Seit 22 Jahren ist der deutsche Pfarrer Rolf Maria Reichle einziger Pfarrer in der Jestetter Nachbargemeinde Rheinau, einem der ältesten Wallfahrtsorte der Schweiz. Zudem betreute er in der Psychiatrischen Klinik psychisch kranke Straftäter und war 32 Jahre Gefängnisseelsorger. Seine täglichen Messen in der Bergkirche und der Klosterkirche wurden regelmäßig von zahlreichen Gläubigen aus dem deutschen Grenzgebiet besucht. In der Kloster- und Wallfahrtskirche traute Reichle seit 1999 rund 150 Brautpaare, wovon auch einige aus Deutschland kamen. Reichle ist im Hegau aufgewachsen und fuhr mit einem VW Transporter mit 18 Jahren nach Indien, wo er zwei Jahre lebte. Danach absolvierte er in Herisau eine Ausbildung als Psychiatriepfleger, studierte Theologie und wurde spätberufen mit 43 Jahren zum Priester geweiht.

Das könnte Sie auch interessieren

Aus gesundheitlichen Gründen will Rolf Maria Reichle kürzer treten und dennoch mit 67 Jahren noch eine neue Herausforderung annehmen. Reichle wird ab dem 1. März zwei bis drei Wochen im Monat im 730 Jahre alten Franziskaner–Minoritinnen Kloster St. Josef im Muotathal verbringen, in dem die Schwerpunkte auf dem Gebet, der Liturgie und der Meditation liegen. In der konservativen Ordensgemeinschaft hält er als Spiritual jeden Tag einen Gottesdienst und gibt spirituelle Impulse für die Ordensschwestern und öffentliche Kurse zur christlichen Spiritualität.

Das könnte Sie auch interessieren

„Diese Entscheidung sehe ich als Fügung und habe mir dafür einen Ort mit spirituellem Starkstrom gesucht“, sagte Reichle, der seine Berufung allerdings nicht als Ordenspriester sondern als Weltpriester sieht und am öffentlichen Leben teilnimmt. Die Arbeit als Gefängnis- und Psychiatrieseelsorger hat Reichle bereits beendet, wird künftig aber noch eine Woche im Monat in der Pfarrei Liebfrauen Rheinau seelsorgerisch tätig sein und jeden Tag eine Messe halten. Zu seiner Entlastung hat der Bischofsrat vom Bistum Chur den Pfarrer Johannes Oravecz als mitarbeitenden Priester eingesetzt. Der 51- jährige Slowake hilft seit drei Jahren in der Pfarrei Liebfrauen aus und spricht alle drei Schweizer Landessprachen. Zum 1. März 2022 wird dann ein neuer Pfarrer vom Bistum bestimmt und von der Kirchengemeinde Rheinau gewählt.