Diese Hiobsbotschaft, das sofortige Nutzungsverbot der Grießener Gemeindehalle für alle Veranstaltungen, ausgenommen für den Schulsport, ausgesprochen durch das Landratsamt aufgrund der massiven Brandschutzmängel, hat in dieser Härte wohl niemand erwartet. Die Brandverhütungsschau von vergangener Woche mit den zuständigen Vertretern des Landratsamtes, darunter Bernd Schweitzer (Baurechtsamt), Kreisbrandmeister Dominik Rotzinger, und der Gemeindeverwaltung, Bürgermeister Ozan Topcuogullari und Stefan Zölle (Bauamt) sowie dem Klettgauer Feuerwehrkommandanten Sebastian Schilling, förderte erhebliche Mängel zu Tage.

Grund hierfür sind die Rettungswege, die den Standards nach heutigen, vorgeschriebenen Brandschutzrichtlinien nicht entsprechen. Beim „ersten Rettungsweg„, dem regulären Ein- und Ausgang, fehlen sogenannte Panikschlösser, die es ermöglichen, jederzeit beide Türflügel – selbst wenn sie abgeschlossen sind – zu öffnen.

Weiterhin wurde das Fehlen eines zweiten Rettungsweges festgestellt. Der bisher ausgeschilderte zweite Rettungsweg durch die Umkleidekabinen entspricht nicht den Vorschriften, da er nicht direkt ins Freie führt und die Fluchttüren mit einer Breite von teilweise nur 74 Zentimeter deutlich zu schmal sind. Deshalb ist ein neuer zweiter Rettungsweg zu schaffen, der direkt ins Freie führt und die Breite von 1,20 Meter nicht unterschreitet. Die letzte Brandschutzverhütungsschau fand 1999 statt.

Jetzt, 20 Jahre später, kommt der sofortige Veranstaltungstopp für die Grießener Halle. „Die Mängel sind gravierend und müssen behoben werden“, das stellt der Klettgauer Bürgermeister klar.“Selbstverständlich setzen wir alles daran, schnellstmöglichst Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen, damit das Nutzungsverbot der Halle aufgehoben wird.“ Angedacht sei der Bau eines Korridors direkt ins Freie, durch eine Verkleinerung des Geräteraumes in westlicher Richtung könnte ein zweiter Fluchtweg geschaffen werden.

Auch beim Gemeindesaal in Geißlingen wurden vor Jahren schon gravierende Mängel in Sachen Brandschutz sowie in baulicher Hinsicht festgestellt. Dort können nur noch größere Veranstaltungen stattfinden, wenn eine Brandwache der Feuerwehr anwesend ist. Eine Sanierung des Saales wurde im Gemeinderat verworfen, und Anfang des Jahres 2018 stand der Beschluss eine neue Gemeindehalle in Geißlingen zu bauen.

Das sagen die Vereine

Für die Grießener Vereine kam das Veranstaltungs-Aus ziemlich überraschend, aber immerhin kurz vor der Sommerpause sind ohnehin keine Großveranstaltung geplant, einzig der Musikverein, der für sein Sommerfest am 7. Juli die Halle als Schlechtwetter-Alternative im Auge hatte.

„Jetzt müssen wir noch mehr auf schönes Wetter hoffen“, sagt die Vorsitzende Julia Gäng. Im Fall, dass auch das Jahreskonzert nicht in der Halle stattfinden kann, haben wir schon überlegt, es in der Kirche abzuhalten. Aber Sicherheit geht immer vor.“

Auch der Gesangverein Grießen braucht für sein Jahreskonzert, das Anfang 2020 geplant ist, einen Plan B. „Insgesamt ist das eine große Beeinträchtigung für das Dorf“, meint der stellvertretende Vorsitzende Georg Minzer. „Aber ich gehen davon aus, dass die Halle Ende des Jahres, nach dem sie sicherheitstechnisch nachgerüstet ist, wieder für Veranstaltungen freigegeben wird.“