Der Vorsitzende des Gewerbevereins Klettgau, Andreas Bollinger, spricht über die Situation von Handel und Gewerbe nach der Grenz­öffnung

Herr Bollinger, wie überall hat auch die Klettgauer Geschäftswelt schwer unter der Corona-Krise gelitten (Lockdown und Grenzschließung unter anderem). Jetzt kommen die Schweizer Kunden wieder, wie war Ihr Eindruck dazu?

Der allseits erwartete Ansturm ist so nicht eingetroffen. Vielmehr kam die Kundschaft aus der Schweiz peu à peu. Man kann wirklich sagen, dass die Grenzöffnung ohne viel Aufregung, eher ruhig und langsam verlaufen ist. Und mittlerweile wieder den Stand vor Corona erreicht hat.

Es wurden mitunter Vorwürfe laut, nach denen sich einheimische Kunden als Kunden „Zweiter Klasse“ fühlen. Was halten Sie davon?

Das kann ich nun wirklich nicht bestätigen und ich glaube die Klettgauer Geschäftswelt macht keinen Unterschied zwischen einheimischen und schweizerischen Kunden. Auch die Klagen, dass die Leute aus der Schweiz keine Masken trugen, kann ich so bei uns nicht bestätigen. Es kam zwar vereinzelt auch bei uns im Geschäft vor. Diese Schweizer Kunden haben dann von uns eine Maske erhalten, das ging problemlos über die Bühne. Es passiert durchaus hin und wieder, dass deutsche als auch Schweizer Kunden, schlichtweg ihre Hygienemasken im Auto vergessen haben.

Was für einen Stellenwert hat die Schweizer Kundschaft beim Klettgauer Handel und Gewerbe?

Wir in Klettgau sind bei weitem nicht so abhängig von der Schweizer Kundschaft wie das in Waldshut oder Jestetten der Fall ist, wo 80 Prozent des Umsatzes weggebrochen sind. Wie viel Umsatz bei uns in der Gemeinde durch das Wegbleiben der Schweizer verloren wurde, kann ich wirklich nicht sagen. Ohnehin ist das von der Branche abhängig. Die Gastronomie als auch der Lebensmittelhandel haben sicherlich herbe Verluste oder Umsatzrückgänge festgestellt. Aber glücklicherweise sind wir nicht von den Schweizern abhängig.

Was für eine Strategie verfolgt der Gewerbeverein derzeit in dieser noch immer ungewissen Lage? Was für Konsequenzen ziehen Sie als Geschäftsmann und ganz persönlich aus den Erfahrungen einer noch nie da gewesenen Pandemie?

Unsere Strategie ist, weiterhin auf Qualität zu setzen, ganz egal in welcher Branche. Ich denke, es gibt viel zu viel Schrott, das immer „mehr“ und immer „billiger“ funktioniert so nicht mehr. Man denke nur an den Fall „Tönnies“. Das erschlagende Angebote zu billigsten Preisen ist katastrophal. Ich denke – und da spreche ich von all unseren Klettgauer Betrieben – wir setzen nach wie vor auf regionale Qualität und Nachhaltigkeit und werden damit auch zukünftig gut fahren. Unsere Kunden schätzen unsere Angebote und Produkte vor Ort. Ich persönlich wünsche mir, dass endlich ein grundlegendes Umdenken stattfindet. Dass die Pandemie, so schlimm sie auch ist, einen Prozess in Gang setzt, der die Menschen erdet.

Fragen: Eva Baumgartner