Es war ein langer Weg, doch jetzt sind die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) und die Stadt Schönau am Ziel: Das Nahwärmenetz am Gymnasium geht in das Eigentum des Unternehmens über. Die Stadt verspricht sich davon etwas geringere Betriebskosten, die EWS einen weiteren Baustein für den Nahwärmeausbau in Schönau.

Der Gemeinderat stimmte für den Verkauf mit sieben zu zwei Stimmen. Der Preis beträgt 105 000 Euro. Außerdem wird die EWS jährlich 2000 Euro Miete für Heizraum und Hackschnitzelbunker im Gymnasium zahlen. Die EWS plant, ihre Neuerwerbung an das kleine Wärmenetz für Freibad und Seniorenheim anzuschließen. Damit nicht genug: Die Firma Frank Bürsten will ihre Abwärme in das Wärmenetz einspeisen.

Laut EWS ist mittelfristig der Ausbau des Netzes bis zur Buchenbrandschule geplant. Auch Privatleute sollen nach den bisherigen Plänen die Möglichkeit haben, ihr Haus an die unterirdischen Rohre anzuschließen. Ein energetisches Quartierskonzept hatte dafür schon vor zwei Jahren Potenzial gesehen. Als Preis wurden am Montag 8,95 Euro pro Kilowattstunde genannt. Die EWS wird als erstes in Wärmeleitungen in der Gentnerstraße, Luisenstraße, Ledergasse und in der Hinteren Hofmatt investieren. Auch der katholische Kindergarten, die Kirche und das Pfarrhaus sollen angeschlossen werden. Ein Zeitplan wurde aber nicht genannt. Die Stadträte Michael Schröder (SPD) und Mechthild Münzer (CDU) blieben bei ihrer ablehnenden Haltung. „Wieso sollte die Stadt ihr Tafelsilber in guten Zeiten verkaufen?“, fragte Schröder. Weil die angebotenen Kilowattstunden-Preise der EWS im Moment so günstig seien, fürchtet er eine Energieverteuerung für die Stadt in den nächsten Jahren. Mechthild Münzer hält es „absolut für nicht vertretbar, sich jahrelang an eine Firma zu binden, die dann die Preise diktiert“.

Die Mehrheit im Gemeinderat sieht den Verkauf hingegen positiv – für die Stadt und für die Bürger, die sich eines Tages bequem und umweltfreundlich mit Wärme versorgen lassen können. Der Preis von 8,95 Cent soll auch für Privatleute gelten. „Bei mir steht über allem, dass sich die Stadt mit erneuerbaren Energien versorgt“, sagte beispielsweise Jesko Anschütz (Freie Wähler). Sein Fraktionskollege Michael Locker war dafür, dass das „Nahwärmenetz unbedingt größer werden sollte“. Das Verbinden vorhandener und zukünftiger Netze bietet laut Bürgermeister Peter Schelshorn die Möglichkeit Synergien zu heben. „Diese Möglichkeiten haben wir als Stadt nicht.“ Zum Kritikpunkt, dass die EWS der Stadt Preise diktieren, hieß es, dass sie an einen Preisindex gebunden seien. Er steige nur, wenn dich Heizkosten allgemein erhöhen – dann wäre wohl aber auch der eigene Betrieb des Heizkessels im Gymnasium teurer. Alexander Knobel (CDU) machte darauf aufmerksam, dass ihm die 105 000 Euro Verkaufspreis als Schnäppchen vorkämen. „Wenn man die Rohre heute neu verlegen müsste, würde es ein Vielfaches kosten.“ Peter Schelshorn widersprach ihm nicht und erinnerte daran, dass die unabhängige Beratungsfirma Endura Kommunal den Preis ermittelt habe. Sie nutzte dafür Archivmaterial und Erfahrungswerte. „Im Endeffekt wird bei uns eine Null stehen“, sagte Schelshorn.