mit Blick auf das Zentrum Basel. Laut vorläufiger Einstufung durch das Land rangiert der Abschnitt Efringen-Kirchen bis Weil im vordringlichen Bedarf, Lörrach Schopfheim ist in der zweiten Stufe („potenzielle Radschnellverbindung“) und die Hochrheinschiene steht auf einer nachrangigen Liste. Die Studie des Landkreises, die zu 80 Prozent vom Land bezahlt wird, zielt darauf ab, die Machbarkeit und die Potenziale auf allen drei Strecken abzuklopfen. Mit den Resultaten der Studie ist es möglich, die ersten Einschätzungen des Landes zu korrigieren und eventuell auch mit der Wiesental- und Hochrheinroute in der Rangliste nach oben zu rutschen.

Die Rahmenbedingungen

Bis 2020 sollen bereits zehn der insgesamt 40 potenziellen Radschnellverbindungen im Land geplant sein. Der Ausbau der Radinfrastruktur wird vom Land mit 50 Prozent bezuschusst, für die Radschnellverbindungen wurden bereits zusätzliche Millionen in Aussicht gestellt, die jedoch nicht verlässlich beziffert sind. Entscheidend für die Umsetzung könnte sein, dass das Land die gesetzliche Grundlage schaffen möchte, um die Baulast für Radschnellwege in die eigene Hand zu nehmen. Dies würden Unklarheiten bei Zuständigkeiten und bei der Finanzierung beseitigen. Die Machbarkeitsstudie des Landkreises soll bis Herbst Aufschluss darüber geben, ob die drei Routen wie gefordert auf 80 Prozent der Strecke die Kriterien erfüllen. Dazu zählt auch, ob das Mindestpotenzial (2000 Radfahrer) erreicht wird. Es könne gut sein, dass alle drei Routen diese Hürden überspringen, sagten die Gutachterinnen Sabrina Perlitius und Stefanie Busek vom Büro PGV-Alrutz in Hannover bei einer Rundfahrt am Donnerstag. Bei der Umsetzung dürften laut Gutachterinnen im Schnitt pro Kilometer Radschnellverbindung Kosten in Höhe von etwa einer Million Euro anfallen. Der stellvertretende Landrat Ulrich Hoehler sieht die Studie als eine Chance, sowohl die grundsätzliche Durchführbarkeit zu klären, als auch zu ermitteln, was vor Ort im Sinne der übergeordneten Gesamtplanung nötig ist. Und nicht zuletzt gehe es um die Aussicht, „Zuschüsse in noch nicht bekannter Höhe zu erhalten.“

Kurven wie hier bei Haltingen müssten für einen Radschnellweg beseitigt werden. Wie die Planungen stehen, erläuterten die Gutachterinnen Stefanie Busek und Sabrina Perlitius, die Radbeauftragte des Kreises, Leonie Wiesiollek, und Erster Landesbeamter Ulrich Hoehler (von links). Bilder: Willi Adam
Kurven wie hier bei Haltingen müssten für einen Radschnellweg beseitigt werden. Wie die Planungen stehen, erläuterten die Gutachterinnen Stefanie Busek und Sabrina Perlitius, die Radbeauftragte des Kreises, Leonie Wiesiollek, und Erster Landesbeamter Ulrich Hoehler (von links). | Bild: Willi Adam

Teilgebiet Mittleres Wiesental

Im Mittleren Wiesental würde die Radschnellverbindung zwischen Maulburg und Steinen eine neue Trasse erfordern – einschließlich einer Brücke über die Wiese. Diese Brücke wäre die größte Investition in diesem Abschnitt. Weil der Radweg auf dem bestehenden Wiese-Uferweg auch aus wasserrechtlichen Gründen nicht auf die erforderliche Breite gebracht werden kann, folgt der Radschnellweg ab Steinen der bisherigen Ausweichstrecke zum künftigen Klinikgelände. Für dessen Verkehrserschließung sei der Faktor Radverkehr unerlässlich, betonte Ulrich Hoehler bei der Exkursion: „Wer nicht up to date ist, wird durch dieses Projekt dazu gezwungen, seine Radwegeplanung zu ertüchtigen.“

Teilgebiet Lörrach

Erste Problemzonen sind im Osten der Stadt, wo es um die Anbindung in Richtung Brombach geht und um eine Engstelle bei der Wiese-Brücke. In diesem Bereich müsste auch das Zentralklinikum an den Radschnellweg angebunden werden. Die Stadt Lörrach plant unabhängig davon eine Raderschließung der Klinik über den Wieseradweg und über Hauingen. Im eigentlichen Stadtgebiet, also bei der Durchfahrt Brombach und bei der Weiterführung in der Achse Hartmatten-, Berg- und Kreuzstraße, sehen die Gutachter theoretisch zwar einfache Lösungen in Form von Tempo 30 (Brombach) und von Fahrradstraßen. Doch bei der Stadt Lörrach gibt es derzeit wenig Neigung, das Projekt auf diese Weise zu unterstützen. Fahrradstraßen und andere verkehrspolitischen Weichenstellungen seien vor Abschluss eines Generalsverkehrsplans in Lörrach politisch nicht durchsetzbar, sagte Fachbereichsleiter Klaus Dullisch.

So stellen sich die Gutachter einen Radschnellweg vor. Die Gutachter zeigten unter anderem eine Fotomontage vom Abschnitt Weil-Haltingen.
So stellen sich die Gutachter einen Radschnellweg vor. Die Gutachter zeigten unter anderem eine Fotomontage vom Abschnitt Weil-Haltingen. | Bild: Willi Adam

Teilgebiet Weil am Rhein

Keine Verkehrsberuhigung, aber Tempo 20 als Höchstgeschwindigkeit sehen die Gutachter als einen machbaren Kompromiss für eine mögliche Schnellverbindung entlang der künftigen Dreiländergalerie. Von dort aus weiter nach Norden bis Eimeldingen könnte eine Radschnellverbindung auf dem bestehenden Radweg eingerichtet werden, wenn dieser verbreitert und in der Regel auch als Fahrradstraße ausgewiesen wird. Knackpunkt bei dieser Route: Die Überquerung der B 3 beim Haltinger Bahnhof.