Frau Horstmann, wie kamen Sie auf die Idee, das Buch ins Alemannische zu übersetzen?

Das war die Idee meines Verlegers. Er hat eine Vorliebe für die verrücktesten Dialekte. Zudem sammelt und verlegt er Kinderbücher. Janosch hat er schon in 15 Dialekte übersetzen lassen.

Hatten Sie einen Bezug zu dem Buch?

Ich finde das Buch toll, die Zeichnungen sind grandios. Aber meine Kinder sind in einer anderen Zeit aufgewachsen, deswegen habe ich es erst jetzt so richtig entdeckt.

Welche Bücher haben Sie Ihren Kindern vorgelesen?

„Pippi Langstrumpf“, „Die Unendliche Geschichte“ oder „Wo die wilden Kerle wohnen“: In meiner eigenen Kindheit waren Bücher wie „Das hölzerne Bengele“ und „Das Hühnchen Sabinchen“ aktuell. Letzteres hatte eine altmodische Moral. Das Hühnchen war ganz verrückt, wollte alles möglich machen. Zuletzt hat es gemerkt, jetzt geht es mir an den Kragen, wenn ich nicht mache, was von einem Huhn erwartet wird: Eier legen, brav sein und Küken großziehen.

Janosch thematisiert in seinem Buch eher das Abenteuer. Was ziehen Sie für eine Botschaft aus dem Buch?

Du musst weggehen, um zu sehen, was du an deinem Zuhause hast. Was auch goldig ist an dem Buch, ist die ständige gegenseitige Versicherung von Tiger und Bär, dass sie keine Angst zu haben brauchen, weil sie einander haben. Das ist für Kinder, die ja auch Angst haben, eine schöne Botschaft: Sogar ein Bär und ein Tiger können sich manchmal fürchten. Der große Wert von dem Buch ist, dass sich die Kinder wiedererkennen.

Weggehen, um zu sehen, wie schön es daheim ist. Finden Sie, dieser Spruch passt auch zu Ihnen?

Ich habe auch meinen Heimatort Zell verlassen. Ich möchte dort nicht mehr wohnen, weil meine neue Heimat Denzlingen ist. Meinen Dialekt verwende ich aber nur noch als Freizeitsprache. Wenn ich dann auf Besuch nach Zell komme und höre, wie sie ihren kraftvollen Dialekt sprechen, ist das ein großes Vergnügen für mich. Die Sprache lässt mich immer wieder zurückkehren.

Der alemannische Dialekt im Buch stammt auch aus dem Wiesental?

Ja, das ist das sogenannte Hochalemannisch.

Ist so eine Übersetzung schwierig?

Überhaupt nicht. Das geht flott. Es ging eher darum, den Witz vom Janosch im Dialekt rüberzubringen.

Wie haben Sie das versucht?

Es gibt zum Beispiel die Szene, wo der Tiger gefragt wird, wie er seinen Fisch essen möchte. ’Alles zämme’ hät de chlei Tiger gsait ’un vo allem am meischte.’ Das ist meine Wendung, im Buch steht etwas anderes. Ich finde, das gibt gut wieder, was Janosch meinte.

Mussten Sie bei der Übersetzung kein Wort nachschlagen?

Das brauche ich nicht. Ich will ja nicht mit ganz alten Wörtern arbeiten. Wobei es schon das ein oder andere Wort gibt, das nicht mehr geläufig ist. ’Ammig’ für ’früher’ oder ’suufer’ für ’sauber, appetitlich’. Ein paar Wörter habe ich schon reingeschmuggelt.

Wer ist für Sie das Zielpublikum?

Eltern und Großeltern, die alemannischen Dialekt lieben.

Sie sind in der Muettersproch-Gsellschaft aktiv und Ihr Anliegen ist es, den Dialekt am Leben zu erhalten. Glauben Sie, mit solchen Projekten auch jüngere Menschen erreichen zu können?

Es ist schwierig. Ich habe mit meinen Kindern auch keinen Dialekt gesprochen. Mein Mann kommt aus Norddeutschland und da war das nicht drin. Der Dialekt ist zwar noch da. Im Wiesental wird er intensiv gesprochen, aber insgesamt verflacht er. Das ist mit allen Dialekten so. Junge Menschen finden ihn überhaupt nicht cool. Es gibt ein paar wenige Ausnahmen, die auch beim Poetry Slam auf Alemannisch Texte verfassen. Aber im Prinzip sieht es schlecht aus.

Was macht Ihnen Freude beim Übersetzen?

Das mache ich mit Leidenschaft. Der Dialekt schlägt eine Brücke in meine Kindheit. Er liegt mir sehr am Herzen. Wenn man älter wird, dann gehen die Gedanken häufig in die Kindheit. Das ist nicht nur Sentimentalität, sondern da kommt etwas aus einer ganz alten Quelle.

Und Ihr persönliches Panama, gibt es das auch?

Das ist mein Plätzchen am Computer unter dem Dachfenster. Hier verreise ich auf meine Weise. (max)

Das Buch: „Ohh, wie isch des schön, des Panama“ Janosch auf Alemannisch, Verlag Edition Tintenfass, Preis 14,90 Euro, 48 Seiten.

Zur Person

Carola Horstmann (68) ist in Zell im Wiesental aufgewachsen. Die Autorin lebt seit 1982 mit ihrer Familie in Denzlingen. Carola Horstmann war lange Vorsitzende des Fördervereins der Denzlinger Mediathek und organisiert noch immer Projekte wie den Poetry Slam.