Wenn Jugendliche nicht mehr zu Hause wohnen können oder gar kein Elternhaus haben, aber weitgehend selbstständig sind, gibt es die Möglichkeit des betreuten Jugendwohnens. Im Landkreis Lörrach bietet dies unter anderem die Dieter-Kaltenbach-Stiftung an. Zur Zielgruppe für das betreute Wohnen gehören Jugendliche und junge Volljährige zwischen 16 und 18 Jahren, die Hilfe im emotionalen, schulischen oder sozialen Bereich benötigen.

Voraussetzung dafür ist jedoch eine geregelte Tagesstruktur und ein damit verbundener Reifegrad, sodass die Jugendlichen nachts und auch weitestgehend am Wochenende alleine oder mit anderen Jugendlichen in einer Wohngemeinschaft leben können. Denn das unterscheidet das betreute Jugendwohnen etwa von einer Heimunterkunft: Es kann keine 24-Stunden-Betreuung geleistet werden – das ist aber auch gar nicht das Ziel.

Vielmehr sollen junge Menschen zur größtmöglichen Verselbstständigung – wie es im pädagogischen Fachjargon heißt – geführt werden. Die Dieter-Kaltenbach-Stiftung bietet Jugendlichen 19 Plätze für betreutes Wohnen an, verteilt auf acht Wohnungen in Lörrach, Rheinfelden und Weil am Rhein. Im Schnitt sind die Jugendlichen 17,4 Jahre alt bei der Aufnahme und verbleiben 1,8 Jahre in den Jugend-WGs. Aktuell sind 13 männliche und sechs weibliche Jugendliche in den Wohnungen untergebracht – wobei der Trend aktuell eher hin zu Mädchen geht.

Begleitet und beraten werden die jungen Menschen von Mitarbeitern der Stiftung wie Veit Biersack, der sagt: „Die Beziehungsarbeit ist sehr wichtig. Wir fördern die Jugendlichen und unterstützen sie in allen möglichen Situationen, dafür müssen wir aber auch etwas fordern dürfen.“ Wichtig sei dabei ein gewisses Verhältnis zwischen Nähe und Distanz der „Case Manager“, wie Biersack sich und seine Kollegen bezeichnet. In der Regel kommen Mitarbeiter zwei- bis dreimal wöchentlich in die WGs, die Jugendlichen haben aber 24 Stunden am Tag jemanden, an den sie sich wenden können.

Mit dieser Bereitschaft, die nur für Notfälle gedacht ist, wechseln sich die Mitarbeiter täglich ab. „Da kommen dann Anrufe, die reichen von Bagatellen, wie dass der Haustürschlüssel vergessen wurde, über Angelegenheiten mit der Polizei oder dem Krankenwagen bis hin zu Suizidabsichten“, erzählt Veit Biersack.

Die Gründe, wieso Jugendliche in das betreute Wohnen wechseln, sind vielfältig. Familiäre Probleme, alleinerziehende Elternteile, die überfordert sind, Halbwaisen, auch unbegleitete minderjährige Ausländer gehören dazu.

Im betreuten Jugendwohnen lernen sie den Umgang mit Geld und bekommen auch Verselbstständigungstraining zu Themen wie Sexualität, Versicherungen und Umgangsformen. Zudem werden für die Jugendlichen Aktivitäten angeboten wie Bowling, Fahrradtouren oder auch Freizeiten, um den Beziehungsaufbau der Jugendlichen untereinander zu fördern und sinnvolle Freizeitbeschäftigungen aufzuzeigen.

Ein ganz großes Problem ist im Moment für die Jugendlichen, die aus der Maßnahme entlassen werden, eine Wohnung zu finden. „Wir wollen aber natürlich niemanden auf die Straße setzen“, erklärt Bernd Schandera, Geschäftsführer der Dieter-Kaltenbach-Stiftung. So kommt es, dass Jugendliche manchmal länger in der Maßnahme verbleiben müssen und so auch Plätze für nachrückende Jugendliche blockiert werden.

Selten ist es auch schon vorgekommen, dass junge Menschen nach dem betreuten Wohnen im Erich-Reisch-Haus untergebracht werden mussten. Eine Wohnung in Lörrach und Umgebung zu finden, sei sehr schwierig, weiß Veit Biersack.

Doch die Jugendlichen weiter weg zu versetzen, wäre kontraproduktiv, da so die ganze Integration umsonst gewesen wäre. Man habe daher schon Interesse angemeldet – etwa bei den Containern in Holzbauweise, in die aktuell in Haagen Flüchtlinge für die Anschlussunterbringung einziehen. „Wenn diese nicht mehr gebraucht werden und bezahlbaren Wohnraum bieten, könnten wir uns vorstellen, diese für Jugendliche zu nutzen“, erzählt Veit Biersack.