Viel Aufhebens um ihre Arbeit machen sie nicht, die Mitglieder der Naturschutzgruppe Klettgau, und doch leisten sie nachhaltige, wertvolle Arbeit. Von ihrer praktischen Naturschutzarbeit profitiert die Landschaft, die Pflanzen- und Tierwelt und dadurch auch die hier lebenden Menschen. Seit zwölf Jahren befindet sich die Gruppe von 15 bis 20 Frauen und Männern unter dem Dach der Siedlergemeinschaft Klettgau. 

Die jüngste Großaktion war erneut ein Erfolg auf ganzer Linie: die Sammelsbestellung von Hochstammbäumen, organisiert von Gerhard Kaiser, der mit Oskar Schilling und weiteren Mitgliedern die Aktion koordiniert und organisiert. Allein 193 Obstbäume sind in den Autoanhängern der Klettgauer gelandet, vorwiegend Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume, aber auch Quittenbäume, die derzeit hoch im Kurs stehen bei den Gärtnern und Verbrauchern. Klares Ziel ist, die klassische Streuobstwiese zu erhalten und neue zu schaffen.

Wiesen mit Hochstammbäumen sind eine enorm wichtiger Lebensraum für viele Tierarten. Durch zunehmende Bebauung sind sie mehr und mehr gefährdet, wenn nicht gar verschwunden. Gerade einmal 10 Euro kostet der Obstbaum, der günstige Preis ist durch die Bezuschussung der Gemeinde Klettgau und der Firma Fruchtsaft Ebner in Grießen möglich. Pflege- und Setzanleitung mit Pflanzpfahl gibt es obendrauf. Insgesamt, so schätzt Oskar Schilling, wurden im Lauf der Jahre weit mehr als 1500 Obstbäume in Klettgau gepflanzt. Auch kostenlose Schnittkurse werden einmal im Jahr angeboten, sie werden von Paul Hässler geleitet.

Das könnte Sie auch interessieren

Darüber hinaus sind die Sammelbestellungen von Wildsträuchern mittlerweile gut angelaufen. Für das Ökopunkte-Konto der Gemeinde hat die Gruppe das Ufer des Grießener Talbachs mit Hunderten von wertvollen Wildsträuchern bepflanzt und übernimmt auch deren Pflege.

Der Klettgauer Naturschutzgruppe ist es auch zu verdanken, dass der seltene Orchideenbestand des Frauenschuhs oberhalb von Grießen, am kalten Wangen, jedes Jahr prächtig dasteht. Viele Wanderer und Touristen zieht es alljährlich dorthin. Auch der selten vorkommende rosa blühende Diptam wird an seinen Klettgauer Standorten gehegt und gepflegt.

Die seltene Orchidee Frauenschuh wächst am Kalten Wangen in Grießen noch in großer Zahl.
Die seltene Orchidee Frauenschuh wächst am Kalten Wangen in Grießen noch in großer Zahl. | Bild: Michael Albrecht

Der Leiter der Gruppe, Michael Albrecht, von Beruf Förster, erklärt: „Wir versuchen aktiven, breit gefächerten Naturschutz zu praktizieren.“ Das sei manchmal schon viel Arbeit um Gottes Lohn, die unbedingt weitere Helfer und vor allem Jüngere brauche. Denn die Gruppe setze sich weitestgehend aus Rentnern zusammen, die sich eine Verjüngung der Truppe wünschen.

Die jüngere Generation für den Naturschutz zu interessieren, ist ein Langzeitprojekt der Naturschutzgruppe, das mit dem Bau von Nistkästen, Nisthilfen, Trockenmauern und dem Anlegen von Reisig- und Komposthaufen gemeinsam mit Klettgauer Schülern alle Jahre wieder angeboten wird. „Dabei“, so sagt Michael Albrecht, „treffen wir immer auf große Unterstützung der Gemeinde.“ Neu im Blick hat der Förster die Koordinierung einer „Streuobstbörse“ , will heißen: Im Herbst, wenn auf den Wiesen und in den Gärten das Obst massenweise reif ist und die Besitzer nicht wissen, wohin damit, können dann Äpfel, Birnen, Zwetschgen und anderes mehr mittels der Börse an Menschen vermittelt werden, die das Obst gebrauchen können.