Die Nachricht ist klar: Die Nachfrage nach Bauland für Wohnen in Jestetten ist groß. „Seit ich weiß, gibt es immer mehr Bewerber als Bauplätze“, sagte Bürgermeisterin Ira Sattler in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Somit haben Verwaltung und Gemeinderat bei der Bauplatzvergabe stets die Qual der Wahl. Um die Vergabe künftig einfacher und gerechter zu machen, zementierte das Ratsrund mit einer Enthaltung einen neuen Kriterienkatalog, basierend auf einem Punktesystem. Es folgte dabei dem Muster des Gemeindetags Baden-Württemberg.

Keine Bevorzugung, keine Diskriminierung

„Das einzige Kriterium in Jestetten war bisher junge Familien. Sie haben bevorzugt Grundstücke erhalten“, erklärte Sattler. Das habe in der Gemeinde in der Praxis bisher immer funktioniert. Mit Blick auf das gesamte Land sehe die Sache völlig anders aus. Sattler. „Es gibt in manchen Gemeinden Fälle, in denen sich Unterlegene beschwert haben. Die Gerichte haben nun ein Wort gesprochen.“ Gemeinden dürften keinen einseitig bevorzugen oder diskriminieren.

Großfamilien haben die besten Karten

Der Gemeindetag habe von einer Anwaltskanzlei eine Expertise ausarbeiten lassen und einen Muster-Kriterienkatalog vorgelegt, der „gerichtsfest“ sein soll. Dieser war Grundlage für den Beschlussvorschlag.

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Der Katalog bewertet soziale Kriterien und den Ortsbezug der Bewerber. Familien mit mehreren Kindern haben die besten Chancen für einen Bauplatz. Dies war bereits vorher schon ein Auswahlkriterium. Das neue System betrachtet die Familienverhältnisse aber noch differenzierter. Die Aussichten auf einen Bauplatz verbessern sich mit jedem zusätzlichen Kind – je jünger, desto besser. Leben dazu pflegedürftige Angehörige im Haushalt, gibt es noch mehr Punkte.

Wohnung, Arbeitsplatz und Ehrenamt

Extrapunkte gibt es auch für diejenigen, die schon länger in Jestetten wohnen, arbeiten und ein Ehrenamt ausüben. Mit dem Ortsbezug kann sich somit künftig auch ein Alleinstehender einen Bonus sichern. Bei Punktgleichheit erhält den Vorzug, bei dem die meisten minderjährigen Kinder im Haushalt leben, oder das Los entscheidet.

Aus dem Gremium kommt zarte Kritik

Kritisch betrachtete CDU-Gemeinderat Lothar Altenburg den neuen Katalog: „Der Gemeinderat nimmt sich die Handlungsfreiheit und animiert zum Missbrauch.“ Nach dem Motto: Wer einen Bauplatz will, trete zum Beispiel mal eben schnell in die Feuerwehr ein. Mit der bisherigen Regelung sei der Rat flexibler gewesen, und sie sei gerecht gewesen. Dem widersprach die Bürgermeisterin: „Ich denke nicht, dass der Katalog zum Missbrauch einlädt. Wir schauen schon genau hin.“

Aktuell entsteht neues Bauland in Altenburg

Im Nachgang zur Ratssitzung erklärte Sattler dem SÜDKURIER auf Nachfrage: „Es gibt in Jestetten und Altenburg je ein Neubaugebiet mit kommunalen und privaten Bauplätzen.“ Wobei in Jestetten derzeit keine kommunalen Grundstücke zum Verkauf stehen. Die Gemeinde erschließe die Baugebiete abschnittsweise im Turnus von zwei Jahren. Abwechselnd in Jestetten und Altenburg.

Aktuell werden neue Bauplätze in Altenburg erschlossen. Acht der 17 kommunalen Bauplätze stehen dort noch zum Verkauf. Der Rat beschloss, erst einmal nur vier Plätze, die nächsten frühestens 2022 zum Verkauf anzubieten. Laut weiterem Beschluss erhöht sich der Baupreis für einen Platz im neuen Baugebiet Niederfeld entsprechend dem vom Gutachterausschuss ermittelten Bodenrichtwert von 180 auf 230 Euro für jeden Quadratmeter. In Jestetten kostet der Quadratmeter 240 Euro.

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