2014 war für Winzer wegen der massiven Verbreitung der Kirschkernessigfliege (KEF) ein Horrorjahr. Der Schweizer Bund hat damals für einen fünfjährigen Zeitraum 2,5 Millionen Franken für die Erforschung der Kirschessigfliege bereit gestellt. In Hallau führt die Rebbaugenossenschaft Hallau/Oberhallau noch bis Ende des Jahres ein zweijähriges KEF-Projekt durch, an dem 40 Partner beteiligt sind. Insektenforscher Patrik Kehrli berichtete von seiner Arbeit bei der Forschungsanstalt Agroscope.

Forschungsgebiet auf 300 Hektar Fläche

Auf der rund 300 Hektar großen Rebfläche des Schweizer Klettgaus wurden über 3000 KEF-relevante Objekte kartiert. Da sich der Schädling bevorzugt in den Himbeer- und Brombeerhecken aufhält, wurden in den Hotspots 200 Fallen aufgestellt und neue Köderflüssigkeit getestet. Bisher wurde ein Essig-Rotweingemisch verwendet, dem etwas Spülmittel beigegeben wurde, um die Oberflächenspannung zu brechen.

Die Schweizer Medien interessieren sich für das zweijährige Hallauer Kirschessigfliegenprojekt. Armin Wälti von der Rebbaugenossenschaft Hallau/Oberhallau erklärt im Fernsehen die verschiedenen Fallentypen.
Die Schweizer Medien interessieren sich für das zweijährige Hallauer Kirschessigfliegenprojekt. Armin Wälti von der Rebbaugenossenschaft Hallau/Oberhallau erklärt im Fernsehen die verschiedenen Fallentypen. | Bild: Thomas Güntert

Als bestes Lockmittel hat sich inzwischen ein Gemisch des Weinbaubetriebs Paul Gasser aus Ellikon an der Thur bewährt. Die Fangzahlen sind in den Hecken viel größer als in allen anderen Lebensräumen.

Verschiedene Anbieter bieten mittlerweile unterschiedliche Kirschessigfliegenfallen an, wobei die meisten Modelle rot sind.
Verschiedene Anbieter bieten mittlerweile unterschiedliche Kirschessigfliegenfallen an, wobei die meisten Modelle rot sind. | Bild: Thomas Güntert

Schädling hat auch natürliche Feinde

Das Entfernen der Hecken in den Rebbergen wäre jedoch kontraproduktiv, weil sich die KEF vorzugsweise in den Himbeer- und Brombeerhecken aufhält und nur in den Rebberg fliegt, wenn sie sonst keine Möglichkeit hat, ihre Eier abzulegen. Zudem stehen die Hecken unter Schutz, da sie Nahrungs- und Brutplatz, sowie Deckung für viele Tiere sind. Bisher ist man davon ausgegangen, das die KEF keine natürlichen Feinde hat, doch es wurde festgestellt, dass es Insekten gibt, die sich von der KEF ernähren.

Um das Verhalten der KEF zu erforschen, wurde vom Farbumschlag bis zur Ernte zwischen einer Wildbeerenhecke und einer Rebparzelle ein vier Meter hohes Netz mit einer Maschenweite von einem Millimeter gespannt. Da es in diesem Jahr praktisch keine Eiablagen in den Traubenbeeren gibt, sind diese Ergebnisse, wie auch die Wirkstoffversuche der Pflanzenschutzmittel nicht aussagekräftig.

Die Schweizer Medien interessieren sich für das zweijährige Hallauer Kirschessigfliegenprojekt. Der Schaffhauser Rebbaukommissär Markus Leumann ist ein gefragter Interviewpartner.
Die Schweizer Medien interessieren sich für das zweijährige Hallauer Kirschessigfliegenprojekt. Der Schaffhauser Rebbaukommissär Markus Leumann ist ein gefragter Interviewpartner. | Bild: Thomas Güntert

Population explosionsartig angestiegen

Für das Monitoring wurden zudem 20 Becherfallen an 14 Standorten in den Rebbergen aufgestellt. Im Juli gab es lediglich zehn Fänge. Seit dem 26. August ist die Population der KEF allerdings explosionsartig angestiegen, nachdem es zwei Tage zuvor Niederschläge gab, die Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent auf 80 Prozent angestiegen und die Hitze zurück gegangen ist. Bisher gibt es aber noch keine Probleme bei den Trauben.

„Etwa fünf Prozent der Schweizer Rebfläche sind aktuell durch die Kirschessigfliege gefährdet“, so Patrik Kehrli. Während die meisten Rebkrankheiten bei den Rebsorten keine Unterschiede machen, sind bei der KEF die roten Rebsorten mehr gefährdet als die weißen. Feuchte und lauwarme Standorte mag der Schädling lieber als sonnige und trockene Lagen.

Sorgsames Auslauben kann bereits helfen

„Entscheidend sind im Kampf gegen die KEF vorbeugende Maßnahmen. Das Auslauben der Traubenzone bringt einen Wirkungsgrad bezüglich der Eiablage von 50 Prozent“, betont Patrik Kehrli. Zudem sei es wichtig, die Begrünung der Reben niedrig zu halten. Gute Erfahrungen wurden mit Rebschutznetzen gemacht.

Gesteinsmehl als wirksamer Pflanzenschutz

Wespennetze mit einer Maschenweite von fünf bis acht Millimeter haben einen Wirkungsgrad von 70 Prozent, feinmaschigere Insektennetze sogar bis 90 Prozent. Allerdings sind Insektenschutznetze teurer als Wespennetze, die zudem mehrmals benutzbar sind und schneller abtrocknen.

Im Rahmen des KEF-Versuchsprojekts wurde in Hallau ein vier Meter hohes Schutznetz zwischen einer Hecke und einer Rebparzelle gespannt.
Im Rahmen des KEF-Versuchsprojekts wurde in Hallau ein vier Meter hohes Schutznetz zwischen einer Hecke und einer Rebparzelle gespannt. | Bild: Thomas Güntert

Als Pflanzenschutz empfahl Kehrli die Behandlung mit Gesteinsmehl, wodurch die Trauben vor dem Einstechen geschützt werden. „Der Wirkungsgrad ist mit 50 Prozent so hoch wie beim Einsatz von Insektiziden“, so der Experte.