Wissenswertes über den Wald gab es auf einem Spaziergang mit Förster Ralf Göhrig in Jestetten zu erfahren. Neben der Nutzung des Waldes als Baustoff und Brennholz, insbesondere Holzkohle für die Industrie, kam es auf dem Südranden zu großen Rodungen, um Bohnerz zu gewinnen, erklärte der Förster.

Relativ unplanmäßig gruben die Menschen damals Löcher in den lehmigen Boden, um, in Karstspalten des Jurakalks Bohnerz, ein Erz mit sehr hohem Eisenanteil, zu finden. Dies hatte zur Folge, dass vom ursprünglichen Wald nicht mehr viel übrig blieb, sondern eine unwirtliche Mondlandschaft entstanden war.

Heute sind diese, meist mit Wasser gefüllten Gruben, ein hervorragendes Biotop für eine vielfältige und seltene Flora und Fauna. Am Rande gab Göhrig zu wissen, dass am 22. Juni 1763 der 24-jährige Jestetter Jeremias Werkmeister, die von ihm schwangere Clara Müllerin ermordet und in ein wassergefülltes Bohnerzloch geworfen hatte.

Weniger gruselig, sondern vielmehr magisch-mystisch wirkten die mehr als 200 Jahre alten Eichen im Bissig auf die Waldbesucher. Der Förster erklärte, dass man in früheren Zeiten den Wald parkähnlich bewirtschaftete.

Das Unterholz wurde regelmäßig geschlagen und als Brennholz genutzt, wenige Eichen blieben stehen. Diese konnten sich dann entfalten und große Kronen ausbilden. Und somit dienten die vielen Eicheln als Nahrungsmittel für das Vieh, insbesondere die Schweine, die damals zum Füttern in den Wald getrieben wurden. Besonders schön gewachsene Eichen nutzten die Menschen als Bauholz für ihre Häuser und Scheunen.

„Und dies ist auch noch heute so“, erklärte Göhrig. „Schöne, astfrei Eichen werden gefällt und genutzt, während die knorrigen und astigen als Habitatbäume stehen bleiben bis sie absterben und zerfallen.“ Und das kann bei Eichen drei- bis vierhundert Jahre dauern.

Zeitgleich fand in Hohentengen ebenfalls eine Waldführung statt, wo Förster Michael Albrecht zum Thema Wald in Zeiten des Klimawandels informierte.

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