Trockenheit und Wassermangel ist für Jestetten kein neues Phänomen in Zeiten des Klimawandels sondern ein, seit Jahrhunderten immer wieder auftretendes Problem. Doch in früheren Zeiten ohne entsprechende Infrastruktur litten Mensch und Tier unter ausbleibenden Regen noch mehr als heute. Wenn alle Quellen versiegten und auch die Bachläufe trocken fielen, blieb nur noch die Heilig-Brunnen-Quelle im Bissig, die Wasser spendete.

Ein Stück Ortsgeschichte

Doch manchmal drohte auch diese Quelle auszutrocknen. Mit Bittprozessionen zum Heiligbrunnen versuchten die Jestetter die Quelle wieder zum Sprudeln zu bringen, was, wie alte Berichte verraten, meist auch geschah. In ganz alten Zeiten, so eine Sage, soll nahe der Quelle eine Klause gestanden haben, in der ein Einsiedler über die Quelle gewacht habe.

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Im 21. Jahrhundert gerät die Heilig-Brunnen-Quelle zunehmend in Vergessenheit und damit auch ein wichtiges Stück Ortsgeschichte. Dem wollte die Jestetter Kolpingsfamilie entgegenwirken. Der Jestetter Kunstschmied, Ludwig Wipf, hatte vor Jahren das Grabkreuz des Jestetter Schlossers, Hermann Holzscheiter, 1874 – 1932, als Relikt auf dem Dachboden der Schlosserei Härtenstein entdeckt und in aufwändiger Kleinarbeit restauriert.

Neues Kreuz aufgestellt

Dieses Kreuz wurde in der vergangenen Woche, zusammen mit einem Findling, von Maurermeister Dieter Leute und Konrad Schlude, Vorsitzendem der Jestetter Kolpingsfamilie, am Ettenbergrundweg in unmittelbarer Nähe der Quelle aufgestellt. Die Inschrift: „s‘ Heilig Brünneli/Lebensspender in Zeiten der Dürre“ informiert Waldbesucher, was es mit diesem Denkmal auf sich hat. Gut 30 Personen trafen sich am Sonntag auf dem Jestetter Rathausparkplatz, um zusammen mit Konrad Schlude und Ludwig Wipf in den Bissig zu wandern, um das Bauwerk einzuweihen. Die gute drei Kilometer lange und gut 100 Höhenmeter umfassende Distanz gab einen guten Eindruck, wie es in früheren Zeiten gewesen sein muss, als die Jestetter im tiefen Wald ihr Trinkwasser holen mussten.

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Konrad Schlude dankte allen, die an der Verwirklichung des Projekts beteiligt waren und erinnerte an die Zeilen, die im Jestetter Dorfbuch zum Heiligbrunnen stehen: „In einer Zeit, in der die Kostbarkeit des Wassers oft kaum mehr wahrgenommen wird, kann solch eine unscheinbare Stelle im Wald und die Sage darum zur Besinnung anregen.“ Mit einem gemeinsamen Gebet des Vaterunser wurde das Denkmal schließlich eingeweiht. Übrigens: Das Denkmal steht direkt am Ettenbergrundweg, Abzweig Heilig-Brunnen-Weg unmittelbar am Grenzstein 90.