Es ist mehr als 90 Jahre her, dass damals der Dangstetter Schreinermeister August Mülhaupt vom Badischen Bezirksamt zur „Leichenschau verpflichtet wurde“ und somit in den Gemeinden Küssaberg und Hohentengen für die Bestattungen zuständig war. Vier Generationen der Familie sind es bis heute gewesen, die die Aufgaben des Bestatters übernahmen. Zum 31. Dezember hat das Traditionshaus nun offiziell geschlossen.

August Mülhaupt zusammen mit seiner Frau Ludwina. Der Schreinermeister aus Dangstetten wurde 1927 vom Badischen Bezirksamt neben seinem Haupterwerb, der Schreinerei, „zur „Leichenschau verpflichtet“.
August Mülhaupt zusammen mit seiner Frau Ludwina. Der Schreinermeister aus Dangstetten wurde 1927 vom Badischen Bezirksamt neben seinem Haupterwerb, der Schreinerei, „zur „Leichenschau verpflichtet“. | Bild: privat

Als August Mülhaupt 1920 seine Schreinerei gründete, war ihm schon klar, dass bald eine weitere Aufgabe folgen wird. Damals, so erinnert sich Enkelin Roswitha Koch, „war es üblich, dass die Schreinereien auch die Bestattungen übernahmen.“

Schwieriger Sargtransport

Die Wege zu den Verstorbenen legte August Mülhaupt bei jedem Wetter und zu jeder Zeit mit dem Fahrrad zurück, da die Familie zu dieser Zeit noch kein eigenes Auto besaß. Bei dem Transport der Särge half der Wirt des damaligen Gasthauses „Adler“ mit seinem Auto aus. Als Sohn Paul aus dem Krieg heimkehrte und den väterlichen Betrieb 1953 übernahm, war die Anschaffung eines entsprechenden Fahrzeugs endlich möglich.

Viel Erleichterung brachte das erste eigene Auto für die Bestatterfamilie. Den für den Transport der Särge notwendigen „Leichenanhänger“ stellte damals die Gemeinde.
Viel Erleichterung brachte das erste eigene Auto für die Bestatterfamilie. Den für den Transport der Särge notwendigen „Leichenanhänger“ stellte damals die Gemeinde. | Bild: privat

Die Gemeinde stellte zudem einen Anhänger für den Transport der Särge. Mehr als 50 Jahre leitete Paul Mülhaupt das Familienunternehmen. Schwierigkeiten, in die Aufgaben zu finden, gab es nicht. Sie waren dem Schreiner bereits bekannt. „Die Kinder haben immer früh mitgeholfen“, erinnert sich Roswitha Koch.

Raum zum Reden

Eine Stube im eigenen Haus diente als Besprechungszimmer. Dort wurden mit den trauernden Familien Details der Beerdigung besprochen. Oft gingen diese Termine ein bis zwei Stunden. Paul Mülhaupt legte Wert darauf, den Familien die Möglichkeit zum Sprechen geben zu können. „Das war für die Leute oft sehr wichtig“, weiß Roswitha Koch von Erzählungen ihres Vaters. Für ihn sei die Aufgabe eine Berufung gewesen.

Kinder helfen mit

Während ihrer Kindheit ging Roswitha Koch oft zusammen mit ihrer Schwester dem Vater in der Werkstatt zur Hand. Sie füllten Kissen mit Sägespänen oder brachten die Beschläge am Sarg an. Später, nach einer kaufmännischen Ausbildung übernahm sie bis zum Jahr 2002 neben ihrem eigentlichen Beruf und Familienleben noch das Büro des Vaters.

Umfangreiche Aufgaben

Ab 2002 führte Norbert Mülhaupt, der Sohn von Paul Mülhaupt, zusammen mit seiner Frau Annemarie das Bestattungsunternehmen. Viel hatte sich seit der Gründung 1927 verändert. „Der Bestatter macht heute alles, was gewünscht wird“, fasst Annemarie Mülhaupt zusammen. Was früher noch viel Handwerk war, wie beispielsweise das Bauen oder Anpassen der Särge, ist heute hauptsächlich administrative Arbeit, die der Familienbetrieb den Trauernden abgenommen hat.

Kein Nachfolger in Sicht

2012 erkrankte Norbert Mülhaupt schwer und konnte seinen Beruf nicht mehr ausüben. Seitdem führte seine Frau Annemarie das Bestattungsunternehmen und wurde dabei von ihren Kindern, der vierten Generation, unterstützt. Komplett übernehmen wollte den Betrieb keines der Kinder, was Annemarie Mülhaupt veranlasste, mit 77 Jahren nun zum Jahresende das Unternehmen zu schließen.

Viel erlebt habe man in all den Jahren, erinnert sie sich, und ihre Schwägerin Roswitha Koch fügt hinzu, dass ihr Großvater, Vater und Bruder „mindestens ein Buch hätten schreiben können“ über die jahrzehntelangen Ereignisse. „Es ist kein leichter Beruf, man muss dafür gemacht sein“, resümiert Roswitha Koch. Dennoch habe die Tätigkeit immer ihre Besonderheiten gehabt, wie „das Friedliche an dem Thema erleben zu dürfen“.