Erzingen verabschiedet sich von einer großen Persönlichkeit: Einen Tag nach seinem 96. Geburtstag – den er noch mit seiner großen Familie gemeinsam feierte – starb Gottfried Indlekofer. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde er zu Grabe getragen.

Indlekofer war viele Jahre lang Ratschreiber in Erzingen und später nach der Gemeindereform von Klettgau. 40 Jahre lang war er der Mann im Rathaus, der über alles im Dorf, in der Gemeinde Bescheid wusste, bei ihm im Rathaus liefen die wichtigen Fäden zusammen.

Obwohl er schon über 30 Jahre lang im Ruhestand war, war er für die Erzinger nach wie vor der „Ratschreiber“. Sein Beruf war für ihn Berufung. Aufgrund seines phänomenalen Gedächtnisses war er immer die erste Anlaufstelle bei Fragen zu vergangenen kommunalen Geschehnissen und Gegebenheiten.

Gottfried Indlekofer war ein Ur-Erzinger der nicht nur in seinem Amt sondern auch im gesellschaftlichen Leben zahlreiche tiefe Spuren hinterlässt. Vor allem in der Pfarrgemeinde, als Pfarrgemeinderat, als dessen Vorsitzender, als Sänger im Kirchenchor.

Bei der Erzinger Winzergenossenschaft war er Gründungsmitglied und Aufsichtsratsvorsitzender. Gemeinsam mit Heinrich Winter und dem damaligen Bürgermeister Hermann Stoll hatte er zuvor die große Rebflurbereinigung 1956 organisiert.

Im Laufe seines Lebens hatte er noch viele andere Ämter inne. In seinem Ruhestand leitete er das Volksbildungswerk, organisierte zahlreiche Bildungsreisen und kulturelle Anlässe. „Gottfried Indlekofer war ein durch und durch loyaler Mensch, geprägt von einem tiefen Glauben“, erinnert sich sein Amtskollege und späterer Bürgermeister Hubert Roth. „Seine Verankerung im Glauben“, so sagt seine Frau Anneliese, „gründete auch in seinen Kriegserfahrungen“, und sie zitiert ihren Mann: „Das Glück, das ich im Krieg hatte, reicht für drei Leben.“

Indlekofer war Zeit seines Lebens ein innovativer, tatkräftiger Mensch, dem es es immer um die Sache ging, der keine halben Sachen duldete. Er hatte ein großes Faible für alles Technische, er war ein Tüftler, der bis ins kleinste Detail alles plante und umsetzte.

Er war ein mit vielen Talenten Gesegneter, mit musischer Ader, er spielte Geige und Bratsche, eine Begabung, die er seinen vier Kindern mitgab. Bis vor wenigen Jahren arbeitete noch in seinen geliebten Weinbergen, erst durch einen Sturz im Alter von 90 Jahren verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Sein wacher, reger Geist jedoch blieb ihm bis zu seiner letzten Stunde erhalten.