Im Erzinger Rebberg laufen zurzeit die Arbeiten auf Hochtouren, während die Rebbauern eigentlich nur noch auf einen goldenen Herbst warten. Die Außenanlage der Bergkapelle, Kreuzweg und Wegkreuz werden zurzeit renoviert. Auf Initiative des katholischen Pfarrers Thomas Mitzkus sammelte das Gemeindeteam der Seelsorgeeinheit Klettgau-Wutöschingen bei einer großen Spendenaktion rund 20 000 Euro für die Bergkapellensanierung. Zudem leisteten die Gemeinde Klettgau und das Erzbistum Freiburg finanzielle Unterstützung für den Bau einer pflegeleichte Anlage. "Mit dem Geld kann eine vernünftige Gesamtrenovation und kein Flickwerk wie in der Vergangenheit gemacht werden", betonte Heinz Huber vom Gemeindeteam.

Die Landschaftsbauer Fritz Welzholz, Benjamin Heim und Andreas Plewka (v.l.) legen den Außenbereich der Bergkapelle mit großen Kalksteinblöcken neu an.
Die Landschaftsbauer Fritz Welzholz, Benjamin Heim und Andreas Plewka (v.l.) legen den Außenbereich der Bergkapelle mit großen Kalksteinblöcken neu an. | Bild: Thomas Güntert

Nachdem der Bauhof das Gestrüpp entfernte, zeigte sich jedoch erst das Ausmaß des Schadens. Die alte Treppe und die Mauer mussten komplett abgebrochen und sämtliche Bepflanzungen entfernt werden. Der Erzinger Landschaftsbaubetrieb Ritzmann ist zurzeit damit beschäftigt, den Aufstiegsbereich mit großen Kalksteinblöcken neu zu gestalten und Rolf Preiser und Anton Graf richten ehrenamtlich die 13 Stationen des Kreuzweges her. Der Erzinger Steinmetz Walter Boll hat das Wegkreuz bereits farblich lasiert und die Schriftzeichen rekonstruiert und nachgemalt.

Rolf Preiser (vorn) und Anton Graf restaurieren ehrenamtlich die 13 Stationen des Kreuzweges, der zur Erzinger Bergkapelle hinauf führt.
Rolf Preiser (vorn) und Anton Graf restaurieren ehrenamtlich die 13 Stationen des Kreuzweges, der zur Erzinger Bergkapelle hinauf führt. | Bild: Thomas Güntert

Der Turm der Kapelle wird ebenfalls noch restauriert. Die Kapelle selbst wurde bereits zum 70-jährigen Bestehens des Erzinger Gelübdes von den Ehrenamtlichen Hans-Georg Weißenberger, Rolf Preiser und Peter Weißenberger neu gestrichen. "Die Bauarbeiten sollten bis im Herbst abgeschlossen werden und im nächsten Jahr an Pfingsten 2019 wird es ein Einweihungsfest geben", bemerkte Heinz Huber, der die Gesamtkosten auf über 30 000 Euro schätzt.

Sühnekreuz erinnert an Mord

Der Ursprung des Bergkapellen-Ensembles im Erzinger Rebberg geht bis ins Jahr 1671 zurück. Ein junger Mann soll dort einem Landsknecht aufgelauert und ihn heimtückisch erstochen haben, weil er sich im Rebberg mit seiner Verlobten traf. Daraufhin wurde ein Sühnekreuz mit einem Stationen Kreuzweg aufgestellt. Im Jahr 1945 wurde der in Vergessenheit geratene Kreuzweg wieder ins Leben gerufen, weil die Erzinger befürchteten, wie die Gemeinden im Jestetter Zipfel von der französischen Besatzungsmacht evakuiert zu werden.

Gelöbnis mit 270 Unterschriften

Mit insgesamt 270 Unterschriften gelobten die Erzinger Bürger, dass sie den verwahrlosten Stationenweg wieder errichten und eine Kapelle bauen wollen, wenn sie von der Evakuierung verschont blieben. Paul Suter, Direktor der Seidenweberei Stehli, wendet sich an die katholische Nuntiatur in Bern, worauf der damalige Nuntius Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII, erreichte, dass die Evakuierung ausgesetzt und nicht mehr vollzogen wurde. Die Erzinger lösten ihr Versprechen ein und an Pfingsten 1947 konnte die Bergkapelle eingeweiht werden.

Bei der Erzinger Bergkapelle laufen die Arbeiten auf Hochrouren. Der komplette Außenbereich wird neu gestatet.
Bei der Erzinger Bergkapelle laufen die Arbeiten auf Hochrouren. Der komplette Außenbereich wird neu gestatet. | Bild: Thomas Güntert