Vor zehn Jahren, im Oktober 2008 wurde die Gesamtgemeinde Kleines Wiesental gegründet. Das wurde am Wochenende mit einem großen Festakt in der Tegernauer Festhalle und einem Tag der offenen Tür gefeiert. Beim Festakt war fast das ganze „Who is who“ des Kleinen Wiesentals anwesend und traf auf Politikprominenz aus dem ganzen Landkreis wie auch der Bundespolitik.

Zwanglos begann der Festakt mit einem Sektempfang. Es zeigte sich schnell, dass die bereitgestellten Sitzplätze für die etwa 300 Gäste kaum ausreichten. Ehrengäste, ehemalige und derzeitige Verantwortungsträger, politische Weggenossen, Angehörige der Sportvereine, Kultur- und Bildungseinrichtungen und querbeet Bürger aus allen acht Gemeindeteilen wollten der Geburtstagsfeier der jungen Gemeinde beiwohnen. Auch Landrätin Marion Dammann, die Bundestagsabgeordneten Armin Schuster (CDU) und Christoph Hoffmann (FDP) sowie weitere Vertreter der überörtlichen Politik gaben sich in Tegernau die Ehre.

Bürgermeister Gerd Schönbett begrüßte die Gäste: „Ich weiß nicht, ob wir hier von einer Gedenk- oder von einer Jubiläumsfeier sprechen. Von der Anzahl der Besucher bin ich jedenfalls total überwältigt.“ In der Gesamtheit könne man stolz darauf sein, was im Kleinen Wiesental zehn Jahren nach dem Zusammenschluss gemeinsam erreicht wurde. Besonders begrüßte Schönbett die damaligen Bürgermeister, die den historischen Beschluss der Fusion mitgefasst haben: Herbert Baier, Gerhard Wagner, Eugen Simen, Horst Riedacher und Dieter Vollmer (urlaubsbedingt abwesend).

Landrätin Marion Dammann wünschte der Gemeinde „eine ideenreiche Bürgerschaft in einer starken Gemeinschaft. Ich glaube, die Liebe reift“. Sie sei, so Dammann, bei ihren Besuchen im Kleinen Wiesental immer wieder „beseelt von den Natureindrücken“. Dammann bedankte sich bei ihrem Amtsvorgänger Walter Schneider, unter dessen Ägide die wesentlichen Schritte zur Gemeindefusion erfolgten. Schneiders Bemühungen, die politische Struktur im Tal neu zu ordnen, hätten zehn Jahre später Früchte getragen. „Die Gemeinde ist den Windeln entwachsen“, sagte die Landrätin.

Alle acht Teilorte hätten ihren eigenen Charme, ihre Besonderheiten und ihre Charakteristika in die neue Gesamtgemeinde eingebracht, eine Liebesheirat sei es damals trotzdem nicht gewesen. Gleichwohl hätten alle Orte vom Zusammenschluss profitiert: „Die Gemeinde strotzt nun richtig von der Vielfalt eines reichhaltigen kulturellen Angebotes und bietet eine traumhafte Landschaft mit über 7000 Hektar.“ Das Kleine Wiesental habe in seiner neuen Form auch Vorbildcharakter, findet Dammann: „Das ist Einheit in Vielfalt.“

Mit dem Bozener Bergsteigermarsch erfolgte die offizielle Eröffnung des Festaktes: Damit setzte der Gesamtmusikverein des Kleinen Wiesentales, bestehend aus 42 Musikern aus Wieslet, Sallneck, Tegernau und Wies unter Leitung von Dirigent Sebastian Wagner aus Sallneck, einen schwungvollen musikalischen Akzent. Die Kraft der Einheit war aber auch im Zusammenschluss der Gesangvereine des Kleinen Wiesentals aus Wieslet, Wies und Bürchau unter Leitung von Claudia Götting zu erkennen. Durch die schiere Zahl der Sänger entstand ein volumenreicher Klangkörper.

Helmut Grether vom Gesangverein Harmonie in Wies meinte: „Wir haben für heute Abend nur ein einziges Mal miteinander geprobt, der Zusammenschluss unserer Chöre ist aber auch in der Zukunft gut denkbar.“ Die launige Moderation des Festaktes erfolgte durch Simon Rathgeber, der an die Höhepunkte des jeweiligen Gemeindegeschehens erinnerte, beginnend ab der Gründung des Dorfladens von Wies im Jahr 2008, über die Auflösung der Hauptschule, zum Bürgerentscheid über die Kindergartenstandorte bis zur Gründung der Bürgerinitiative gegen die Windkraftanlagen.

Doch auch in den insgesamt 15 Grußworten klang an, was sich im Tal seit 2008 schon alles entwickelt hat und wo es noch anzupacken gilt. Nach dem etwa dreistündigen Programm nutzte Pfarrer Rave seine Redezeit zu einer „Express-Predigt“ zum Thema „Suchet der Stadt Bestes“. Rave appellierte an die Gemeinde: „In Konfliktzeiten soll man versuchen zu verstehen, was der andere denkt“.