Seit rund einem Jahr hat „Dä Ladde“ in Dettighofen seine Türen geöffnet. Doch der Dorfladen ist mehr als nur der Nahversorger von Nebenan – als sozialer Treffpunkt, DHL-Paketshop und Raststätte lockt er Handwerker, Lastwagenfahrer und Menschen aller Generationen an.

Dass Projekte niemals beendet sind und immer wieder dazugelernt wird, betont Rainer Bentele, Vorstandsmitglied der Genossenschaft, im Gespräch mit dem SÜDKURIER. „Niemand von uns kam aus dem Einzelhandel. Das heißt, wir mussten von Grund auf viele Dinge dazulernen, hatten aber alle eine Vision vor Augen“, erklärt er.

Rainer Bentele ist Mitglied des Vorstandes der Genossenschaft und maßgeblich verantwortlich für den Einkauf, die Warenwirtschaft und die ...
Rainer Bentele ist Mitglied des Vorstandes der Genossenschaft und maßgeblich verantwortlich für den Einkauf, die Warenwirtschaft und die Logistik. | Bild: Vanessa Amann

Die Vision und ihre Mitstreiter können direkt im Eingangsbereich des Dorfladens bestaunt werden. Der „Gründerbaum“ verewigt alle Genossen, die zu Beginn mindestens einen Anteil im Wert von 200 Euro bis maximal 50 Anteile am Laden gekauft haben. „Sie alle sind Unternehmer – und wer kann das heutzutage schon mit einer Einlage von 200 Euro behaupten?“, fragt Bentele.

Wer zu Beginn als Genosse in den Dorfladen investiert hat, wurde im Eingangsbereich auf dem „Gründerbaum“ namentlich verewigt.
Wer zu Beginn als Genosse in den Dorfladen investiert hat, wurde im Eingangsbereich auf dem „Gründerbaum“ namentlich verewigt. | Bild: Vanessa Amann

Mittlerweile haben sich rund 400 Menschen gefunden, die insgesamt 140.000 Euro in den Dorfladen investiert haben. Bei einer Einwohnerzahl der Gemeinde Dettighofen mit 1150 Personen, sei das eine runde Summe.

Das könnte Sie auch interessieren

Doch mit diesem Geld geht für die Vorstandsmitglieder auch eine hohe Verantwortung einher: „Wir verwalten das Geld unserer Genossen, da müssen wir auch ein vernünftiges Ergebnis erzielen.“ Hohe Gewinne einzufahren, wie dies Privatunternehmer anstreben, sei dabei nicht vorrangig – dies erlaube der Vorstandsriege auch einen gewissen Preisspielraum, erklärt Bentele.

Die Gänge wurden bewusst so gestaltet, dass zwei Einkaufswägen problemlos aneinander vorbeikommen.
Die Gänge wurden bewusst so gestaltet, dass zwei Einkaufswägen problemlos aneinander vorbeikommen. | Bild: Vanessa Amann

Denn das vorrangige Ziel sei es, die Preisspanne für Produkte des täglichen Lebens zu reflektieren. Was so viel bedeutet wie: Nicht nur Bio- und regionale Produkte, sondern eben auch eine Alternative von Gut & Günstig.

„Natürlich sind die Preise abhängig von unseren Lieferanten, wir haben aber den Anspruch, dass jeder in unserem Dorfladen einkaufen kann“, fasst Lina Eichkorn, Marktleiterin, dies treffend zusammen. Schlussendlich würde sich ein Einkauf schon alleine wegen der derzeitigen Spritkosten lohnen, findet Rainer Bentele. „Wir möchten erreichen, dass die Leute sehen, dass ein Nahversorger im Ort gerade zu Krisenzeiten ein großer Vorteil ist.“

Lebensmittel, die nicht mehr einwandfrei aussehen, finden sich im Eingangsbereich zum halben Preis.
Lebensmittel, die nicht mehr einwandfrei aussehen, finden sich im Eingangsbereich zum halben Preis. | Bild: Vanessa Amann

Das Bistro als neuer Treffpunkt

„Bevor es den Dorfladen gab, hat man sich nur auf den Festen getroffen. Heute trifft man sich beim Einkaufen, verabredet sich auf einen Kaffee oder genießt einfach die tolle Aussicht“, sagt Lina Eichkorn. So trifft jeden Morgen der Lieferant der Bäckerei Jost aus Bonndorf ein, um frische Brötchen, Brot und Konditoreiwaren zu liefern.

Ein Einkauf und das gemütliches Beisammensein kann im „Ladde“ gut kombiniert werden.
Ein Einkauf und das gemütliches Beisammensein kann im „Ladde“ gut kombiniert werden. | Bild: Vanessa Amann

Für die ehrenamtlichen Helferinnen heißt es dann: Brötchen schmieren, Ofen aufheizen und die ein oder andere Bestellung fertig zu stellen. „Gerade samstags werden viele Brötchen geholt. Diese kann man bei uns auch schon vorbestellen, dann ist alles schon in einer Tüte und muss nur noch bezahlt werden“, erklärt das Vorstandsmitglied.

Ein breites Sortiment

Wer beim Dorfladen in Dettighofen an einen „Tante-Emma-Laden“ denkt, der wird beim ersten Einkauf erstaunt sein. Das Sortiment reicht von Lebensmitteln, über Schreibwaren, bis hin zu Tiernahrung und Waschmittel. „Unsere Kompetenzen liegen nicht im Bereich der Tiernahrung oder der Kosmetikprodukte – wenn aber zum Wochenende noch etwas fehlt, findet man dies auch bei uns“, so Bentele.

Auch im Dienstleistungsbereich hat der Dorfladen einiges zu bieten: So können DHL-Pakete abgegeben und auch abgeholt werden.
Auch im Dienstleistungsbereich hat der Dorfladen einiges zu bieten: So können DHL-Pakete abgegeben und auch abgeholt werden. | Bild: Vanessa Amann

Mehrere private Versuche habe es bereits mit einem Dorfladen in der Umgebung gegeben, diese scheiterten allerdings. Gerade deshalb sei es von Anfang an der Anspruch gewesen, „die Bedarfsnotwendigkeit so abzudecken, dass es keine Rechtfertigung gibt, nach Jestetten oder Erzingen zum Einkaufen zu fahren“.

Das könnte Sie auch interessieren

Eine gute Mischung aus regionalen Anbietern – wie Mehl von der Blattert-Mühle, Wurstwaren von der Metzgerei Schaub sowie Spirituosen und Obst vom Obsthof Henes – und Waren des Großhändlers Edeka Foodservice würden die Produktpalette auszeichnen.

Regionale Lebensmittel werden jeweils mit diesem Sticker gekennzeichnet.
Regionale Lebensmittel werden jeweils mit diesem Sticker gekennzeichnet. | Bild: Vanessa Amann

„Heute haben wir in etwa 20 bis 25 regionale Lieferanten“, äußert sich Rainer Bentele. Laufen regionale Produkte gut und stehen diese ausreichend zur Verfügung, wie derzeit das Gemüse, Obst und die Eier, werden sie nur noch über regionale Lieferanten bezogen. „Das was standardgemäß in der Region wachsen kann, kommt jetzt aus der Region – und ist dadurch noch frischer“, sagt er.

Zurzeit findet sich in der Obst- und Gemüseabteilung nur regionales Obst.
Zurzeit findet sich in der Obst- und Gemüseabteilung nur regionales Obst. | Bild: Vanessa Amann

Das sagt die Kunden

Helmut Metzger aus Baltersweil ist selbst Genosse und ist von der Atmosphäre des Dorfladens begeistert. „Wir sind sehr froh, dass wir den Dorfladen haben“, betont er.

Helmut Metzger aus Baltersweil ist froh über den neuen Laden und sieht ihn als Bereicherung für das Gemeindeleben.
Helmut Metzger aus Baltersweil ist froh über den neuen Laden und sieht ihn als Bereicherung für das Gemeindeleben. | Bild: Vanessa Amann

Die anfängliche Skepsis hat auch er geteilt, da er die gescheiterten Versuche der vorherigen Dorfläden mitbekommen habe. Diese sei mit dem „Ladde“ nun ausgeräumt und fest im Kalender steht bereits das Kaffee-Treffen einmal im Monat.

Auch Frau Maier, Frau Will, Frau May und Frau Hauser treffen sich einmal in der Woche immer donnerstags zum Kuchenessen und Dominospielen.

Immer donnerstags treffen sich Frau Maier, Frau Will, Frau May und Frau Hauser (von links) auf einen Kaffee und eine Runde Domino im ...
Immer donnerstags treffen sich Frau Maier, Frau Will, Frau May und Frau Hauser (von links) auf einen Kaffee und eine Runde Domino im Dettighofer Dorfladen. | Bild: Vanessa Amann

„Der Dorfladen wird von allen gut angenommen, ob Handwerker oder Wandergruppen, alle genießen das Panorama“, sagt Frau May. Lange hätten sie darauf gewartet, dass sie zu Fuß eine Einkaufsmöglichkeit im Dorf haben, da sie nun nicht mehr Autofahren können. „Jetzt sind wir glücklich“, sind sich die vier Frauen einig.