Kandern (alb) Der Erhalt der biologischen Vielfalt (Biodiversität) ist inzwischen ein wichtiges gesellschaftliches Ziel. Eine Art, die da hierzulande im Fokus steht, ist die Europäische Wildkatze. Das Land will deren Aktionsradius vom Rhein in den Schwarzwald erweitern. In Pilotprojekten sollen dafür offene, meist landwirtschaftlich genutzte Flächen mittels Trüffelpflanzen umgewidmet werden zu Korridoren. Ganz vorne dabei ist der Kreis Lörrach, erläutert Rudi Suchant, Leiter des Fachbereichs Wildtierökologie der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg.

In der Rheinebene ist die Wildkatze wieder heimisch und „seit zehn Jahren nachgewiesen“, weiß der Fachbereichsleiter. Nun gehe es darum, den Lebensraum zu erweitern in den Schwarzwald. Denn dieser sei prädestiniert für diese Art, die zusammenhängende größere Waldgebiete brauche und auch Waldkatze heißt. Im Schwarzwald aber wurde das Tier vor gut 100 Jahren mit der zivilisatorischen Entwicklung ausgerottet. Insofern gehe es um die „Rückkehr einer einst heimischen Art“, sagt Suchant oder darum, der Wildkatze zu helfen, die „ehemalige Heimat Baden-Württemberg zurückzuerobern“, wie es Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) laut der Agentur dpa in Freiburg etwa pathetischer gesagt haben soll.

Dafür aber muss die Wildkatze die Rheinebene passieren. Die aber ist geprägt von intensivem Maisanbau, großen landwirtschaftlichen Flächen, Verkehrsachsen wie der A5 und der Rheintalbahn, aber auch Siedlungen. „Da tut sich die Wildkatze schwer“, weiß Suchant.

Daher hat die Forstliche Forschungsanstalt Verbundkorridore definiert, die so gestaltet werden, dass die Waldkatzen die Entfernung zwischen Rheinauen und Schwarzwald unbeschadet „in Deckung“ überwinden können. Einer der Korridore liegt im südlichen Markgräflerland bei Kandern und Efringen-Kirchen. Da sei das Vorhaben in Folge anderer Verkehrs-, Vernetzungs- und Querungsprojekte vergleichsweise weit, erläutert Suchant. Nun sollen schrittweise meist landwirtschaftlich für Maisanbau genutzte Flächen umgewidmet werden und neue Strukturen geschaffen werden, so dass offene Flächen überbrückt werden.

Mittel zum Zweck sind Trüffelpflanzen, die durch den dichten Wuchs geeignet sind als Deckung. Das sind nichts anderes als mit Trüffelpilzen assoziierte Sträucher und Bäume, deren Trüffel nach fünf Jahren regelmäßig „geerntet“ werden können – ein willkommener Nebeneffekt. Trüffel sind zwar eher mediterrane Kulturen. Diese breiten sich mit dem Klimawandel aber nach Norden aus und eröffnen so neben Katzen-Deckung hierzulande theoretisch auch neue Ertragsoptionen, auch in Wäldern, wo Fichten im Klimawandel kollabieren. Eine Chance, in der Entwicklung noch etwas Positives zu sehen, findet Suchant etwas sarkastisch.

Was die Wildkatzen-Korridore angeht aber seien das A&O die Flächen. „Das ist das Schwierigste“, räumt der Fachbereichsleiter ein, denn die Landbesitzer müssen mitspielen. Zwar habe es im Programm zur biologischen Vielfalt in den vergangenen Jahren Aufrufe an Landbesitzer gegeben und im südlichen Markgräflerland gebe es inzwischen eine Basis. Aber die Alternative Mais sei derzeit „wirtschaftlich noch attraktiver und sicherer“. Aber „wir merken zunehmend ein Interesse, einzelne Flächen anders zu bearbeiten“, erfährt Rudi Suchant.