Hanspeter Sigg hat nach langen Jahrzehnten seine Büchsenmacherwerkstatt in Altenburg geschlossen. Die Pandemie mit ihren Einschränkungen führte letztlich dazu, dass sich der gebürtige Jestetter zu diesem Schritt entschlossen hat – und freilich sein Alter: Hanspeter Sigg ist 80 Jahre alt. Dieses Alter sieht man ihm aber überhaupt nicht an, gut und gerne könnte er zehn Jahre jünger sein und nach wie vor sprüht er vor Ideen und Begeisterung.

Hanspeter Sigg ist nicht der klassische Büchsenmacher, sondern Werkzeugmacher und Maschinenbautechniker. Daher hat er nicht einfach nur Waffen gebaut, sondern Waffen und Geschosse entwickelt, erzählt er. Die modernen Geschosse des neuen Schützenpanzers der Bundeswehr, Puma, seien auch von seinen Ideen beeinflusst worden.

Nach einer Werkzeugmacherlehre bei der Firma Karl Altenburger in Jestetten ging er in die Schweiz zur Waffenschmiede der SIG nach Neuhausen. Doch das Bauen der Waffen war für Hanspeter Sigg zu wenig und so wechselte er bereits 1965 in die Waffenentwicklung der SIG und spezialisierte sich später im Bereich der Munitionsentwicklung. Nach dem Wechsel zur BBC, die in den 1980er Jahren von ABB übernommen wurde, entschloss er sich im Jahr 1986, eine eigene Büchsenmacherwerkstatt in Altenburg zu eröffnen.

Hanspeter Sigg in seiner Werkstatt in Altenburg.
Hanspeter Sigg in seiner Werkstatt in Altenburg. | Bild: Ralf Göhrig

Diese befindet sich unscheinbar im Keller seines Wohnhauses, ist aber streng gesichert. Hier hat er hauptsächlich Sportwaffen gebaut, seine Kunden kamen überwiegend aus der Schweiz. Präzision sei ihm äußerst wichtig gewesen. „Durch meinen Werdegang habe ich ein viel größeres Werkstoffwissen, als ein gewöhnlicher Büchsenmacher“, erzählt er im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

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Der Büchsenmacher bedauert den Niedergang eines alten Handwerks. Demnach gebe es lediglich noch große Betriebe, die Jagd- und Sportwaffen in Serie produzieren. „Hier wird nichts mehr individuell auf den Schützen angepasst“, stellt Hanspeter Sigg fest.

Grundstein für Beruf im Kindesalter

Angefangen hat seine Leidenschaft für Waffen bereits im Kindesalter. Er erinnert sich an Ernst Leinhäuser, der seine Schreinerei nach dem Krieg im Jestetter Hirschen hatte. Dort gab es viele interessante Werkzeuge zu sehen und auszuprobieren, wie er sagt. Außerdem habe Leinhäuser einen Revolver in einer Schublade versteckt gehabt – und wie wohl fast jedes Kind war Hanspeter Sigg besonders angezogen von verbotenen Dingen. Und so habe er diesen Revolver in einem unbeobachteten Moment genauer unter die Lupe und seine Begeisterung sei geweckt gewesen.

Im Laufe der Zeit hat Hanspeter Sigg mehr als 30 Patente angemeldet. Doch ganz zu Ende ist seine Geschichte noch nicht. In Absprache mit dem Ordnungsamt des Landratsamtes habe er die Erlaubnis, die noch vorhandenen Gewehrläufe entsprechend zu bearbeiten und die Waffen fertig zu stellen, wie er sagt. Allerdings will er diese als Privatperson verkaufen, da sein Betrieb bereits geschlossen ist.

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