Ein mehr als ungewöhnliches Erlebnis in exponierter landschaftlicher Lage, hoch oben in den Erzinger Weinbergen bei der Bergkapelle, hatten die Konzertbesucher des „Ensembles Arcimboldo“ mit ihrem Projektprogramm „Bogenhauser Künstlerkapelle“. Im Rahmen des Schweizers „Festivals der Stille“ gastierte das siebenköpfige Ensemble, das die Avantgarde der alten Musik, die fast in Vergessenheit geratene Münchner „Bogenhauser Künstlerkapelle“ (1899-1939) zum Leben erweckte.

Das Ensemble Arcimboldo spielt auf historischen Instrumenten.
Das Ensemble Arcimboldo spielt auf historischen Instrumenten. | Bild: Eva Baumgartner

Mit alten historischen Instrumenten wie Schnabelflöten, Bogengitarre, dem Trumscheit und Pauken nach originalen Stimmbüchern der Bogenhauser Künstlerkapelle führte das Ensemble, ganz im Sinne der „Bogenhauser“ über alle Genre-Grenzen , Märsche, Polkas, Tänze, Menuette und auch Moritaten auf. In dieser Besetzung auch auch heute noch mehr als ungewöhnlich, wenn nicht gar abenteuerlich. Auch zur Zeit der Bogenhauser Musiker, die um 1899 ihre erstes offizielles Konzert im damals besonders Kultur beflissenen München hatten, erregte diese Kapelle mit ihren altertümlichen Instrumenten große Aufmerksamkeit in der Kulturszene der Haute Volée im München der Jahrhundertwende.

Das Ensemble bescherte mit seinem Programm "Bogenhauser Künstlerkapelle" den Besuchern ein eindrückliches Konzerterlebnis.
Das Ensemble bescherte mit seinem Programm "Bogenhauser Künstlerkapelle" den Besuchern ein eindrückliches Konzerterlebnis. | Bild: Eva Baumgartner

Die Erzinger Festivalbesucher kamen also in den Genuss eines höchst interessanten Konzertes der ganz anderen Art, das große Überraschungen in sich barg. So eröffneten die Musiker das Konzert mit Werken der Prinzregentenzeit, dem „Erdinger Jagd-Marsch“, und dem Konzert-Ländler „Ein Abend auf dem Priesberg“ . Die „Amalien-Polka“ von Herzog Max von Bayern, ganz zu schweigen von Chopins „Trauermarsch“ sind mit Blockflöten, Trumscheit, Bogengitarre und Pauken schon ein sehr spezielles, außergewöhnliches Hörerlebnis.

Ungewöhnliche Darbietungen

Ebenso der Ausflug ins damalige subversive Münchner Abendvergnügen mit Frank Wedekinds "Tantenmörder", aus dem Thilo Hirsch, der Leiter des Ensembles zitierte: "Was nutzt es, dass sie sich noch härme..., ich stieß ihr den Dolch in die Därme..." sorgte für allgemeine Heiterkeit, bis hin zum Märchen vom Ritter mit seiner Kuh von Heinrich Scherrer, Hofmusiker und musikalischer Leiter der Bogenhauser Künstlerkapelle

Menuette von Bizet und Mozart, höfische Tänze der Barockzeit – für Abwechslung war gesorgt, der ein oder andere Besucher war sicher von den ungewöhnlichen Darbietungen überrascht. Dennoch großen Beifall gab es für das Ensemble Arcimboldo, das zweifelsohne ein denkwürdiges Konzert bei der Bergkapelle gab und noch für viel Gesprächsstoff im Anschluss bei einem Glas Wein sorgte.