Kunstinteressierte können den Universalkünstler in zwei Häusern im Markgräflerland nun als Maler und Zeichner begegnen. So lässt sich eine weitere, weniger bekannte Facette in dem Schaffen des Keramikpioniers, Bildhauers, Gartenbauers, Innenraumgestalters und Architekten entdecken.

Parallel zeigen die Galerie Robert Keller in Kandern und das Museum Dorfstube Ötlingen Arbeiten auf Papier, Zeichnungen und Aquarelle, aber thematisch unterschiedlich gewichtet. Kellers Schau versammelt „Frauen und Landschaften“, im Dorfmuseum liegt der Schwerpunkt auf regionalen Motiven. Es handelt sich vorwiegend um späte Arbeiten der Nachkriegszeit aus Laeugers letzten Lebensjahren. Nachdem sein Atelier in Karlsruhe im Zweiten Weltkrieg nach der Bombardierung zerstört worden war, kehrte er 1944 in seine Heimatstadt Lörrach zurück und widmete sich, da er keinen Brennofen für Keramik mehr hatte, bis zu seinem Tod 1952 dem Malen und Zeichnen nach der Natur. Aus dieser späten Schaffensphase sieht man in dem kleinen Heimatmuseum, wo der dörfliche Charakter noch bewahrt ist, Blätter, Bilder und skizzenhafte Zeichnungen vom ländlich-bäuerlichen Leben, was in das Ambiente des alten Hauses passt. Darunter sind eine Reihe schöner, freier Skizzen von hoher zeichnerischer Qualität, die Laeuger nicht ausaquarelliert hat. Man kann in diesen Ansichten des südlichen Markgräflerlandes, Landschaften, dörflichen Winkeln, Bauern bei der Arbeit, Frauen am Brunnen, bis zum Reh im Wald oder anderen Tiermotiven den feinen Naturbeobachter und Chronisten des Markgräflerlandes erkennen.

Ein Markgräfler Landschaftsmotiv von Max Laeuger.
Ein Markgräfler Landschaftsmotiv von Max Laeuger. | Bild: Jürgen Scharf

Als einen „echten alemannischen Menschen“ in einer Linie mit Hebel und Thoma sah der Malerkollege Adolf Strübe, ein anderer großer badischer Künstler, den „vielseitigen Schöpfer und Gestalter“ Laeuger. Wenn die Malerei bei Laeuger auch nicht so zur breiten Geltung gekommen sei, so Strübe in einer Rede zu Laeugers 85. Geburtstag 1949, sei sie doch in der Idee, im Ursprung eminent stark und man begegne in ihr dem „allerpersönlichsten und stärksten Ausdruck der Kunstseele des Meisters“.

Weitere, aber nicht so heimatgebundene Sujets wie die in Ötlingen zeigt Robert Keller, der das Konvolut an Papierarbeiten vom Künstlerenkel zur Sichtung erhalten hat, in seiner eigenen Galerie. Die Konzentration auf „Frauen und Landschaft“ liegt nahe, da diese beiden Themen im Werk Laeugers immer wieder auftauchen. Oft verschmelzen Frauenfiguren und Landschaft in Körperlandschaften, was Laeugers Ideal der Einheit zwischen Mensch und Natur nahekommt.

Ein Markgräfler Landschaftsmotiv von Max Laeuger.
Ein Markgräfler Landschaftsmotiv von Max Laeuger. | Bild: Jürgen Scharf

Laeugers Frauengestalten, oft mystisch zwischen Bäumen, in freier Natur, unter Blättern oder vor blauen Bergen platziert, haben etwas Ätherisches, Überirdisches, Zartes und Engelhaftes. Es sind meist junge, schlanke Frauen, oft Akte im unverwechselbaren Laeugerschen Stil, wie sie auch in seinen Keramiken wiederkehren: stehende, kauernde, liegende oder tänzerisch bewegte, androgyne, nackte sphärische Wesen mit durchsichtigen Schleiern, in Nebel eingewoben. Vielleicht sind es Laeugers Musen. Eher selten stellt er auch alltägliche Frauen bei der Arbeit dar, etwa eine etwas kräftiger gemalte Bäuerin bei der Kartoffelernte.

Sitzender Akt von Max Laeuger aus der Themenschau "Frauen und Landschaft".
Sitzender Akt von Max Laeuger aus der Themenschau "Frauen und Landschaft". | Bild: Picasa

Neben den Akten, Halbfiguren, aber auch Paaren fällt der Blick auf mehrere Reihen von Landschaftsbildern, blühende Obstbäume, Mond über dem Wald, auch Berglandschaften und Schweizer Alpen. Man kann diese Bilder in ihren gedämpften, leisen Farben mit den Augen des großen Malers Strübe sehen: „Wohl kein kunstempfindender Mensch wird sich dem Zauber dieser ernsten, leicht melancholischen Melodie entziehen können...“

Blick auf skizzenhafte Ansichten und Stillleben von Max Laeuger im Museum Dorfstube Ötlingen.
Blick auf skizzenhafte Ansichten und Stillleben von Max Laeuger im Museum Dorfstube Ötlingen. | Bild: Jürgen Scharf

Die Ausstellungen dauern bis 9. September, Museum Dorfstube Ötlingen geöffnet Sonntag 15 bis 17 Uhr, Galerie Robert Keller Kandern Samstag und Sonntag 14 bis 18 Uhr.