„Man hat alles getan, um eine bürgerschaftliche Energiewende kaputtzumachen. Stattdessen hat man großen Konzernen das Geschäft hingeschoben. Das ist der eigentliche Skandal“, sagt Daniel Bannasch.

Perspektiven in der Energiewende

Der Geschäftsführer des Unternehmens Metropolsolar, ein Neffe des Waldshuter Umweltschutz-Aktivisten Hans-Jürgen Bannasch, sprach in Grießen über die Zukunft im Energiebereich und darüber, was seiner Meinung nach in der Vergangenheit versäumt worden ist. Unter dem Titel „Die Energiewende auf dem Bierdeckel“ zeigt der Volkswirt aus Mannheim Perspektiven auf.

Konzerne in der Pflicht

„Von Politik und Öffentlichkeit wird seit einigen Jahren behauptet, die Energiewende sei unbezahlbar.“ Bannasch sieht dies anders und nimmt vor allem die Konzerne in der Pflicht. Allerdings befürchtet er, dass durch deren Macht „so manches nicht mit rechten Dingen zugeht“. So würden Gewinne zumeist privatisiert und blieben beim Konzern, während Kosten sozialisiert würden, also auf die Bürger umgelegt. Das müsse aufhören. Auch dürften Bürger durch umfangreiche Gesetzesauflagen nicht daran gehindert werden, selbst in die Energieproduktion einzusteigen.

Biogas als Ersatz, wenn Sonnenschein fehlt

„Schon heute“, so verspricht Bannasch, „könnten wir die Stromnachfrage an zwei bis drei Tagen im Jahr zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken.“ Doch was passiert, wenn kein Wind weht und auch die Sonne nicht scheint? „Das Einzige, woran man dann schieben kann, ist Biogas. Wir müssen Wärme aus Biogas aufsparen und dann verstromen, wenn es gebraucht wird.“

Für mehr Windkrafträder

Der Referent stellte ein Buch vor: „Saubere Revolution 2030“ von Tony Seba. Demnach wird der Umbau auf erneuerbare Energien 2030 geschafft sein. Der Ausbau von Solaranlagen sei gut, doch laut Bannasch bräuchte es mehr Windkrafträder. „Eine Mehrheit ist für mehr Windkrafträder“, sagt er. Doch eine laute Minderheit, die kaum zu konstruktiver Diskussion fähig sei, sei dagegen.

Politik steuert in die falsche Richtung

Der Volkswirt bemängelt, dass die Politik in eine falsche Richtung ausgeschert sei. So habe Peter Altmeier (CDU) vor wenigen Jahren gesagt, die Energiewende koste eine Billion Euro. Damit, so Bannasch, nähre man eine Kampagne gegen den Umbau. „Schon 2020 könnten wir in der Mittagsspitze im Sommer täglich 100 Prozent Solarstrom haben, wenn die Entwicklung nicht ausgebremst worden wäre.“ Für diese Bremsung sieht er Konzerne und die Politik in der Verantwortung.

Großes Einsparpotenzial

„Wir müssen auch von Öl und Gas wegkommen, nicht nur von Kohle und Atom. Sonne und Wind sind die Hauptinstrumente der Wende“, ist Bannasch überzeugt. Konzerne wollten ihre alten Produkte allerdings so lange noch verkaufen, wie es geht. „Wenn wir Wärme und Mobilität auf Strom umstellen, haben wir ein großes Einsparpotenzial. Elektroautos sind viel effizienter als Benziner“, sagt Bannasch. Der nächste Schritt sei das autonome Fahren. „Dadurch bräuchten wir nur etwa 20 Prozent der heutigen Fahrzeuge.“ Es gebe mehr Platz, da nicht mehr so viel Raum zugeparkt wäre.

Eine Chance für die Zukunft

Die Industrie arbeite zwar an der Veränderung, doch es gehe zu langsam. Bannasch malte Diagramme zur Veranschaulichung auf ein Papier. Eines zeigt einen Menschen mit Kette und Sträflingskugel. „In der Kugel sind Atomkatastrophen, Umweltverseuchungen, Korruption und Kriege des Nahen Ostens um Öl und Gas.“ Der Mensch müsse sich von dieser Kugel lösen und die Chancen der Zukunft ergreifen. „Der Durchbruch der erneuerbaren Energien wird auf jeden Fall kommen. Noch nicht entschieden ist, ob es eine Sache der Konzerne oder der Bürger wird.“

„Solarenergie ist Volksenergie“

Daniel Bannasch (50) aus Mannheim ist Geschäftsführer der Firma Metropolsolar und spricht über die Energiewende

Herr Bannasch, warum verfehlt Deutschland seine Klimaschutzziele?

Wir sind schon lange kein Vorreiter mehr in Sachen Klimaschutz. Man versucht, mit aller Gewalt eine konzerngerechte Energiewende durchzudrücken, aber eine konzerngerechte Energiewende gibt es nicht. Solarenergie ist Volksenergie. Wir müssten zurück zu einer gerechten Bürgerökonomie und weg vom Irsinn des Neoliberalismus.

Warum ist China im Bereich der erneuerbaren Energien Deutschland voraus?

China unterliegt höherem Druck wegen der Umweltbelastungen und hat verstanden, wohin die Reise geht. Energiewende gilt bei uns vor allem als Umweltthema, doch es ist auch wirtschaftlich rentabel. Das haben die Chinesen erkannt. Bei uns wehren sich die alten Märkte im Bereich Kohle und Atomenergie sowie die Automobilindustrie gegen die Veränderung. Das bremst aus. Doch die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Im Ausbau von Solarenergie und der Umstellung auf Elektro-Mobilität hat China derzeit die Nase vorn, da sie eine strategisch sinnvollere Energiepolitik betreiben.

Wird die Umstellung von Benzinmotoren auf elektrische Mobilität Arbeitsplätze kosten?

Es werden Arbeitsplätze verloren gehen. Darauf muss man sich einstellen. Die Entwicklung im Bereich der E-Mobilität ist nicht mehr aufzuhalten. Auf der anderen Seite werden im Energiesektor neue Arbeitsplätze entstehen. Auch dort werden händeringend Fachkräfte gesucht.

Was kann der Einzelne tun, um bei der Energiewende mitzuwirken?

Es gibt verschiedene Ebenen, auf denen man aktiv werden kann. Bauen Sie sich eine Solaranlage aufs Dach. Sprechen Sie mit Freunden und Bekannten. Erzählen Sie Ihnen, dass auch von ihrem Dach „Öl tropft“. Das Thema muss natürlich auch gesellschaftlich und mit politischem Druck nach vorne gebracht werden.

Was halten Sie vom Pariser Klimaabkommen?

Solche Abkommen zwischen Staaten bringen wenig. Es wurden da irgendwelche Beschlüsse zwischen Ländern völlig unterschiedlicher Voraussetzungen gefasst, die im Ergebnis zudem weit unter dem liegen, was eigentlich notwendig wäre.