Ballett ist mehr als nur Schwanensee und Nussknacker. Die amerikanische Jugendtanzgruppe Ambassadors in Leotards (Botschafter in Ballettanzügen) tritt seit 1974 jedes Jahr für den guten Zweck in Bühl und Umgebung auf. Und verbreitet auch in diesem Jahr ihre ganz eigene Botschaft.

„Tanzen ist Freiheit“, sagt Melissa Truelove (40), Choreografin und Gründerin der Tanzschule The Dance Point in Greenwich, Connecticut, in der die Ambassadors in Leotards trainieren. Seit Freitag, 13. Juli ist Truelove mit der amerikanischen Tanz- und Ballettgruppe im Klettgau. Von ihrem Standort in Bühl reist die Gruppe durch die Region bis an den Bodensee, nimmt Kurse in lokalen Ballettschulen und gibt Auftritte für den guten Zweck.

Die "Botschafter in Ballettanzügen" sind auch 2018 wieder in Bühl.
Die "Botschafter in Ballettanzügen" sind auch 2018 wieder in Bühl. | Bild: Ann-Kathrin Bielang

Die Freiheit entsteht durch die eigene Beherrschung des Körpers, sagt Truelove. Durch diese Kontrolle sei man frei auszudrücken, was man möchte. Eine Botschaft zieht sich dabei laut Truelove durch alle Tänze: Felicitas Foote, der Begründerin der Ambassadors in Leotards, war es wichtig, einen positiven Eindruck von Amerika zu vermitteln und nicht nur das Bild, das im Fernsehen gezeigt wird. Daher tragen ihre Botschafter auch Ballett- und keine normalen Anzüge. Tanzen ist eine universelle Sprache, sagt Truelove: „Man sagt etwas, ohne etwas zu sagen.“ Die Kommunikation mit dem Publikum funktioniere ohne Worte, nur durch die Leidenschaft und den Ausdruck der Tänzerinnen.

Von Greenwich nach Bühl

1974 kommen die Ambassadors in Leotards unter der Leitung der in Deutschland geborenen Tänzerin und Ballerina Felicitas Foote erstmals nach Bühl. Warum ausgerechnet Bühl, daran erinnert sich Holger Schäfer, langjähriger Vorsitzender der Junggesellen Schwarzbachtal, die die amerikanische Tanzgruppe auf deutscher Seite unterstützen: „1972 besuchte Felicitas Foote ihre Schwester in Rheinheim. Weil ihr die Umgebung gut gefiel, beauftragte sie einen Makler, ein Haus in der Region zu finden.“ In Bühl kauft Felicitas Foote eine alte Scheune, die zu einer Kombination aus Wohnhaus und Ballettsaal umgebaut wurde. Auch dieses Jahr können die Proben trotz der Renovierungsarbeiten am Bauernhaus im Ballettsaal in Bühl stattfinden.

Die Ambassadors in Leotards sind auch 2018 wieder in Bühl.
Die Ambassadors in Leotards sind auch 2018 wieder in Bühl. | Bild: Ann-Kathrin Bielang

Die Stücke werden in Zusammenarbeit mit den Tanzlehrern in Greenwich geschrieben und eingeübt, sagt Truelove. Sie kam als Schülerin von Felicitas Foote selbst acht Jahre lang als Tänzerin nach Bühl und hat sich drei Jahre der Czerner Dance Company in Konstanz angeschlossen, bevor sie, zurück in den USA, ihre eigene Tanzschule gründete. Jeder Tanz drücke unterschiedliche Themen und Emotionen aus, die die Tänzerinnen in ihrer eigenen Interpretation wiedergeben.

Begleitet werden die 13- bis 18-jährigen Tanzschülerinnen auch in diesem Jahr von Kendall Moran, die 1974 mit der ersten Gruppe amerikanischer Tänzerinnen nach Deutschland kam. In Bühl war die Resonanz von Anfang an positiv, erinnert sich Schäfer. Und ist es bis heute. Man kennt und hilft sich: „Ohne Unterstützung geht es nicht“, bedankt sich Melissa Truelove.

Am 20. Juli treten die Ambassadors in Leotards um 19 Uhr im Ali Theater in Tiengen auf (Eintritt zehn Euro). Am 21. Juli sind die Tänzerinnen um 19 Uhr in der Gemeindehalle in Klettgau-Bühl (Eintritt sieben Euro). Das gesammelte Geld kommt dem gemeinnützigen Projekt Lebenshilfe in Tiengen zugute.

Ballett als Ausdruck ohne Worte: Die Jugendgruppe "Ambassadors in Leotards" aus Greenwich (USA).
Ballett als Ausdruck ohne Worte: Die Jugendgruppe "Ambassadors in Leotards" aus Greenwich (USA). | Bild: Ann-Kathrin Bielang