„Musik mit Biss“ war durch und durch ein ungewöhnliches Konzerterlebnis im Rahmen der jährlichen Orgelwochen. Die Veranstaltung fand in der ehrwürdigen Erzinger Pfarrkirche St. Georg statt, die durch ihre sachlich-moderne Architektur dem Besucher eher ein gewisse Strenge vermittelt. Wie es der Kantor und Organisator Andreas Konrad in seinem wie immer ausführlichen und interessanten Begleitheft ausdrückt, „trifft die Musik auf Kulinarik“. Dies bei freiem Eintritt, gegen eine freiwillige Spende.

Wohl dosierte Orgelmusik von einer Organistin und vier Organisten, deren Konzerte stets 30 Minuten dauerten, um dann die Zuhörer zum feinen Büffet und zu Gesprächen in den Pfarrsaal einzuladen. Ein Angebot, das alle Besucher allzu gerne annahmen und die bei einem Gläschen Wein und allerfeinsten Häppchen lebhafte, muntere Gespräche führten. Das Orgelkonzert war auch gedacht für „Hör-Einsteiger“, die Mühe damit haben oder auch keine Lust verspüren, ein Konzert lang still zu sitzen.

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So gesehen lag dieser Orgelnacht eine tolle Idee zugrunde, in deren Genuss bedauerlicherweise nur an die 30 Zuhörer kamen. Und an dieser Stelle muss gesagt werden, die vielen, die nicht da waren, haben einen herrlich-angenehmen Konzertabend der anderen Art, mit einer ganz besonderen Note verpasst.

An der großen Orgel, die erst vor drei Jahren einer aufwendigen Revision unterzogen wurde, mit all ihren vielfältigen technischen Möglichkeiten, zeigten die fünf Organisten, was an diesem außerordentlichen Instrument, das ein ganzes Orchester ersetzen kann, möglich ist. Dabei kam altes und neues auch fernab der klassischen Kirchenmusik zur Aufführung. Die Interpreten konnten dabei in Erzingen aus dem Vollen schöpfen und gaben mit ihrer Literaturauswahl dem Konzert eine höchst spannende individuelle Note.

Die Musiker waren Oana Maria Bran, Uwe Schamburek Stefan Pöll, Andreas Konrad und Thomas Haubrich, sie kamen aus der näheren und weiteren Umgebung sowie aus der benachbarten Schweiz. Ob eine Zeitreise durch die Musikgeschichte der Orgel zum Auftakt, über barocke und romantische Kompositionen, gefolgt von selten aufgeführten Werken französischer Komponisten, bis hin zu Johann Sebastian Bach und Max Reger und zur schweren Kost, der „Erscheinung der Ewigen Kirche“ von Olivier Messiaen.

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Schließlich im fünften und letzten Konzert unter dem Stichwort „Orgelimprovisationen zur Nacht“, bei dem die Zuhörer Vorschläge einbringen konnten, der Organist also mit unbekannten „Zutaten“ spielen und sein ganzes Können zeigen musste.

Für jeden einzelnen Musiker gab es nach seinem halbstündigen, kurzweiligen Konzert viel Applaus von der zwar kleinen und zur vorgerückten Stunde umso heiter gestimmten Zuhörerschar. Letzte Gelegenheit ein Konzert der Klettgauer Orgelwochen, wie immer bei freiem Eintritt, zu erleben, besteht am kommenden Sonntag, 6. Oktober, 18 Uhr, in der Pfarrkirche in Wutöschingen-Schwerzen. Der Konzertabend „Orgel plus Chor“ mit dem Sidonia Ensemble widmet sich der Musik der Renaissance und des Frühbarock.