Ein Freitagmorgen um 9.08 Uhr in Bühl an der Bushaltestelle. Pünktlich fährt der graue Klettgau-Bus die Bushaltestelle an, an der keine einziger potenzieller Fahrgast steht, nur die Frau von der Presse. Am Steuer sitzt Mladjan Kalem, Berufsfahrer beim Busunternehmen Behringer, das damit beauftragt ist, an zwei Tagen in der Woche – jeweils mittwochs und freitags mit je drei Fahrten vormittags – die Strecke Bühl–Riedern–Weisweil–Erzingen–Rechberg und zurück zu bedienen und das zum Nulltarif für alle Fahrgäste.

Die kleine lokale Buslinie verkehrt seit dem 1. August, auch in den Ferienzeiten, ausgenommen wenn auf den Freitag oder den Mittwoch ein Feiertag fällt.

Ergängzung zum bestehenden ÖPNV-Angebot

Erklärte Absicht der Gemeinde ist die Mobilität der Bewohner in den kleinen Ortsteilen zu verbessern, da die bestehenden Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs dort nicht optimal sind. Deshalb soll der Klettgau-Bus der gleichnamigen Gemeinde die ÖPNV-Verbindung ergänzen.

Für die in den kleinen Ortsteilen lebenden Bürger ohne Auto, insbesondere für alte Menschen ist das Angebot des ergänzenden Bürgerbusses ohne Zweifel eine große Hilfe, um einkaufen zu gehen, den Arzt aufzusuchen, Bankgeschäfte zu erledigen oder um Anschlusszüge der Bahn zu erreichen. Geißlingen und Grießen werden nicht angefahren, da dort die Südbadenbus GmbH (SBG) für ausreichende Verbindungen sorgt.

Kostenlos und Platz für acht Fahrgäste

Seit dem erst August nun fährt der Kleinbus, in dem acht Personen Platz finden, dreimal vormittags die fünf Ortsteile ab. Jetzt in der Ferienzeit bedient Fahrer Kalem die Strecke, ein kommunikativer und hilfsbereiter Mann. „Die Dörfer sind jetzt wie ausgestorben, viele sind im Urlaub, und die Meisten wissen über den Bürgerbus noch nicht recht Bescheid“, erzählt er.

Letzte Woche seien es insgesamt zwölf Fahrgäste gewesen, die bei ihm eingestiegen sind. Das seien zwar nicht viele, aber alle hätten sich über das kostenlose Angebot sehr gefreut, sagt Mladjan Kalem.

Bequem zum Einkaufen nach Erzingen

In Riedern steht dann tatsächlich ein Mann an der Bushaltestelle. Der Busfahrer springt aus dem Wagen und hilft dem Mann beim Einladen des Einkaufstrolleys. Es ist Abbas Jakoby, Asylbewerber aus Afghanistan, der mit Frau und zwei Kindern in Riedern wohnt. Er fährt zum Einkaufen nach Erzingen, und er findet dieses Angebot „super“, so bleibt ihm ein langer Fußmarsch zu den Supermärkten in Erzingen und wieder zurück nach Riedern erspart. Er wird auf dieser ersten Tour am Freitagmorgen auch der einzige Fahrgast bleiben. Am Bahnhof in Erzingen steigt er aus.

Dort stehen viele Leute. Doch sie warten nicht auf den Klettgau-Bus, sondern auf den Zug nach Basel. Doch der Zug wird nicht kommen, er ist ausgefallen. Mladjan Kalem wird deshalb von den Bahnreisenden mit Fragen bombardiert und erweist sich als wandelnde Fahrplanauskunft. Aber er kann nicht allen helfen, er muss weiter nach Rechberg und von dort wieder über den Erzinger Bahnhof nach Weisweil über Riedern nach Bühl.

Gemeinde will drei Jahre testen

Der Bürgerbus kostet die Gemeinde rund 13 400 Euro pro Jahr. Da die Fahrten kostenlos sind, kann die Gemeinde einen Zuschuss von einem Drittel beim Landkreis beantragen, sodass nur noch knapp 9000 Euro von der Gemeinde Klettgau zu tragen sind. Vorerst steht das Angebot des Klettgau-Busses für die nächsten drei Jahre. In dieser Testphase sollen Erfahrungen gesammelt werden, und vielleicht kann dann auch die Gemeinde Dettighofen miteingebunden werden.

Der Klettgau-Bus: Die genauen Fahrzeiten des Klettgau-Busses sind in den SBG-Fahrplänen nachzulesen oder auf der Homepage der Gemeinde Klettgau (www.klettgau.de).