Im Klettgauer Ortsteil Bühl herrscht Anfang September immer der Ausnahmezustand. Drei Tage lang wird gefeiert und getanzt. Das Erntedankfest war auch dieses Jahr wieder ein kultiges, ländlich-stimmungvolles Fest zwischen Strohballen, prall gefüllten Erntekörben und mit viel Musik. Eigentlich ist es ein Fest zweier Dörfer, das benachbarte Riedern am Sand ist immer mit von der Partie. Organisatorisch laufen die Fäden unter dem Dach des Musikvereins Riedern-Bühl zusammen.

<strong>Unterhaltung:</strong> Ohne Blasmusik gibt es kein Erntedankfest, der Musikverein Erzingen gestaltete das Nachmittagskonzert am Sonntag.
Unterhaltung: Ohne Blasmusik gibt es kein Erntedankfest, der Musikverein Erzingen gestaltete das Nachmittagskonzert am Sonntag. | Bild: Eva Baumgartner

Der große Auftakt ist der Samstagabend, oder besser gesagt: die Nacht, in diesem Jahr beschallte „Slamjam“, eine bekannte Band aus der Region, die zur Festhalle umfunktionierte Reithalle und unterhielt die Gäste. Gute Stimmung herrschte unter den Konzertbesuchern, vom deutschen Schlager bis zu aktuellen Rockhits war querbeet alles geboten. Tanzen bis zum Umfallen auf der Tanzfläche oder auf Tischen und Bänken hieß es bis zur späten Stunde.

Segen für Erntekörbe

Wenig Schlaf – wenn überhaupt – gab es für die Helfer. Tags darauf, pünktlich um 9.30 Uhr am Sonntagmorgen, stand der Gottesdienst in der festlich geschmückten Kirche, gestaltet von Pfarrer Thoma Mitzkus und musikalisch umrahmt vom Kirchenchor, an. Viele Gläubige ließen dabei ihre mitgebrachten Erntekörbe segnen.

<strong>Hingucker:</strong> Knapp 80 Traktoren waren in Bühl zu bestaunen.
Hingucker: Knapp 80 Traktoren waren in Bühl zu bestaunen. | Bild: Eva Baumgartner

Von der Notburga-Kirche zog der Tross der Gottesdienstbesucher dann zur Festhalle zum Frühschoppenkonzert des Musikvereins Lienheim und zum zünftigen Mittagessen. Premiere hatte das große Traktortreffen. Knapp 80 Traktoristen aus der Umgebung, auch aus der benachbarten Schweiz, haben sich auf den Weg nach Bühl gemacht.

<strong>Pracht: </strong>Premiere hatte das Traktorentreffen. Im Bild der Holzgas-Schlepper HG 25 der Marke Fahr von Günter Hartmann.
Pracht: Premiere hatte das Traktorentreffen. Im Bild der Holzgas-Schlepper HG 25 der Marke Fahr von Günter Hartmann. | Bild: Eva Baumgartner

Alte und neue Traktoren, geputzt und poliert, viele mit Blumen geschmückt – ein Traum für Technikfans schlechthin. Der Traktor in all seiner Vielfalt stieß auf enormes Interesse und lud zu Fachsimpeleien ein – meist unter Männern. Eine große Rarität war der rote Holzgas-Schlepper HG25 der Marke Fahr, 1943 zugelassen, von Günter Hartmann aus Baltersweil auf Hochglanz gewienert. Dafür gab es den ersten Preis: eine Flasche Schnaps.

Bewirtung mit Musik

In der rappelvollen Festhalle gingen sodann zahlreiche Mittagessen über die Theke, kaum war dieser große Ansturm bewältigt, kamen auch schon die Kaffeegäste, unzählige Kuchen und Torten fanden reißenden Absatz. Dazu gab es zünftige Blasmusik des Erzinger Musikvereins und später der Talbachmusikanten.

Programm bis Montagnachmittag

Eine letzte Mobilisierung der Festhelfer erforderte dann das Handwerkervesper am späten Montagnachmittag. Zur Blasmusik des Musikvereins Grießen und zur Unterhaltungsmusik der Tikos in die bevorstehende Arbeitswoche hineintanzen – ein letztes Aufbäumen des Erntedankfests in Bühl.

Ein ganzes Dorf setzt sich ein

„Wir alle haben Vollgas gegeben“, sagt Ulrike Spitznagel, stellvertretende Vorsitzende des Musikvereins, „das ganze Dorf will dieses Fest, deshalb helfen auch alle mit. Anders wäre dieser Dauereinsatz nicht möglich.“ Das sei auch das Geheimrezept für das kultige Erntedankfest: der stimmige Grundkonsens im Dorf. Und Ulrike Spitznagel betont: „Ganz groß geschrieben wird bei uns die Familienfreundlichkeit.“