Herr Schuster, fühlen Sie sich als Sieger?

Ich empfinde die CDU durchaus als Sieger. Der Wahlkreis ist für keine Partei eine Hochburg. Hier drei Mal stärkste Kraft zu werden und das Direktmandat zu holen, ist ein Erfolg und Lohn für einen intensiven Wahlkampf. Was mein persönliches Abschneiden angeht, gibt es gleichwohl Ergebnisse, die mir zu denken geben. Die Verluste in Weil und Lörrach sind überdurchschnittlich, höher als die der Partei. Das geht nicht spurlos an mir vorbei. Darüber denke ich nach.

Wo sehen Sie die Gründe für die starken Verluste?

Auf Bundesebene sehe ich viele Faktoren. Der für mich Wichtigste ist, dass wir uns in der großen Koalition bei den für uns und unsere Wähler wichtigen innen- und sicherheitspolitischen Themen und der Flüchtlingspolitik zu sehr auf die SPD-Linie zubewegt haben.

Politik ist aber eben Kompromiss.

Sicher, das ist das harte Brot derjenigen, die nicht alleine regieren. Aber wenn bei einem Thema, wie der Inneren Sicherheit die größte Erwartung auf der CDU lastet, musst du auch liefern.

Ist das auch der Grund für das Minus beim Direktmandat?

Da bin ich noch etwa ratlos. Mehr Engagement als in den letzten vier Jahren und diesem Wahlkampf kann ich nicht.

Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie aus dem Wahlergebnis?

Für den Wahlkreis habe ich noch keine Lösung. Bundespolitisch interpretiere ich das Ergebnis als Auftrag, Themen und Inhalte, die ich in der Innen- und Sicherheitspolitik vertreten habe, noch offensiver einzubringen. Das wird mit FDP und Grünen als potenziellen Koalitionspartnern aber nicht einfacher.

Was sind für Sie Knackpunkte kommender Koalitionsverhandlungen?

Das sind genau die Innere Sicherheit, die Flüchtlings- und Ausländerpolitik. Das macht die Sache ja so kompliziert. Sicher könnten wir uns beim Thema Einwanderungsgesetz wohl verständigen. Aber das löst in keiner Weise das Flüchtlingsthema. Wir müssen aufhören, uns da ein X für ein U vorzumachen. Bei allen anderen Themen sehe ich Möglichkeiten für Kompromisse.

Streben Sie in der CDU/CSU-Fraktion eine Funktion an?

In der Innenpolitik würde ich das nicht ablehnen. Aber die Chance sehe ich bei einer Viererkoalition eher nicht.

Zur Person

Armin Schuster vertritt seit acht Jahren als CDU-Bundestagsabgeordneter den Wahlkreis Lörrach-Müllheim (282). Der 56-Jährige ist seit 1987 in der CDU und von Beruf Bundespolizist. Schuster ist verheiratet, hat eine Tochter und wohnt in Weil am Rhein.