Für alle Anwesenden war es ein bewegender Tag: Zwischen der Bergkapelle und den Erzinger-Weinreben versammelten sich Bürger aus der Seelsorgeeinheit Klettgau-Wutöschingen, um sich von den Ordensschwestern Itta und Sabina zu verabschieden. Über viele Generationen hinweg prägten die Heiligkreuz-Schwestern das kirchliche und soziale Miteinander in Erzingen. Mit ihrem Weggang endet eine 120-jährige Ära, die geprägt war von Nächstenliebe, Hingabe und Dankbarkeit. „Ein Stück Geschichte der Kreuzschwestern aus Hegne endet heute“, so die Provinzrätin aus Hegne, Schwester Susanne.

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Offenes Ohr

Auch sie hat das überschaubare Dorf mit seinen rund 3500 Einwohnern während ihres Postulats kennen und schätzen gelernt. „Über diese lange Zeit waren die Schwestern Teil der Gemeinschaft. Sie waren für die Bürger da und die Bürger für sie“, sagt sie an die Anwesenden gerichtet. Im Gedächtnis vieler bleiben vor allem Schwester Itta und Sabina, die „immer ein offenes Ohr und Herz für die Menschen vor Ort hatten“, so die Provinzrätin.

Mit der Kutsche an der Bergkapelle angekommen, wurden die Ehrengäste herzlich von den Bürgern empfangen.
Mit der Kutsche an der Bergkapelle angekommen, wurden die Ehrengäste herzlich von den Bürgern empfangen. | Bild: Vanessa Amann

Unzählige Erinnerungen und persönliche Anekdoten sammelten die Erzinger über die vielen Jahre hinweg. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich im Kindergarten engagiere – aber Schwester Itta schlägt man keinen Wunsch aus“, berichtete Meinrad Tröndle, Mitglied im Stiftungsrat. Auch die einzigartige Atmosphäre, die Schwester Sabina in der Kinderkrippe schaffte, betonte er in seiner Rede. „All das, was die Krippe ausstrahlte, die Ruhe und die Wärme, ist heute aus pädagogischer Sicht nicht mehr vorstellbar.“ Der allsonntägliche Gang der Ordensschwestern aus der Clissoner Straße 32 zur Kirche St. Georg wird vermisst – aber der Glaube und die vielen guten Momente bleiben erhalten.

Eine Sonntagsfahrt der etwas anderen Art: Mit einer stattlichen Leistung von 14 PS brachte Heinz-Peter Hierholzer die fünf Kreuzschwestern mit der Kutsche an ihr Ziel in den Erzinger Reben.
Eine Sonntagsfahrt der etwas anderen Art: Mit einer stattlichen Leistung von 14 PS brachte Heinz-Peter Hierholzer die fünf Kreuzschwestern mit der Kutsche an ihr Ziel in den Erzinger Reben. | Bild: Vanessa Amann

„Ihr Fehlen in unserer Gemeinde und die Lücken sind heute schon spürbar“, sagte Pfarrgemeindemitglied Heinz Huber. Als Organisator des Begegnungsfestes war es ihm ein Anliegen, das „wertvolle Wirken“ der Schwestern zu würdigen – mit einer Andacht, Gesang und Gesprächen. Nicht zuletzt konnten sie während der Kutschfahrt, welche die Schwestern nach dem Gottesdienst zur Bergkapelle brachte, ihre ehemalige Heimat ein letztes Mal betrachten.

Dankbarkeit

„Mit ihren Schwerpunkten in der Leitung des Kindergartens und der seelischen Betreuung von kranken Menschen verrichteten sie einen jahrzehntelangen engagierten und selbstlosen Dienst“, fanden die Pfarrer Veit Rutkowski und Frank Malzacher lobende Worte. Diesen schließt sich auch Bürgermeister Ozan Topcuogullari an: „Wir werden die offene und herzliche Art der Schwestern schmerzlich vermissen, sind aber sehr dankbar über ihren wichtigen Dienst.“ Es war ein Tag des Abschieds, aber einer, an den sich die Erzinger – und hoffentlich auch die Schwestern – gerne zurückerinnern.