Der gemischte Chor Dettighofen hätte als ältester Verein der Gemeinde in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen groß gefeiert. Geplant waren fünf Veranstaltungen, darunter im April das Festbankett sowie ein „Singender Jahreskalender“, an dem sich auch der Männerchor Bachenbülach, der Frauenchor Wilchingen (beide aus der Schweiz) sowie der Kirchenchor Bühl mitgewirkt hätten. Dies musste wegen der aktuellen Corona-Situation abgesagt werden.

Jubiläums-Auftritte

Der Chor hofft, dass am 18. Juli das Jubiläums-Singen auf dem Käppele in Baltersweil sowie im November das Singen an der Metzgete auf dem Hofgut Albführen sowie das Konzert am 29. November in der alt-katholischen Kirche in Dettighofen stattfinden können. Eine Festschrift ist an die Haushalte verteilt worden. Die Vereinschronik wurde durch den Sänger Albert Moser überarbeitet. Der Verein wird von Eveline von Rabenau seit 2016 geführt und musikalisch von Dirigentin Brigitte Moser seit 1984 geleitet.

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Vereinsgründung

Schon vor der Gründung sangen in loser Runde sangesbegeisterte junge Männer bei verschiedenen Gelegenheiten, und so war die Vereinsgründung zum Männerchor Dettighofen am Silvester 1869/70 im Gasthaus „Löwen“ die logische Folge. Durch Spenden und eine Sammlung im Dorf konnte im Mai 1870 die erste Vereinsfahne angeschafft werden. Bereits am 1. Januar 1872 gab sich der Verein eine erweiterte Satzung, die von 23 Sängern unterzeichnet wurde.

Der Männerchor Dettighofen im Jahr 1880.
Der Männerchor Dettighofen im Jahr 1880. | Bild: Albert Moser (Repro)

Kaiserreich

Der Chor weihte bereits anno 1900 seine zweite Fahne mit einem Waldfest in den Berchen ein, bei dem die ganze Dorfgemeinschaft mithalf. Bei den vor der Jahrhundertwende auf dem Dorfplatz veranstalteten Heimatspielen nach Texten des Heimatdichters Alexander Würtenberger übernahm der Chor die musikalische Umrahmung. Während des Ersten Weltkrieges zwischen 1914 und 1918 stellte der Verein die Tätigkeit ein, da viele Sänger zu den Waffen gerufen wurden.

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Weimarer Republik

Erst der Übergang vom Kaiserreich zur Republik gestattete es, die Vereinsarbeit wieder aufzunehmen. In der Wirtschaftskrise bezahlte der Chor den Dirigenten Karl Eberle mit zwei Zentner Weizen, weil die Inflation den Wert des Geldes auffraß. Das 60-jährige Bestehen feierte der Verein 1930 in einer erweiterten Silvesterfeier im Gasthaus „Löwen“. Als 1933 Hitler die Macht übernahm, kamen politische Veränderungen und Gruppen, die ein gemeinsames Singen unmöglich machten. Auch wurden im faschistischen System von der Reichskulturkammer sämtliches Liedgut „gesäubert“.

Neustart 1950

Nach dem Grauen des Zweiten Weltkrieges unternahm der junge Sänger Berthold Hauser 1950 den Versuch, dem Gesang in Dettighofen wieder eine Chance zu geben. Am 17. Dezember 1950 konnte der Männerchor aus dem Dornröschenschlaf erweckt werden. Am Tag des WM-Triumphs der deutschen Nationalmannschaft 1954 in Bern hatte der Männerchor ein Waldfest vorbereitet. Aber es goss wie aus Kübeln, und so fiel das Waldfest buchstäblich ins Wasser. Der Chor führte traditionell an Weihnachten ein Theater im Gasthaus Löwen auf.

Wandel zum gemischten Chor

Bis 1980 hatte der Männerchor nur noch wenige Aktive, da viele alte Sänger aufhörten oder gestorben waren. 1981 traten 17 Frauen ein, und fortan trat man als gemischter Chor auf. Bis 1984 leitete Dirigentin Irma Grießer den Chor; ihre Tochter Brigitte Moser schwingt als Nachfolgerin schon seit 36 Jahren den Taktstock. Vorsitzender war Alfred Gleichauf von 1981 bis 2016. Er wurde vom Land BadenWürttemberg mit der Verdienstmedaille für sein langjähriges Wirken ausgezeichnet.

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Jubiläen

1970 fand im Juli ein viertägiges Fest statt, bei dem die dritte Vereinsfahne geweiht wurde. Sie war im Benediktinerinnen-Kloster Marienburg in Ofteringen angefertigt worden. Die Fahne im Wert von 2800 Mark war im Namen der Schweizer Firma Maggi, damals Eigentümerin des Hofguts Albführen, von Direktor E. Hefti und Verwalter Hans Dieter Krystek übergeben worden. Oberregierungsrat Kistner überreichte dem damaligen Vorsitzenden Willi von Roth (1952 bis 1977) die Zelter-Plakette. Das 125. Jubiläum feierte der Verein ebenfalls mit einem viertägigen Fest.

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