Kreis Lörrach – Seit 2015 bemüht sich der Runde Tisch Demenz mit einer jährlichen Veranstaltungsreihe die Bevölkerung im Landkreis für das Thema zu sensibilisieren. „Wir haben weniger die Betroffenen selbst oder Fachleute im Blick, sondern wollen vor allem Angehörigen Unterstützung bieten“, sagt Christine Zeller zur fünften Ausgabe vom 19. September bis 18. November. Dank Fördermitteln kann der Runde Tisch künftig professioneller arbeiten. Ein Teil des Geldes soll für einen Netzwerkkoordinator eingesetzt werden.

Laut Teilhabeplan Senioren sind rund 4000 bis 5000 Menschen im Landkreis mittelschwer an Demenz erkrankt, etwa ebenso viele leicht. Angesichts des demografischen Wandels und der wachsenden Zahl hochaltriger Menschen, wird die Zahl der Betroffenen zunehmen. Denn mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken. Konkreter Anlass, die Inforeihe jeweils im Herbst zu platzieren, ist der Weltalzheimertag am 21. September, erläutert Christine Zeller vom IKS Institut für Bildung und Management in Zell im Wiesental, die derzeitige Ansprechpartnerin für Netzwerk und Runden Tisch.

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren mit einem eher kompakten Programm wurde der zeitliche Rahmen für die 15 Veranstaltungen auf zwei Monate ausgedehnt. Zielgruppe sind in erster Linie Angehörige von Demenzerkrankten. „Diese sind rund um die Uhr betroffen.“ Ihnen Unterstützung zu bieten, ist Ziel der mit einer Ausnahme kostenfreien Veranstaltungen, hinter denen 17 Kooperationspartner stehen – von der Alzheimerinitiative Dreiländereck bis zum Volkshochschule Grenzach-Wyhlen.

Förderung ermöglicht hauptamtliche Stelle

Kaum jemand beschäftigt sich im Voraus mit Demenz, weiß Robert Müller, Leiter der Stabsstelle Altenhilfe, im Landratsamt. Vielmehr poppe das Thema stets auf, wenn die Diagnose gestellt. Dann sei es wichtig zeitnah, an wichtige Informationen zu kommen. Um die Anfahrtswege kurz zu halten, finden die Veranstaltungen nicht nur in Lörrach, sondern in mehreren Orten im Landkreis statt. Erreicht würden so gerade auch Angehörige, die mit Demenz konfrontiert sind, bisher aber noch keine unterstützende Anbindung haben, sondern die Situation alleine zu meistern versuchen, sagt Christine Zeller. Die Kampagne zu stemmen, bedeutet für das regionale Netzwerk Jahr für Jahr einen enormen Kraftakt. Vor wenigen Wochen ging von den Pflegekassen ein positiver Bescheid ein, dass das Netzwerk eine Förderung von 20 000 Euro erhält, berichtet Patrick Ball vom Seniorenzentrum St. Fridolin. Damit könne die Arbeit auf professionellere Füße gestellt werden. Ein Teil des Geldes ist für einen Koordinator bestimmt, bei dem die Fäden der Kampagne zusammenlaufen. Über eine hauptamtliche Stelle, über die im November genauer informiert werden soll, werde es beispielsweise auch möglich, Polizei und Einzelhandel, die ebenfalls zunehmend mit Demenz konfrontiert werden, zu schulen.

Zum Auftakt der Reihe am Donnerstag, 19. September, spricht Inna Bershadska vom Geriatrischen Schwerpunkt der Kreiskliniken über die Geschichte der Altersmedizin, ein relativ junges Spezialfach in Deutschland. Jens Wattchow, Chefarzt der Neurologie bei den Kreiskliniken, geht am 10. Oktober in Schopfheim bei einer Veranstaltung des Diakonischen Werkes auf Grundbegriffe ein und erläutert Hilfsstrukturen. Die Kunsttherapeutin Simone Wansor zeigt am 14. Oktober in Lörrach, wie sich mit Menschen mit Demenz kreativ arbeiten lässt.

Wie weit geht die Opferrolle, wann darf man auch mal nein sagen, fragt die Seniorengenossenschaft am 6. November in Steinen. Viel Raum für Fragen soll es am Vorabend im Lörracher Seniorenzentrum St. Fridolin geben, wenn Referentinnen aus Beratung und Praxis nach einem kurzen Input auf das eingehen, was Angehörigen auf den Nägeln brennt.

Nach der guten Resonanz 2018 geht es zum Abschluss am 18. November bei IKS erneut um den kleinen Alltag mit Menschen mit Demenz.

Termine und Infos finden Sie unter: www.loerrach-landkreis.de/Demenzaktion