Sie wohnen mittlerweile Tausende Kilometer von ihrem Heimatort entfernt. Was bedeutet Heimkommen nach Dettighofen für Sie?

Andreas Poznic: Es immer wieder schön, nach Hause zu kommen, wo man aufgewachsen ist und sich mit alten Bekannten trifft. Speziell mit dieser Gruppe wo wir/ich sehr viel miteinander unternommen haben. Ob es Fußball oder Skifahren oder Wandern war, das vergisst man nicht.

Andreas Poznic aus Baltersweil lebt seit 1993 in Moneta im amerikanischen Bundesstaat Virginia.
Andreas Poznic aus Baltersweil lebt seit 1993 in Moneta im amerikanischen Bundesstaat Virginia. | Bild: Andreas Poznic

Eugen Stark: Ich komme gerne nach Hause, um meine Geschwister (drei Brüder und zwei Schwestern) wiederzusehen. Wichtig sind mir auch die langjährigen Kollegen aus der Jugendzeit.

Wie kam es damals zur Entscheidung, auszuwandern?

Andreas Poznic: Ich hab bei Oertli Werkzeuge in der Schweiz gearbeitet und 1986 ist einer der Söhne in die USA ausgewandert. Der hatte seine eigene Werkzeugfabrik aufgebaut und war sehr erfolgreich. Er brauchte aber erfahrene Arbeiter und ich hab mich da angeboten für ein paar Jahre in die USA zu gehen. Nun sind 30 Jahre daraus geworden.

Eugen Stark: Nachdem ich bereits vorher dreimal Neuseeland besucht habe, reifte in mir der Entscheid, etwas neues anzufangen. Nachdem mein Arbeitgeber in Jestetten nach 27 jähriger Berufsarbeit die Firma schloss und ich meinen Arbeitsplatz nach Tiengen hätte verlegen müssen, fasste ich den Entschluss, 2002 auszuwandern.

Eugen Stark aus Riedern am Sand (links) ist 2002 nach Neuseeland ausgewandert. Darüber unterhielt er sich mit Mitarbeiter Albert Moser.
Eugen Stark aus Riedern am Sand (links) ist 2002 nach Neuseeland ausgewandert. Darüber unterhielt er sich mit Mitarbeiter Albert Moser. | Bild: Birgit Moser

War der Neustart in einem fremden Land schwierig?

Andreas Poznic: Die Sprache war das schwierigste – wie in Deutschland gibt es auch in den USA verschiedene Dialekte und da hatte ich die meisten Probleme damit.

Eugen Stark: Am Anfang, im Januar, schlug ich mich mit Gelegenheitsjobs, wie Erntehelfer im Koblauchfeld und als Weinbergarbeiter, durch. Dabei wohnte ich in einem Backpackers Hostel und bekam durch Zufall ein Zeitungsinserat in die Hände, indem ein KfZ-Mechaniker gesucht wurde. Ich meldete mich spontan und erhielt die sofortige Zusage.

Wie geht es Ihnen in ihrer neuen Heimat, was machen Sie dort?

Andreas Poznic: Ich bin technischer Berater in der Fußboden-Herstellung. Ich arbeite für Leitz Werkzeuge – eine deutsche Firma in Oberkochen – drei oder vier Stunden östlich von Stuttgart.

Eugen Stark: Ich arbeitete 16 Jahre als Kfz-Mechaniker – bis Dezember 2018. Seither arbeite ich als Maschinist in den Weinbergen und hoffe, dies bis zum Renteneintritt in zwei Jahren tun zu können. Meine Hobbys sind Fußball – noch aktiv in einer altersmäßig gemischten Mannschaft – und Mountainbike fahren sowie gelegentlich Skifahren in den neuseeländischen Bergen.

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Wie halten Sie den Kontakt in die alte Heimat aufrecht?

Andreas Poznic: Ich habe noch zwei Geschwister. Hanni, die jüngere Schwester, lebt in Jestetten und Margit, die mittlere, lebt in Überlingen am Bodensee.

Eugen Stark: Per Handy und Computer, diese Möglichkeiten waren am Anfang noch nicht vorhanden. Ich hielt damals den Kontakt mit Besuchen im Internetcafé aufrecht und schrieb meinen berufstätigen Schwestern mit EDV-Anschluss jeweils und meiner alten Mutter handbrieflich.

Haben Sie jemals überlegt, wieder nach Dettighofen zurückzukehren?

Andreas Poznic: Ich hatte ein paarmal den Gedanken, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Die Arbeit, die ich mache, gefällt mir sehr. Ich hab noch zwei Jahre bis zur Pension und werde zum drittenmal Großvater. Dann werden ich und meine Frau öfters mal nach Deutschland auf Besuch kommen. Meine alten Tage werde ich aber in den USA verbringen und so lange ich gesund bin, werden ich und meine Frau reisen. Unser Reiseziel ist Europa – Deutschland, Belgien, Schweiz, Österreich und Irland.

Eugen Stark: Mir hat es in Neuseeland von Anfang an so gut gefallen, das dies nie ein Thema war. Ich habe ein gutes privates Umfeld und positive soziale Kontakte in dieser Zeit geknüpft, sodass mir gelegentliche Besuche in der alten Heimat ausreichen. Andererseits erhielt ich jährlich verschiedene Besuche von Freunden und Kollegen aus Deutschland, denen ich meine neue Heimat erklären und zeigen konnte. Dabei ragte der Besuch meiner inzwischen verstorbenen Mutter heraus, sie blieb sechs Wochen bei mir.

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