Nach Wochen des Stillstandes geht ein Aufatmen durch die Reihen der Gastronomiebetriebe in Klettgau und deren Zulieferer. Die Schließung der Gasthäuser aufgrund der Corona-Pandemie, das Wegbrechen des Umsatzes sowie die Kurzarbeit der Mitarbeiter habe den Gastronomen allergrößte Sorgen, wenn nicht gar Verzweiflung über die fehlende Perspektive bereitet.

Die in der Not geborenen Takeaway-Angebote (Essen zum Mitnehmen) decken nur einen Bruchteil der anfallenden Kosten. Mit der Öffnung von Gasthäusern unter bestimmten Auflagen am heutigen Montag stellt sich neue Hoffnung ein. Wie haben Klettgauer Gastrobetriebe und Zulieferer den Lockdown bisher bewältigt? Was für Strategien haben sie erstellt? Wir haben nachgefragt.

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Das Grießener Gasthaus Kranz hat die Wochen des Lockdowns mit dem Abholservice überbrückt, „doch nur 20 Prozent der Betriebskosten können wir so erwirtschaften“, erklärt die Wirtin Roswitha Gehring-Villano. „Mit unserem Takeaway ist der Fall nicht ganz so tief“, sagt sie, „aber es ist wirklich schlimm.“

Immerhin für sie persönlich sei es ein gutes Gefühl, wenigstens etwas zu tun gehabt zu haben. Neun Mitarbeiter arbeiten in normalen Zeiten im Kranz, sie alle sind in Kurzarbeit. Sechs von ihnen zu hundert Prozent, drei kommen stundenweise. „Das tut mir sehr weh, vor allem da alle langjährige Mitarbeiter sind und wir sehr gut miteinander können.“

Verwaist steht das Gasthaus Mange da. Dessen Wirt Paul Maier sieht in der Krise jedoch auch eine Chance.
Verwaist steht das Gasthaus Mange da. Dessen Wirt Paul Maier sieht in der Krise jedoch auch eine Chance. | Bild: Eva Baumgartner

Das Grießener Gasthaus Mange hingegen hat gänzlich geschlossen. Paul Maier sieht im Lockdown aber auch eine Chance. Für ihn persönlich ist er eine Entschleunigung und er hofft, dass bei vielen ein Umdenken einsetze, dass die Arbeit wieder eine andere Wertschätzung erfährt.

Er ist in der komfortablen Lage, dass er diese Zeit überbrücken kann, vor zehn oder 20 Jahren hätte es für ihn anders ausgesehen, meint der Mange-Wirt. „Ein Takeaway lohnt sich für mich nicht, dafür ist mein Betrieb zu klein“, führt er an, obwohl er über kurz oder lang einen Abholservice angeboten hätte – allein zur Kundenpflege.

Schwer getroffen hat es den Erzinger Catering-Service Banholzer-Buffet. Die Aufträge für große Jubiläen, Feierlichkeiten, Familienfeste oder sonstige gesellschaftlichen Anlässe wurden allesamt storniert. Und das Schlimmste: Sie sind auch in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, wie die Betreiberin Jeannette Indlekofer gegenüber dieser Zeitung erzählt. Nach Wochen des Bangens hat Indlekofer jedoch ganz neue Ideen entwickelt, die sie nun in die Tat umsetzt.

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Unter dem Motto „Lieblingsgerichte“ kann ab nächster Woche jeweils donnerstags und freitags der Kunde unter zwei Gerichten, je ein vegetarisches und eines mit Fleisch, auswählen und diese dann abholen. Weitere Angebote sind eine Lunchbox für das Familienessen zum Wochenende mit Vorspeise und Hauptgang, dabei eine Anleitung zum Aufwärmen, sowie eine Barbecue-Box mit allem Drum und Dran für die Grillparty.

Alle Angebote sind telefonisch oder online zu buchen. „Wichtig ist mir vor allem die Qualität, aber auch die Präsentation des Essens. Den letzten Schliff macht der Kunde zuhause, die Verpackung ist ökologisch und wiederverwendbar, denn das liege Jeannette Indlekofer ganz besonders am Herzen. „Wir müssen das Geschäft wieder zum Laufen bringen“, sagt sie und ist wieder voller Optimismus und von großem Tatendrang beseelt.

Lorenz Keller (Weingut LCK) und Jeannette Indlekofer (Banholzer-Buffet) begegnen der Corona-Krise mit neuen Ideen und Strategien.
Lorenz Keller (Weingut LCK) und Jeannette Indlekofer (Banholzer-Buffet) begegnen der Corona-Krise mit neuen Ideen und Strategien. | Bild: Eva Baumgartner

Ebenso hart getroffen hat es das Erzinger Weingut Lorenz und Corina Keller. „50 Prozent des Umsatzes sind uns weggebrochen.“ Und das ausgerechnet kurz nachdem der Weinbaubetrieb die Rebfläche mit der Pacht des Weingutes Schloss Gailingen um 70 Prozent erweitert hat. „Wir müssen weiter produzieren, ob wir wollen oder nicht, der Natur ist das Virus wurscht“, betont Lorenz Keller.

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Obwohl die Versandpakete gut laufen würden, der Ausfall der Gastrobetriebe und des Fachhandels kann auf die Dauer nicht gestemmt werden. Neuland und das überaus erfolgreich sind die Live-Stream-Degustationen, zu denen Kunden, die ein Probierpaket bestellt haben, sich live zuschalten können, mit dem Winzer eine Reise vom Weinberg bis in den Weinkeller unternehmen sowie Fragen stellen können.

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