Einmal mehr sorgte ein Bauantrag in der Klettgauer Gemeinderatsitzung für eine volle Zuhörertribüne, die sich flugs leerte, als der Antrag, mehrheitlich abgelehnt wurde. Dies jedoch mit einem erstaunlichen Abstimmungsverhalten bei sieben Enthaltungen, drei Ja- und fünf Neinstimmen. Der Antrag beinhaltet den Bau eines Mehrfamilienhauses mit zehn Wohnungen und Tiefgarage sowie die Erweiterung eines Weinlagers in Erzingen, Im Langen 3. Bis dato ist das circa 1350 Quadratmeter große Grundstück im Erzinger Oberdorf eine Wiese mit einigen Obstbäumen, angrenzend an das Weingut LCK, umgeben von Ein- bis Zweifamilienhäusern.

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Der dreigeschossige Bau sieht sechs 3,5 – und vier 2,5 Zimmerwohnungen vor, auf zwei Vollgeschossen und einem Attikageschoss. Das Gebäude mit 25 Metern Länge und 15 Meter Breite wird schmalseitig zur Straße „Im Langen“ angeordnet sein. Die Tiefgarage stellt 17 Parkpätze, das sind mehr als gesetzlich vorgeschrieben sind. Unter der Tiefgarage soll ein Weinlager gebaut werden, das über die Straße „Steinbuck“ bewirtschaftet wird.

Dimension sei zu groß

Die zahlreichen Bürger brachten in der lebhaften Frageviertelstunde ihre Bedenken zum Ausdruck, die zumeist auf die große Dimension des Baus abzielten und damit verbunden mit dem erhöhten Verkehrsaufkommen in diesem ruhigen Wohngebiet. Für die Bebauung dieser Baulücke greift der Paragraph 34 des Baugesetzbuches mit seinen Bedingungen. „Diese werden allesamt Punkt für Punkt vom Bauherrn eingehalten“, betonte Bürgermeister Ozan Topcuogullari, so gesehen könne der Antrag nicht abgelehnt werden. Auch Gemeinderat und Architekt Bernd Sautter erklärte: „Es gibt baurechtlich keinerlei Handhabe, den Antrag abzulehnen.“

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Auf Nachfrage erklärte der Bauherr, Lorenz Weißenberger, dass er die Aufregung im Dorf nicht verstehen könne. „Verdichtetes Bauen ist mehr denn je notwendig, Schaffung von modernem Wohnraum, auch durch den Fahrstuhl seniorengerecht, alle Autos haben unterirdische Stellplätze, sind also weg von der Straße.“ Auch die Befürchtung der Anwohner, dass durch das Weinlager unter der Tiefgarage, mehr Verkehr über den „Langen“ abwickelt werde, räumte er aus. „Das Weingut LCK hat nur eine Zufahrt über den Steinbuck.“

Die Frage „Fügt sich der Bau in die Umgebung ein?“ wurde offensichtlich seitens der vielen anwesenden Anwohner mit Vehemenz verneint und im Rat kontrovers diskutiert. Eine klare Linie vertrat der Bürgermeister: „Alle gesetzlichen Bedingungen sind erfüllt, wir müssen so gesehen dem Bauantrag zustimmen. Ohnehin: Das letzte Wort hat das Landratsamt.“