Der erste Bürgerentscheid in der Geschichte der Gemeinde Klettgau brachte ein klares Ergebnis: 2244 Wähler stimmten mit Nein (38,05 Prozent) gegen die geplante Motorsportanlage eines Schweizer Investors, 1074 Klettgauer stimmten mit Ja (18,21 Prozent). Die Gegner erreichten das entscheidende Quorum von 1180 Stimmen, das entspricht 20 Prozent der Wahlberechtigten, bei Weitem. Somit wird es keine Motorsportanlage in Klettgau geben.

Mit großer Spannung wurde das Ergebnis in Klettgau erwartet. Die Wenigsten wagten eine Prognose über den Wahlausgang. Die mitunter im Vorfeld sehr emotional geführten Diskussionen stifteten viel Unruhe in der Gemeinde, umso größer war die Unsicherheit über den Ausgang des Bürgerentscheides.

„Die Demokratie hat gesiegt“ verkündete Bürgermeister Ozan Topcuogullari salomonisch am Sonntagabend im Rathaus vor den rund 50 versammelten Bürgern. Mit der Bekanntgabe des Ergebnisses schien doch die Erleichterung zu überwiegen. Applaus brandete auf, als der Bürgermeister die Wahlbeteiligung von 56,39 Prozent bekannt gab. „Mit dem klaren Ergebnis“, so der Bürgermeister, „wird endlich wieder Ruhe einkehren.“

Freude und Erleichterung auf der einen Seite, Enttäuschung auf der Seite der anderen. Besonders bei einigen jungen Motorradfahrern, die sofort nach der Bekanntgabe den Saal verließen, einer kommentierte dazu „Klettgau schläft weiter“. Dieter Hartmann, ein bekannter Befürworter, erklärte auf Nachfrage: „Es ist eine demokratische Entscheidung, ich bedaure das Ergebnis, denn ich habe mir von dieser Motorsportanlage viel für die Gemeinde versprochen.“ Ihn ärgert, dass bevor alle Fakten des Projektes auf dem Tisch liegen, bereits eine Initiative gestartet wurde, die die Gemeinde viel Geld kostet. Ähnlich sieht es auch der Rechberger Roland Bluhm: „Gut, dass es eine klare Mehrheit gab. Schade, dass über ein vages Vorhaben und nicht über einen konkreten Plan mit Angaben über Standort, Größe, Vor- und Nachteilen abgestimmt wurde. Und sehr bedenklich ist, dass nur die Befürworter des Bürgerbegehrens ihre Meinung im Gemeindeblatt veröffentlichen durften. Wie die rechtliche Situation dazu ist, weiß ich nicht, aber Meinungsfreiheit sieht anders aus.“

Die Erzingerin und Geschäftsführerin des Kreisverbandes Bündnis 90/Die Grünen, Christine Ehm, war über das Ergebnis hocherfreut: „Ich habe es so sehr gehofft, dass wir Gegner gewinnen, allerdings war ich mir angesichts der brisanten, sehr emotional geführten Diskussionen in der Gemeinde nicht sicher.“ Bürgermeister Ozan Topcuogullari freut sich über den klaren Entscheid, er habe mit einem knapperen Ergebnis gerechnet. Unter dem Aspekt der hoffentlich nun einkehrenden Ruhe ist er heilfroh, denn „dieses Thema hat die Gemeindeverwaltung viel Arbeit und Energie gekostet.“ Er wird nun den Schweizer Unternehmer, der ihm im Vorfeld signalisiert habe, dass er bei einer Ablehnung von seinem Vorhaben Abstand nehmen wird, über das Votum der Klettgauer informieren.