„So ein Angebot bekommt man nur einmal im Leben.“ Darin sind sich der Erzinger Winzer und Kellermeister, Lorenz Keller, und der Reichenauer Önologe, Julian Moser, einig: Der 42-jährige Lorenz Keller hat in Gailingen die zehn Hektar große Einzellage Schloss Rheinburg gepachtet und Julian Moser mit ins Boot genommen.

Der Rebberg wurde in den vergangenen 17 Jahren vom Prädikatsweingut Markgraf von Baden bewirtschaftet und zählt zu den besten Lagen im Raum Bodensee.

Sorten, die der Markt braucht

Die auf Sand geschichteten Moränenschotterböden sind in Verbindung mit dem günstigen Mikroklima prädestiniert für Burgundersorten. „Der Rebberg hat 35-jährige Rebstöcke mit den Sorten, die der Markt braucht“, sagt Keller.

Der Spätburgunder wächst im sonnigen, nach Süden ausgerichteten Steilhang, auf eineinhalb Hektar steht eine der ältesten Sauvignon Blanc Anlagen Badens und neben Chardonnay, Weiss- und Grauburgunder wächst auch die Auxerrois Rebe, die am Bodensee noch ein Exot ist.

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Der 27-jährige Julian Moser wird den Weinbaubetrieb in Gailingen leiten. Moser bewirtschaftet auf der Insel Reichenau zudem einen 1,3 Hektar großen Rebberg, der sich in einer dreijährigen Umstellungsphase zum Bio Weingut befindet. Im konventionellen Betrieb in Gailingen will er alles machen, was ökologisch sinnvoll ist.

Der Biowinzer Julian Moser wird künftig den konventionellen Rebberg Schloss Rheinburg in Gailingen leiten. Wo es Sinn macht, will er den Rebberg ökologisch bewirtschaften.
Der Biowinzer Julian Moser wird künftig den konventionellen Rebberg Schloss Rheinburg in Gailingen leiten. Wo es Sinn macht, will er den Rebberg ökologisch bewirtschaften. | Bild: Thomas Güntert

Lorenz Keller setzt in Erzingen bereits auf mechanische Unterstockbearbeitung und organische Düngung. Der Wein wird im Weingut LCK in Erzingen ausgebaut, wofür Keller das Tanklager bereits auf 200.000 Liter verdoppelt hat. Für die gemeinsame Vermarktung der Gailinger Weine haben Keller und Moser die „Schloss Rheinburg Keller und Moser GmbH“ gegründet.

Weil es bei der Villa Rheinburg seit Jahren keinen Weinverkauf mehr gibt, ist der Wein von Schloss Rheinburg etwas in den Dornröschenschlaf versunken. Das Weingut von Lorenz und Corina Keller hat im ehemaligen Verwaltungsgebäude bereits eine Vinothek eröffnet. Momentan gibt es dort noch „LCK“ Weine, doch später sollen die Weine von Schloss Rheinburg in den Fokus gestellt werden.

Lorenz Keller hat das ehemalige Verwaltungsgebäude der Villa Rheinburg zur Vinothek umgebaut und im Juli eröffnet.
Lorenz Keller hat das ehemalige Verwaltungsgebäude der Villa Rheinburg zur Vinothek umgebaut und im Juli eröffnet. | Bild: Thomas Güntert

Keller und Moser wollen Weine in drei Qualitäts- und Preisstufen ausbauen, wobei der Hektarertrag zwischen 5.000 und 8.000 Liter liegen sollte. Im ersten Jahr gab es eine sehr gute Qualität, aber durch den Frost etwa 40 Prozent weniger Ertrag. Im Frühling sollen die neuen Schloss Rheinburg Weine bei einer Jungweindegustation vorgestellt werden.

Zur Geschichte des Weinbaus am Hochrhein

Bereits im 9. Jahrhundert wird der Weinbau am Hochrhein urkundlich erwähnt. Die vier Kilometer lange rechtsrheinische Halde von Dörflingen bis Gailingen war als „Setzi“ bekannt und gehörte bis 1854 über 700 Jahre zum Schweizer Städtchen Diessenhofen. Die Stadtgrenze verlief oberhalb des Rebbergs und reichte bis zur Gailinger Friedhofsmauer. Über Jahrhunderte besaßen Diessenhofer Stadtbürger und das Dominikanerinnenkloster St. Katharinental beträchtliche Rebflächen auf der rechtsrheinischen Seite.

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Nachdem Napoleon durch Europa gezogen war, verlegten die Schweizerische Eidgenossenschaft und das Grossherzogtum Baden 1854 die Landesgrenze in die Mitte des Rheins. Viele Diessenhofer Bürger besaßen plötzlich Rebberge und Gemüsegärten in Deutschland.

Nach der Säkularisierung und der Aufhebung des Klosters St. Katharinental 1869 ging der Rebbau zurück. Die aus Amerika eingeschleppte Reblaus richtete in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zudem immense Schäden an. Im ersten Weltkrieg wurden die Reben nochmals verwüstet und Anfang der 1920er Jahre schien die lange Tradition des Weinbaus in Gailingen zu Ende zu gehen.

Familie Gross bestockt mit Weitsicht

Im Jahr 1976 hatten Elke und Otmar Gross die westlich von Gailingen gelegene Rheinburg von Eleonore von Opel, einer Enkelin des Rüsselsheimer Automobilwerkgründers, gekauft. Ursprünglich wurde die Villa Rheinburg vom berühmten Züricher Architekten Leonhard Zeugheer für Arthur Rausch, Spross einer wohlhabenden Schaffhauser Handelsfirma, im Stil der Neo-Renaissance gebaut. Die Villa wechselte bis dahin sieben Mal den Besitzer und ist heute im Eigentum der Gross-Tochter Barbara Su-Floetemeyer.

Sie brennen für Schloss Rheinburg: Lorenz Keller (links) und Julian Moser.
Sie brennen für Schloss Rheinburg: Lorenz Keller (links) und Julian Moser. | Bild: Thomas Güntert

Mit Weitsicht hat die Familie Gross den Hang mit neuen Sorten bestockt und die ehemalige Klostertrotte zum Konzert- und Versammlungsraum umgebaut. Heute sind in Gailingen wieder 25 Hektar mit Reben bestockt. Die Lage Ritterhalde wird von den Weingütern Zolg, WeinKeller.sh und dem Staatsweingut Meersburg bewirtschaftet.

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