„März und April waren eine Tragödie und der Dezember eine Katastrophe“, sagt Lorenz Keller vom Erzinger Weingut LCK. Durch die Corona-Pandemie habe er 2020 etwa 30 Prozent weniger Umsatz gemacht. Keller spürt vor allem den Wegfall der Gastronomie. Beim Rechberger Biowinzer Christian Gromann und dem Weinfachhändler Alex Wagner sind es eher die ausgefallenen eigenen Veranstaltungen, die etwa zu den gleichen finanziellen Einbußen führten. Die drei Weinspezialisten haben den Kopf jedoch nicht in den Sand gesteckt.

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Christian und Gabriele Gromann bauten einen Online-Shop auf, der sehr gut angelaufen ist. Zusätzlich zu den Öffnungszeiten am Freitagabend hatten sie die Rechberger Weinhütte auch an den letzten Mittwochnachmittage des Jahres für den Verkauf geöffnet. Die Winzer sind froh, dass Direktvermarkter und Hofläden im zweiten Lockdown offen bleiben dürfen. Auch die Weinläden von Alex Wagner in Waldshut, Tiengen und Jestetten dürfen bislang weiter öffnen.

Alex Wagner hatte zu Beginn des ersten Lockdowns Premiere mit einer Livestream-Weinprobe. Mittlerweile hat der 29-Jährige mit neun Winzern und drei Schnapsbrennern online fast 20 Verkostungen, zahlreiche Firmen-Events und sogar einen speziellen Junggesellen-Abschied durchgeführt.

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Das Weingut LCK hat früher als geplant eine Zweigstelle auf Schloss Rheinburg in Gailingen eröffnet. „Wir wollten das ursprünglich erst mit der Übernahme des Rebbergs machen, doch nach dem ersten Lockdown haben wir die Vinothek bereits im Sommer umgebaut und eröffnet“, sagte Keller. Zudem ist LCK bei Alex Wagner auf den Zug aufgesprungen, der mit Keller und Gromann erstmals ein Online- Live-Battle zwischen zwei Weingütern durchführt. Der Termin findet statt am Samstag, 23. Januar, 19 Uhr.

Christian Gromann ist der einzige Vollerwerbs Biowinzer am Hochrhein und bewirtschaftet in Rechberg und Erzingen rund fünf Hektaren Reben.
Christian Gromann ist der einzige Vollerwerbs Biowinzer am Hochrhein und bewirtschaftet in Rechberg und Erzingen rund fünf Hektaren Reben. | Bild: Thomas Güntert

Für Brisanz sorgt der direkte Vergleich der biologisch und konventionell bewirtschafteten Weingüter. Bei dem Winzer-Duell werden jeweils fünf Weine im direkten Vergleich vom Produzent und dem Sommelier Alex Wagner vorgestellt. Der zweite Winzer kann den Wein kritisch bewerten, ehe die Teilnehmer die Bewertungspunkte vergeben.

In der ersten Weißwein-Runde stehen sich Gromanns pilzwiderstandsfähige (Piwi) Rebsorte Helios und eine feinherbe Scheurebe von LCK gegenüber. Zudem gibt es ein Duell zwischen dem Bio Cuvée „Rendezvous“, das aus Chardonnay und Grauburgunder gekeltert ist, und einem trockenen LCK Chardonnay.

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Beim Roséwein setzt Gromann auf seine Enkelin Ode-Theresa, nach der er das lachsfarbene Cuvée aus Merlot, Cabernet Cortis und Syrah benannt hat. Keller tritt mit einem Spätburgunder Rosé an. Beim direkten Spätburgunder-Vergleich schickt Gromann seine Spätlese mit 14,5 Prozen Alkohol ins Rennen; LCK setzt seinen im Holzfass gereiften Spätburgunder dagegen. In der Schlussrunde bringt Keller die Piwi Rotweinsorte Cabernet Cortis an den Start, die eigentlich für den Bioweinbau prädestiniert ist; Gromann setzt auf die konventionelle französische Rebsorte Syrah, die er biologisch anbaut. Die Teilnehmer können sich während dem zwei- bis dreistündigen Live-Streaming per Chat untereinander beraten. „Beim Wine-Tasting wird es einen Verlierer geben, doch am Schluss werden wir alle gewinnen“, sind sich die drei Weinexperten einig.