„Grenzen sind dazu da, überschritten zu werden.“ Diese Maxime gab Volker Habermaier beim Auftakt der 30. Internationalen Mundart-Literaturwerkstatt aus, der traditionsgemäß im "Stapflehus" Weil am Rhein stattfand. Habermaier, Präsident des Lörracher Hebelbundes, führte in seinem „Stuttgarter Honoratioren-Schwäbisch“, was nicht weit vom Hochdeutschen entfernt ist, kundig, unterhaltsam und humorvoll durch die Lesung der sechs Autoren, überwiegend Lyriker, was dem Eröffnungsabend einen heiter-besinnlichen Charakter verlieh.

Das von den Organisatoren Markus Manfred Jung und Habermaier vorgegebene Thema „Über alli Grenze – Grenzen überschreiten“ stand erst bei der Werkstatt am folgenden Tag in Schopfheim zur Diskussion, wo jedes Mal an neuen oder unfertigen Texten der Autoren gefeilt wird. So trugen die Dichter aus der Schweiz, dem Elsass, Österreich und Süddeutschland an diesem ersten von drei Lese-Abenden publizierte, aber auch unveröffentlichte Geschichten und Gedichte vor.

Vom Dialekt her verstand man den schwäbischen Liedermacher und Alltagspoeten Rolf Pressburger perfekt. Etwas schwieriger war die Dialektfärbung der St. Galler Mundartwortspielerin und Geschichtenerzählerin Beate Thurnherr-Spirig, die bunt gemischte Lyrik las, originelle Muster aus ihren Alltagsgeschichten, allesamt ungereimte Gedichte, denn, wie sie sagt, „unsere Mundart lässt sich fast nicht reimen“. Obwohl sie das Wort Kraichgau nicht mag – es habe keinen Klang, sondern ein „Geschmäckle“ – fasst Elfi Neubauer ihre Sicht der Heimat in Gedichtform und Kurzgeschichten, in denen sie die Gegend und die Menschen der Rhein-Neckar-Region vorstellte.

Auf den Rhein und seine Heimat blickte der Elsässer Albert Strickler, der hauptsächlich Bücher auf französisch verfasst hat. In seinen elsässischen Mundarttexten macht er deutlich, dass er seiner Muttersprache zu Ehren dichtet – meist melancholische Gedichte. Markus Manfred Jung, der Alemanne schlechthin, erinnerte an Gedichte, die er vor 30 Jahren geschrieben hat und war verwundert, dass er als junger Mensch Altersgedichte verfasste, über die er heute denkt: „Sie stimmen.“ Jungs Gedichte sind zwar schon lange her, dafür waren seine Geschichten ganz neu.

Mundart-Senior Hans Dieter Mairinger aus Linz schloss sich Markus Manfred Jung an und produzierte ebenfalls Gedichte über die ältere Generation. So hörte man bei diesem kleinen Jubiläum der Mundartwerkstatt, was Volker Habermaier auf den Punkt brachte: Die Mundart sei nicht zwangsläufig das Begrenzte und gehöre nicht in ein Reservat, vielmehr könne man in ihr wirklich über Grenzen gehen – siehe Johann Peter Hebel.